Zocken mit den Strompreisen

Glaubt man einer Meldung der DPA, die unter anderem bei web.de zu lesen ist, so waren wir vor einigen Tagen wieder einmal kurz vor dem Kollaps des Stromnetzes.  Als spekulativer Hintergrund werden hohe Börsenpreise genannt, die dazu führten, dass der Verbrauch „optimiert“ berechnet wurde und in Folge auf Produktionsreserven aus der Regelleistung zurückgegriffen wurde. Wie aus der Meldung hervorgeht, bestand zum Teil über Stunden eine zu geringe Produktion. Bei der Regelleistung des Stromnetzes handelt es sich um Kraftwerke, die sehr schnell hoch oder runter gefahren werden können um unerwartete Verbrauchsspitzen oder plötzliche Ausfälle auszugleichen. Nicht konzipiert ist diese Stromquelle für die Deckung des Grundbedarfs – zu dem es aber scheinbar zwischen dem 6. und dem 9. Februar genutzt wurde.

Eigentlich sollte eine solche „Optimierung“ der Einkaufspreise nicht vorkommen, könnte man annehmen. Es scheint allerdings sehr verlockend zu sein, bei zu hohen Einkaufspreisen den tatsächlichen Verbrauch klein zu rechnen. Es bleibt offen, was passiert, wenn es tatsächlich zu einem Ausfall kommt. Kaum wird man die Marktgesetze dafür verantwortlich machen – eher den Ausstieg aus der Atomenergie, oder unzuverlässige Kapazitäten aus den erneuerbaren Energieträgern.

Schön, dass nicht einmal eine Woche vor dem Beinahe-Zusammenbruch der Stromhändler und Kraftwerksbetreiber „Next“ aus Köln die Erfolgsmeldung veröffentlichte, dass der Zusammenschluss aus von Biogasanlagen zu einem virtuellen Kraftwerk, zur Deckung der Regelleistung beigetragen hat.

Der Kreis schließt sich, wenn man sich nun überlegt, wer für den Schaden der Stromzockerei eigentlich aufkommt: Der „Otto-Normal-Bürger“. Diesmal allerdings (zum Glück) nicht direkt mit Steuergeldern, sondern durch stickenden Bio-Müll, der in Projekten wie der neuen Bio-Energietonne der AVR-Rhein Neckar gesammelt wird zur Verstromung in einer Biogasanlage.

 

 

Einfach ohne Strom?

Wie einfach ist es eigentlich ohne Strom zu leben? – Schließlich hängen fast alle Geräte im Haushalt von Strom ab. Wie Natur&Bildung berichtet kam gerade in Österreich eine Dokumentation über eine Familie, die den Selbstversuch gewagt hat und einige Tage ohne Strom in einer zivilisierten Welt auskommen wollte.

Am Tag nach der Meldung aller Vergleichsportale, dass in Deutschland der Tarif für den Haushaltsstrom wieder gestiegen ist, hat das stromlose Gedankenexperiment einigen Charme.

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Dieses Extremsparen ist zumindest in meiner Welt wirklich nur ein Gedankenexperiment, denn es sind nicht die offensichtlichen Verbraucher die mir sofort in den Sinn kommen, sondern die unsichtbaren Helfer. Kommt noch Wasser aus der Leitung? Zumindest die Klospülung kommt bei uns nicht ohne Strom aus. Bei einem anderen Haushalt könnte es die Hebeanlage sein, die das Abwasser auf Kanalniveau hebt.

Wird es warm in der Wohnung? Wahrscheinlich nicht, wenn dafür eine Zentralheizung benötigt wird. Diese wird nur in ganz wenigen Fällen ohne eine Umwälzpumpe auskommen, die auch wieder Strom benötigt.

Zumindest im kommerziellen Umfeld macht man sich gerade über den Verbrauch von diesen eher unsichtbaren Stromverbrauchern bereits einige Gedanken. Wie bei FacilityAktuell zu lesen ist, hat der Pumpenhersteller Wilo gerade eine neue Technik für die Elektromotoren in seine Baureihen integriert, die sogar den EU-Ökodesignrichtlinien entsprechen.

 

Schwedischer Gesetzesvorschlag zur Verbrauchsmessung im Stundentakt

Schwedische Stromversorger sollen den Kunden künftig auf Verlangen den Verbrauch per Stunde anzeigen können. Einen entsprechenden Gesetzesvorschlag hat die Regierung am Donnerstag eingebracht. (Quelle)

Nachrechnen beim Wärmepumpenstrom

PICT0163.JPG Wer frisch gebaut hat, der sollte genau nachrechnen, wenn es darum geht den richtigen Stromanbieter für die Wärmepumpe zu gewinnen. Fakt ist, dass heutige Häuser sehr effizient sind, und nur wenig Energie benötigen für eine gemütliche Wärme. Wer die Gemütlichkeit mit einem Kamin zusätzlich unterstützt, der wird nicht selten in einem typischen Wärmepumpentarif schlecht aufgehoben sein, obwohl es nahe liegend scheint.

Noch vor einigen Jahren, haben sich die Energieversorger gefreut, wenn der Kunde auf eine Wärmepumpe umgestiegen ist. Nicht selten war man mit einem Schlag nicht mehr der Kleinverbraucher, sondern ein Großverbraucher, um dessen Gunst es sich zu kämpfen lohnt. In Zahlen ausgedrückt ist dies ein Verbrauch von mehr als 10.000 kWh pro Jahr. Um diese „Last“ zu optimieren wurden etliche Einrichtungen geschaffen, die den Verbrauch steuern sollten.

Aus der Ära der Nachtspeicherheizungen stammen zum Beispiel die Zweit-Tarif Zähler. Zu einer gewissen Zeit des Tages ist der Strompreis günstiger, als bei anderen. Hierfür notwendig ist, dass dem Stromzähler bekannt ist, zu welchem Tarif gerade abgerechnet werden soll. Eine Technik, die Geld kostet – Geld welches dem Kunden weiterberechnet wird. Moderner ist die Abschaltung des Stroms für einige Stunden des Tages. Auch hier wird Technik benötigt, die diese Abschaltung vornimmt.

Als Dank für die spezielle Zählertechnik und die damit höheren Grundgebühren, erhält der Stromkunde einen günstigeren Verbrauchstarif. Eine Rechnung die Aufgeht, wenn der tatsächliche Strombedarf wirklich im Bereich der 10.000 kWh pro Jahr liegt.

Nehmen wir unser Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung, Baujahr 2010. Für das gesamte Jahr kamen wir mit einem Stromverbrauch für die Wärmepumpe von 2.400 kWh aus. Mit diesen Werten rentiert sich definitiv keiner der Großverbrauchertarifen. Nach meinen Berechnungen sollten es mindestens 5.000 kWh sein, damit die hohen Grundgebühren sich auch wirklich rechnen.

Die Herausforderung für den Endkunden ist, dass die Wärmepumpentarife nur vom Grundversorger zu haben sind. D.h. ein wirklicher Markt besteht hier nicht, wodurch sich auch in den nächsten Jahren kaum etwas ändern dürfte. Auf Basis der Verbrauchswerte bei uns würde der nahe liegende Tarif des Grundversorgers, Kosten in Höhe von 0,38 €/kWh bedeuten – deutlich über dem Preis, den wir für unseren Haushaltsstrom zahlen.

 

 

Stromverbrauch des Abendessens – Blogparade

Der Küchen Atlas veranstaltet zur Zeit eine Blogparade rund um Geschichten zum Thema Großgeräte in der Küche.  Gerade bei diesen Geräten hat sich in den letzten Jahren einiges getan, wenn man sich deren Effizienz ansieht. Stromverbrauch senken war die Devise bei den meisten Herstellern. Bereits in den vergangen Beiträgen wurde daher hier über das Energiesparen beim Kochen, Geschirrspülen und natürlich die Effizienzlabels berichtet.

Der Wettbewerb
Dank Discovergy Smart-Meter kann hier im Haushalt so ziemlich alle Verbräuche aufgezeichnet und ausgewertet werden. Daher ein kleiner Wettbewerb der verschiedenen Abendessen der letzten 3 Tage. Bewertet wird, welches Gericht am günstigsten in der Lagerung und in der Zubereitung ist. In anderen Worten: Die Kosten, die es verursacht ab Haustür.

Stromverbrauch des Berg-Ziegenthalers
Stromverbrauch des Berg-Ziegenthalers

Die Kandidaten

  • Montag: Rotkraut mit Kartoffelbrei und Bratwurst
  • Dienstag: Fertigpizza
  • Mittwoch: Berg-Ziegenthaler mit Feldsalat
Alle Speisen wurden am vergangenen Samstag eingekauft und mussten seither gekühlt werden.
Das Spielfeld
Die Pizza muss in den Gefrierschrank (80 Liter,  Baujahr 2010, A+++). Der Salat, Ziegenthaler und Bratwurst kommen in den Kühlschrank (120 Liter,  Baujahr 2010, A+++). Die Zubereitung der Pizza erfolgt im Backofen, alle anderen Speisen werden auf dem Induktionsherd  zubereitet. Die E-Geräte sind bei uns alle von Bosch.
Die Vorrunde – Kühlung
Natürlich sind sowohl im Gefrierschrank, als auch im Kühlschrank, noch weitere Dinge gelagert. Dennoch kann auf Basis des Volumens und der Umschlaggeschwindigkeit ein Kostenanteil an den „Lagerkosten“ ermittelt werden.
Der Kühlschrank verbraucht etwa 300 wH/Tag – der Gefrierschrank liegt bei mir bei etwa 350 wH/Tag. Mich kostet eine kWh 0,22€. Bedenkt man nun noch das Volumen und die Lagerdauer ergeben sich für die einzelnen Gerichte folgende Lagerkosten:
  • Bratwurst – 0,02 €
  • Pizza – 0,04 €
  • Ziegenthaler – 0,03 €
   
Das Match – Zubereitung
In dieser Runde verliert die Pizza bereits vor dem Betreten des Spielfeldes. Durch das Vorheizen des Backofens fallen bereits Stromkosten in Höhe von 0,03 € an, zur gleichen Zeit sind die anderen Gerichte noch neutral in den Kosten.
Für das Erwärmen des Rotkrauts aus dem Glas benötige ich ca. 7 Minuten – zur gleichen Zeit wird die Bratwurst gebraten. Der Stromzähler dreht extra Runden bei Ausschlägen um die 3 kWh in den Spitzen.
Startsieg für die ominösen Ziegethalern, die ich vorher noch nie gegessen habe. Da ich das Licht in der Küche nicht mit in die Rechnung aufgenommen habe, fallen die ersten 6 Minuten der Zubereitung überhaupt keine Stromkosten an. Ein Küchengerät, das Salat zubereitet gibt es nicht?
Konstanter Verbrauch im Backofen, während die Pizza im Ofen für 12 Minuten zum Abendessen mutiert. 2 kWh will mein Backofen verbrauchen. Zu einer Abschaltung, weil die Wärme erreicht wird, kommt es nur selten.
   
Das Finale
Das Abendessen ist fertig und die Kosten liegen auf dem Tisch. So billig, wie die Pizza beim Discounter war, so teuer wurde sie beim Stromverbrauch. Kommt es rein auf die Kosten an, so sind nun plötzlich die Pizza und das Rotkrautessen fast gleich im Preis.
Stromkosten (Lagerung+Zubereitung):
  1. Berg Ziegenthaler = 0,04 €
  2. Bratwurst und Rotkraut = 0,06 €
  3. Pizza = 0,08 €
   
Fazit
Natürlich sind die Beträge, die in diesem Abendessenswettstreit bei den Kosten angefallen sind, recht gering. Möglich ist dies aber nur durch den Einsatz von relativ neuen Geräten. Würde man den gleichen Wettbewerb mit nur 10 Jahre älteren Küchengeräten durchführen, so käme fast der doppelte Betrag zustande. Mit 20 Jahren alten Geräten wage zumindest ich es mich nicht die Rechnung überhaupt anzufangen.

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