Auch dieses Jahr wird es wieder einiges zum Thema Intelligente Stromnetze auf der Cebit zu sehen geben. So will der Verband der Elektrotechnik (VDE) vor allem das Thema „Sicherheit“ in den Vordergrund stellen, wie aus einer Ankündigung des Verbandes zu entnehmen ist. War es bislang ein privates Vergnügen im Zählerkasten den aktuellen Verbrauch abzulesen, werden durch die Übertragung im Sekundentakt zu einem Messstellenbetreiber natürlich auch Fragen des Datenschutzes von Bedeutung. Mit genauen Verbrauchswerten lassen sich aber auch das gesamte Netz intelligenter gestalten, eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende in Deutschland. Doch fehlt es im Moment etwas an Biss – oder an strategischer Planung. Kann ein 5-Jahresplan nach chinesischem Vorbild da helfen?

 

Ende Februar war es soweit, der nicht atomare Teil des Kernkraftwerk Biblis konnte seiner neuen Bestimmung zugeführt werden. Die Netzbetreiber RWE Power und Amprion haben mit den Mitarbeitern des Kernkraftwerks den Umbau zur Unterstützung der Blindleistung fertiggestellt, wie man einer Pressemitteilung des Konzerns entnehmen kann.

Laut Wikipedia ist die Blindleistung eigentlich der unerwünschte Anteil der Stromerzeugung, der mehr benötigt wird, als tatsächlich verbraucht wird. Ein Phasenschieber sorgt dafür, dass die Blindleistung gleichmäßig auf alle Phasen verteilt wird.

Was mich etwas verwundert ist die Begründung, die hinter dieser Unternehmung steckt. Gerade im Süden sei die Stabilität durch die Erneuerbaren Energien ohne einen solchen Phasenschieber gefährdet. Nach meinem technischen Verständnis, wirkt der Phasenschieber in Biblis sich unmittelbar, sofort, in Sekundenbruchteilen auf das Stromnetz aus und sorgt für eine gleichmäßige Verteilung der angebotenen Leistung auf die Phasen. Sicherlich nicht unwichtig für die Stabilität des Gesamtsystems – jedoch war bislang die Schwachstelle die den Erneuerbaren unterstellt wurden, eher längere Ereignisse, wie eine anhaltende Flaute beim Wind. Um solche Vorfälle auszugleichen ist das Verfahren der Regelleistung vorhanden, welches hier ja bereits besprochen wurde.

 

Glaubt man einer Meldung der DPA, die unter anderem bei web.de zu lesen ist, so waren wir vor einigen Tagen wieder einmal kurz vor dem Kollaps des Stromnetzes.  Als spekulativer Hintergrund werden hohe Börsenpreise genannt, die dazu führten, dass der Verbrauch „optimiert“ berechnet wurde und in Folge auf Produktionsreserven aus der Regelleistung zurückgegriffen wurde. Wie aus der Meldung hervorgeht, bestand zum Teil über Stunden eine zu geringe Produktion. Bei der Regelleistung des Stromnetzes handelt es sich um Kraftwerke, die sehr schnell hoch oder runter gefahren werden können um unerwartete Verbrauchsspitzen oder plötzliche Ausfälle auszugleichen. Nicht konzipiert ist diese Stromquelle für die Deckung des Grundbedarfs – zu dem es aber scheinbar zwischen dem 6. und dem 9. Februar genutzt wurde.

Eigentlich sollte eine solche „Optimierung“ der Einkaufspreise nicht vorkommen, könnte man annehmen. Es scheint allerdings sehr verlockend zu sein, bei zu hohen Einkaufspreisen den tatsächlichen Verbrauch klein zu rechnen. Es bleibt offen, was passiert, wenn es tatsächlich zu einem Ausfall kommt. Kaum wird man die Marktgesetze dafür verantwortlich machen – eher den Ausstieg aus der Atomenergie, oder unzuverlässige Kapazitäten aus den erneuerbaren Energieträgern.

Schön, dass nicht einmal eine Woche vor dem Beinahe-Zusammenbruch der Stromhändler und Kraftwerksbetreiber „Next“ aus Köln die Erfolgsmeldung veröffentlichte, dass der Zusammenschluss aus von Biogasanlagen zu einem virtuellen Kraftwerk, zur Deckung der Regelleistung beigetragen hat.

Der Kreis schließt sich, wenn man sich nun überlegt, wer für den Schaden der Stromzockerei eigentlich aufkommt: Der „Otto-Normal-Bürger“. Diesmal allerdings (zum Glück) nicht direkt mit Steuergeldern, sondern durch stickenden Bio-Müll, der in Projekten wie der neuen Bio-Energietonne der AVR-Rhein Neckar gesammelt wird zur Verstromung in einer Biogasanlage.

 

 

Wie einfach ist es eigentlich ohne Strom zu leben? – Schließlich hängen fast alle Geräte im Haushalt von Strom ab. Wie Natur&Bildung berichtet kam gerade in Österreich eine Dokumentation über eine Familie, die den Selbstversuch gewagt hat und einige Tage ohne Strom in einer zivilisierten Welt auskommen wollte.

Am Tag nach der Meldung aller Vergleichsportale, dass in Deutschland der Tarif für den Haushaltsstrom wieder gestiegen ist, hat das stromlose Gedankenexperiment einigen Charme.

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Dieses Extremsparen ist zumindest in meiner Welt wirklich nur ein Gedankenexperiment, denn es sind nicht die offensichtlichen Verbraucher die mir sofort in den Sinn kommen, sondern die unsichtbaren Helfer. Kommt noch Wasser aus der Leitung? Zumindest die Klospülung kommt bei uns nicht ohne Strom aus. Bei einem anderen Haushalt könnte es die Hebeanlage sein, die das Abwasser auf Kanalniveau hebt.

Wird es warm in der Wohnung? Wahrscheinlich nicht, wenn dafür eine Zentralheizung benötigt wird. Diese wird nur in ganz wenigen Fällen ohne eine Umwälzpumpe auskommen, die auch wieder Strom benötigt.

Zumindest im kommerziellen Umfeld macht man sich gerade über den Verbrauch von diesen eher unsichtbaren Stromverbrauchern bereits einige Gedanken. Wie bei FacilityAktuell zu lesen ist, hat der Pumpenhersteller Wilo gerade eine neue Technik für die Elektromotoren in seine Baureihen integriert, die sogar den EU-Ökodesignrichtlinien entsprechen.