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Am 26. April 1986 ereignete sich in Block 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl eine Nuklearkatastrophe, von der man eigentlich annehmen müsste, dass die Menschheit etwas gelernt hätte. Dem scheint allerdings nicht so zu sein, wenn man zwei Meldungen des Tages aus den ARD Redaktionen liest:

  •  Neubau eines Atomreaktors in der Ukraine. Mit am Start die Baufirma Electrabel, die ihr Können im belgischen Doel und Tihage gezeigt haben. [zur Meldung]
  • Schadsoftware im AKW Grundremmingen entdeckt [zur Meldung]

Beitragsbild: By Carl Montgomery (Flickr) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

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 Wer den Notruf wählt, der erwartet, dass jemand kommt. Dafür muss man im voraus Geld in die Hand nehmen, um die notwendige Sicherheit zu schaffen. Sobald der Empfänger des Notrufes ein Privatunternehmen ist, muss dieser für seine Bereitschaft entlohnt werden, dass wissen auch einige Kraftwerksbetreiber und setzen im Strommarktgesetz einen Kuhhandel durch:

Wählt das Stromnetz (die Netzbetreiber) den Notruf, weil nicht genügend elektrische Energie vorhanden ist, so werden RWE und Vattenfall zukünftig reagieren. Als Entschädigung für die Bereitstellung dieses Rettungsdienstes der Stromversorgung, erhalten sie von jeder an den Stromkunden verkauften Kilo-Watt-Stunde einen kleinen Obolus.

Leider wurde bei diesem Kuhhandel vergessen, dass es bereits Reservekraftwerke gibt, diese werden per 5-Jahresplan von den Netzbetreibern angefordert und bereits heute durch die Stromkunden bezahlt. Der heutige Rettungsdienst für das Stromnetz ist qualitativ hochwertig, mit Hilfsfristen von wenigen Minuten bis wenige Stunden. Reagieren für die höchst mögliche Versorgungssicherheit eines Industrielandes. Die jetzt neu dazukommende Sicherheitsbereitschaft sieht Elf Tage Vorlauf vor und bringt damit keinen zusätzliche Sicherheit für die Stromversorgung.

Informationsbedarf besteht…

  • … weil die Netzbetreiber überhaupt nicht wissen, wie sie die neue Reserve nutzen können/möchten.
  • … Elf Tage deutlich zu lange ist.
  • … nur wenige Stromkonzerne davon profitieren
  • … ein finanzieller Schaden für die gesamte Bevölkerung entsteht

Damit das Bundes Wirtschaftsministerium hier etwas mehr Klarheit liefert, wird um Mitzeichnung der Petition Wettbewerb/Regulierung – Verschärfung der Kriterien für die Sicherheitsbereitschaft (§ 13g Strommarktgesetz) vom 31.03.2016 gebeten .

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„Ein Hartz IV für Kraftwerke wird es mit uns nicht geben“, meinte einst ein Hinterbänkler im Bundestag, nachdem er auf die Vergütung der Betreiber im Falle von Kraftwerksstilllegungen angesprochen wurde. Die Realität ist, dass Kraftwerke im Privatbesitz sind, die Politik lediglich mit Anreizfaktoren (Bestechungsgeldern) es schafft etwas zu verändern. Die Klimaziele bis 2020 können nur durchgesetzt werden, wenn rentable Braunkohlekraftwerke vom Netz genommen werden. Die Betriebsgenehmigung entziehen geht nicht, rentabel sind sie auch, Steuergeld als Subvention verwenden ist bei einer „Schwarzen Null“ auch tabu – also muss man den Betreibern eine Stilllegung anders schmackhaft machen. Im Strommarktgesetz ist der Bundesregierung die Quadratur des Kreises gelungen! Kapazitätsreserve, oder Sicherheitsbereitschaft – oder §13g nennt sich die Zahlungsverpflichtung der Stromkunden, der (k)eine Gegenleistung entgegensteht.

Stromkunden sollen für etwas zahlen, was keinen Bedarf am Markt hat. Man sagt es nur nicht, sondern gaukelt mit den Begriffen „Sicherheit“ und „Reserve“  eine teure Notwendigkeit vor, bei dem das Wahlstimmvieh einfach nicht widersprechen darf.

Nachgefragt beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie den vier Übertragungsnetzbetreibern, zeigt, dass die Reserve nicht nutzbar ist und von Sicherheit nicht gesprochen werden kann.

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enbw

Die deutsche Energieszene schwindet. Genau gesagt, wird die Anzahl der Konzerne im Zentrum der Macht-Vereinheitlichung kleiner. Die Energie Baden-Württemberg (EnBW) ist aus gutem Grund aus dem Fokus der „Großen“ verschwunden. Zuletzt hatte das Satire-Magazin Extra3 mit der Bildunterschrift „Energiekonzerne nagen am Hungertuch“ lediglich E.ON, Vattenfall und RWE genannt. Ein Trend, der bereits im November 2015 in der HeuteShow begonnen hatte: Die Vier Großen sind jetzt nur noch zu Dritt.

Konnte man früher das Wort der Vier (via BDEW) als Gesetz nehmen, so gibt es jetzt nur noch das Wort von Dreien zu verkünden.

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Kraftwerk Boxberg

Am kommenden Mittwoch geht das Bieterverfahren rund um Geschäftsbereich Braunkohle der Vattenfall zu Ende. Eine Medien Clean Energy Wire hat bereits eine Übersicht über das Verfahren veröffentlicht.  Beim RBB berichtet man über eine Stiftungsidee, wenn alle Stricke reisen sollen. Es scheint so, als müsse Vattenfall dem Käufer noch Geld geben, damit die Braunkohle den Konzern verlässt.

Ein Produkt am Ende seines Lebenszyklus. Eine Tatsache, die sich bereits vor vielen Jahren angekündigt hat und durch den Atomausstieg einige Jahre Gnadenfrist durch die Märkte gewährt wurde.

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