Ganz ehrlich, ich hatte sie tatsächlich in den ersten Wochen des Jahres vermisst, die jährliche Milliarden Euro Meldung des Übertragungsnetzbetreibers Tennet zu den Kosten des Netzbetriebs. Jetzt, kurz vor der wichtigsten Fachmesse Eworld ist sie endlich durch die Ticker gegangen. Doch wer soll diese Meldung lesen oder sogar ernstnehmen?

Es sei einmal vermutet, dass man doch eigentlich den „gemeinen“ Stromkunden im Blick hat mit einer Serien-Pressemitteilung. Das diesjährige Timing lässt aber vermuten, dass man zu den Unternehmen der Energiewirtschaft kommunizieren will. Doch die dürfte es kaum jucken, dass für Redispatch in Deutschland im Jahre 2018 bei der Tennet 550 Millionen Euro (inklusive Reservermaßnahmen) aufgelaufen sind. Die Energiewirtschaft tickt allerdings so, dass sie diese Kosten ohnehin mit Aufschlag an ihre Kunden weitergibt. Es ist nicht zu erwarten, dass in dieser konventionellen Branche jemand aufsteht und sagt: „Ja, wir müssen etwas tuen, dass unser Kunden auch von den deutlich sinkenden Netzentgelten profitieren.“

Die Gründe, warum die Kosten für Redispatch innerhalb eines Jahres fast halbiert werden konnten (vergl. PV-Magazine Januar 2018), stehen leider nicht in der Meldung (blog.stromhaltig wird hier einmal nachfragen). Dafür steht im Zitat der Veröffentlichung, wo die Aufregung hingehen soll:

„…480 Millionen Euro auf Entschädigungszahlungen für Windanlagen, die wir abregeln mussten“

sagte van Beek (Vorstandsvorsitzende der Tennet-Holding) gegenüber dem Handelsblatt

Ein Zwang eine Enschädigungszahlung vorzunehmen… Ursache: Windanlage führt zu Wirkung: Kosten.

Der Auswurf der Braunkohlekraftwerke war im Jahre 2018 deutlich unter dem der Vorjahre. Ob diese vielleicht für die Halbierung der Redispatches verantwortlich gewesen sind? Und die 480 Millionen Euro, mit welchem Strommix war das Netz zu diesem Zeitpunkt gerade „voll“ . Es war mit Sicherheit kein Strom, den jemand verschenkt hat, d.h. irgend jemand hat an den Strommengen verdient, die das Netz gefüllt haben, als die Windanlagen abgeregelt wurden.

Man musste natürlich auch 2019 auf etwa 1 Mrd. Euro kommen, da man dieses Niveau in den Vorjahren erreicht hatte. Die Lösung auf der Tonspur ist recht einfach, man nimmt andere Kostenblöcke (Abregelung) mit in die Nachricht auf. Die Lösung? Nein, es kann nicht final ausgeschlossen werden, dass Kommunikation des Unternehmens nicht ein Teil des Problems ist.