Ende Februar war es soweit, der nicht atomare Teil des Kernkraftwerk Biblis konnte seiner neuen Bestimmung zugeführt werden. Die Netzbetreiber RWE Power und Amprion haben mit den Mitarbeitern des Kernkraftwerks den Umbau zur Unterstützung der Blindleistung fertiggestellt, wie man einer Pressemitteilung des Konzerns entnehmen kann.

Laut Wikipedia ist die Blindleistung eigentlich der unerwünschte Anteil der Stromerzeugung, der mehr benötigt wird, als tatsächlich verbraucht wird. Ein Phasenschieber sorgt dafür, dass die Blindleistung gleichmäßig auf alle Phasen verteilt wird.

Was mich etwas verwundert ist die Begründung, die hinter dieser Unternehmung steckt. Gerade im Süden sei die Stabilität durch die Erneuerbaren Energien ohne einen solchen Phasenschieber gefährdet. Nach meinem technischen Verständnis, wirkt der Phasenschieber in Biblis sich unmittelbar, sofort, in Sekundenbruchteilen auf das Stromnetz aus und sorgt für eine gleichmäßige Verteilung der angebotenen Leistung auf die Phasen. Sicherlich nicht unwichtig für die Stabilität des Gesamtsystems – jedoch war bislang die Schwachstelle die den Erneuerbaren unterstellt wurden, eher längere Ereignisse, wie eine anhaltende Flaute beim Wind. Um solche Vorfälle auszugleichen ist das Verfahren der Regelleistung vorhanden, welches hier ja bereits besprochen wurde.

 

Glaubt man einer Meldung der DPA, die unter anderem bei web.de zu lesen ist, so waren wir vor einigen Tagen wieder einmal kurz vor dem Kollaps des Stromnetzes.  Als spekulativer Hintergrund werden hohe Börsenpreise genannt, die dazu führten, dass der Verbrauch „optimiert“ berechnet wurde und in Folge auf Produktionsreserven aus der Regelleistung zurückgegriffen wurde. Wie aus der Meldung hervorgeht, bestand zum Teil über Stunden eine zu geringe Produktion. Bei der Regelleistung des Stromnetzes handelt es sich um Kraftwerke, die sehr schnell hoch oder runter gefahren werden können um unerwartete Verbrauchsspitzen oder plötzliche Ausfälle auszugleichen. Nicht konzipiert ist diese Stromquelle für die Deckung des Grundbedarfs – zu dem es aber scheinbar zwischen dem 6. und dem 9. Februar genutzt wurde.

Eigentlich sollte eine solche „Optimierung“ der Einkaufspreise nicht vorkommen, könnte man annehmen. Es scheint allerdings sehr verlockend zu sein, bei zu hohen Einkaufspreisen den tatsächlichen Verbrauch klein zu rechnen. Es bleibt offen, was passiert, wenn es tatsächlich zu einem Ausfall kommt. Kaum wird man die Marktgesetze dafür verantwortlich machen – eher den Ausstieg aus der Atomenergie, oder unzuverlässige Kapazitäten aus den erneuerbaren Energieträgern.

Schön, dass nicht einmal eine Woche vor dem Beinahe-Zusammenbruch der Stromhändler und Kraftwerksbetreiber „Next“ aus Köln die Erfolgsmeldung veröffentlichte, dass der Zusammenschluss aus von Biogasanlagen zu einem virtuellen Kraftwerk, zur Deckung der Regelleistung beigetragen hat.

Der Kreis schließt sich, wenn man sich nun überlegt, wer für den Schaden der Stromzockerei eigentlich aufkommt: Der „Otto-Normal-Bürger“. Diesmal allerdings (zum Glück) nicht direkt mit Steuergeldern, sondern durch stickenden Bio-Müll, der in Projekten wie der neuen Bio-Energietonne der AVR-Rhein Neckar gesammelt wird zur Verstromung in einer Biogasanlage.

 

 

Wie einfach ist es eigentlich ohne Strom zu leben? – Schließlich hängen fast alle Geräte im Haushalt von Strom ab. Wie Natur&Bildung berichtet kam gerade in Österreich eine Dokumentation über eine Familie, die den Selbstversuch gewagt hat und einige Tage ohne Strom in einer zivilisierten Welt auskommen wollte.

Am Tag nach der Meldung aller Vergleichsportale, dass in Deutschland der Tarif für den Haushaltsstrom wieder gestiegen ist, hat das stromlose Gedankenexperiment einigen Charme.

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Dieses Extremsparen ist zumindest in meiner Welt wirklich nur ein Gedankenexperiment, denn es sind nicht die offensichtlichen Verbraucher die mir sofort in den Sinn kommen, sondern die unsichtbaren Helfer. Kommt noch Wasser aus der Leitung? Zumindest die Klospülung kommt bei uns nicht ohne Strom aus. Bei einem anderen Haushalt könnte es die Hebeanlage sein, die das Abwasser auf Kanalniveau hebt.

Wird es warm in der Wohnung? Wahrscheinlich nicht, wenn dafür eine Zentralheizung benötigt wird. Diese wird nur in ganz wenigen Fällen ohne eine Umwälzpumpe auskommen, die auch wieder Strom benötigt.

Zumindest im kommerziellen Umfeld macht man sich gerade über den Verbrauch von diesen eher unsichtbaren Stromverbrauchern bereits einige Gedanken. Wie bei FacilityAktuell zu lesen ist, hat der Pumpenhersteller Wilo gerade eine neue Technik für die Elektromotoren in seine Baureihen integriert, die sogar den EU-Ökodesignrichtlinien entsprechen.

 

PICT0163.JPG Wer frisch gebaut hat, der sollte genau nachrechnen, wenn es darum geht den richtigen Stromanbieter für die Wärmepumpe zu gewinnen. Fakt ist, dass heutige Häuser sehr effizient sind, und nur wenig Energie benötigen für eine gemütliche Wärme. Wer die Gemütlichkeit mit einem Kamin zusätzlich unterstützt, der wird nicht selten in einem typischen Wärmepumpentarif schlecht aufgehoben sein, obwohl es nahe liegend scheint.

Noch vor einigen Jahren, haben sich die Energieversorger gefreut, wenn der Kunde auf eine Wärmepumpe umgestiegen ist. Nicht selten war man mit einem Schlag nicht mehr der Kleinverbraucher, sondern ein Großverbraucher, um dessen Gunst es sich zu kämpfen lohnt. In Zahlen ausgedrückt ist dies ein Verbrauch von mehr als 10.000 kWh pro Jahr. Um diese „Last“ zu optimieren wurden etliche Einrichtungen geschaffen, die den Verbrauch steuern sollten.

Aus der Ära der Nachtspeicherheizungen stammen zum Beispiel die Zweit-Tarif Zähler. Zu einer gewissen Zeit des Tages ist der Strompreis günstiger, als bei anderen. Hierfür notwendig ist, dass dem Stromzähler bekannt ist, zu welchem Tarif gerade abgerechnet werden soll. Eine Technik, die Geld kostet – Geld welches dem Kunden weiterberechnet wird. Moderner ist die Abschaltung des Stroms für einige Stunden des Tages. Auch hier wird Technik benötigt, die diese Abschaltung vornimmt.

Als Dank für die spezielle Zählertechnik und die damit höheren Grundgebühren, erhält der Stromkunde einen günstigeren Verbrauchstarif. Eine Rechnung die Aufgeht, wenn der tatsächliche Strombedarf wirklich im Bereich der 10.000 kWh pro Jahr liegt.

Nehmen wir unser Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung, Baujahr 2010. Für das gesamte Jahr kamen wir mit einem Stromverbrauch für die Wärmepumpe von 2.400 kWh aus. Mit diesen Werten rentiert sich definitiv keiner der Großverbrauchertarifen. Nach meinen Berechnungen sollten es mindestens 5.000 kWh sein, damit die hohen Grundgebühren sich auch wirklich rechnen.

Die Herausforderung für den Endkunden ist, dass die Wärmepumpentarife nur vom Grundversorger zu haben sind. D.h. ein wirklicher Markt besteht hier nicht, wodurch sich auch in den nächsten Jahren kaum etwas ändern dürfte. Auf Basis der Verbrauchswerte bei uns würde der nahe liegende Tarif des Grundversorgers, Kosten in Höhe von 0,38 €/kWh bedeuten – deutlich über dem Preis, den wir für unseren Haushaltsstrom zahlen.