Antwort von Dr. phil. Nadja Thomas - Trianel GmbH
Antwort von Dr. phil. Nadja Thomas – Trianel GmbH

Sind die Stadtwerke die Gewinner oder Verlierer der Stromwende?

Die Energiewende ist ein Generationenprojekt. Darum ist es auch zu früh, schon heute ein Urteil über Erfolg und Misserfolg zu fällen. Wenn die Energiewende gelingt, werden am Ende alle davon profitieren.

 Stadtwerke haben die Energiewende von Anfang an als Chance für sich begriffen, ohne die Risiken für sich und ihre Geschäftsmodelle aus den Augen zu verlieren. Ohne Zweifel verändert die Energiewende die Anforderungen und Erwartungen an Stadtwerke. Angesichts des zunehmenden Margendrucks im Endkundenvertrieb, geringerer Absätze durch mehr Energieeffizienz und durch die Regulierung müssen sich Stadtwerke neu erfinden. Die Kompensation dieser Absatz- und Margenverluste wird langfristig nur durch den Auf- und Ausbau neuer Geschäftsfelder gelingen.

 Stadtwerke sind traditionell eng mit Energiethemen verbunden. Darum haben sie eine hervorragende Ausgangssituation, um sich bei ihren Kunden immer mehr als Energiedienstleister zu profilieren. Hier können Stadtwerke punkten, in dem sie die Ansprüche ihrer Kunden an eine moderne und umweltfreundliche Energieversorgung bedienen. Mit Smart Metering, Dezentraler Erzeugung, Elektromobilität und Energieeffizienz zeigen sich schon heute Themenfelder, mit denen Stadtwerke sich neu aufstellen und auf gesellschaftliche Entwicklungen wie den Prosumer reagieren können.

 Durch die Energiewende werden die Prozesse des gesamten Energiemarktes von der Erzeugung über Handel und Beschaffung bis hin zum Endkundenverhalten transformiert. Dabei erhöht sich deutlich die Komplexität und Vielseitigkeit der Themen. Die Bewältigung der Themen wird dabei für viele Stadtwerke effizienter und leichter in Kooperationen zu lösen sein. Gewinnen werden die Energiewende am Ende die Energieversorger, die die Anforderungen eines sich verändernden Marktes erkennen und die Bedürfnisse ihrer Kunden antizipieren.

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Die Stromversorgung in der Bundesrepublik Deutschland ist nach Angaben des Verbandes Deutscher Elektrizitätswerke [Heute BDEW] bis in die 90er Jahre gesichert. Der Verband gab heute [28.7.1988] eine Pressekonferenz in Essen.

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Antwort von Stephan Günther - Energieheld
Antwort von Stephan Günther – Energieheld

Die Heizölpreise sind im Keller. Schwindet das Interesse an der energetischen Sanierung von Immobilien?

Leider saniert kaum jemand in Deutschland rein aus ökologischen Gründen sein Haus. Dies liegt aber natürlich auch daran, dass dies für die meisten Besitzer finanziell einfach nicht zu stemmen wäre. Eine neue Heizungsanlage oder die Installation von unterstützenden Solaranlagen sind schließlich Sanierungs-Maßnahmen die mehrere tausend Euro kosten. Der Heizölpreis lag 2013 tatsächlich niedriger als noch 2012. Es handelt sich um einen Preisunterschied von einem halben Cent pro Liter Heizöl. Von 87 Cent/l im Vorjahr (Dezember 2012), sanken die Ölpreise auf nun 82 Cent im aktuellen Dezember 2013.

Durch die sinkenden Preise werden sicherlich einige Besitzer auch weiterhin eher bei Ihrer bestehenden Heizungsanlage bleiben. Dennoch kann sich aus wirtschaftlicher Sicht ein Umstieg von Heizöl (8,2 Cent/kWh) auf etwas umweltfreundlichere Brennstoffe, wie Erdgas (6,5 Cent / kWh) oder Pellets (5,5 Cent / kWh) oder Erdwärme aus einer Wärmepumpe (7 Cent / kWh => bei einer Jahresarbeitszahl von 3 und einem Wärmepumpentarif mit 21 Cent / kWh) lohnen. Hierfür sind jedoch auch oftmals hohe Investitionskosten notwendig. Wir telefonieren täglich mit Sanierungsinteressierten, welche ein hohes Interesse an unabhängiger Beratung aufweisen. Die Ungewissheit was sich wirklich lohnt ist in der Bevölkerung relativ groß. Es muss im Einzelfall geschaut werden, was ökologisch und ökonomisch am sinnvollsten ist.

Sollte der Wechsel des Energieträgers bzw. der Heizungsart, aus welchen Gründen auch immer, nicht möglich oder sinnvoll sein, so können auch durch die Erneuerung und Optimierung der Anlage eine Menge Energie eingespart werden. Das schont nicht nur die Brieftasche sondern auch die Umwelt. Denn letztendlich tragen wir alle einen Teil zur gewollten Energiewende bei.

Eine weitere Frage:

Ist die Sanierung noch der Grund für den Bezug von Förderungen? Oder die Förderung eher Grund für die Sanierung?

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Antwort von Christian Hoehle - SMA
Antwort von Christian Hoehle – SMA

Welche Rolle spielen Energiemanagement und Batteriespeicher auf dem Weg zu einer Vollversorgung aus 100% erneuerbaren Energien?

Wenn ich heute kurz vor Weihnachten aus dem Fenster schaue, ist von der Solarenergie bestenfalls Mittags etwas zu sehen. Statt dessen weht oft viel Wind… aber eben nicht immer. Im Sommer ist es genau umgekehrt, wenn Photovoltaik-Anlagen mit voller Leistung einspeisen. Aber auch dann gilt: nachts steht kein Solarstrom zur Verfügung.

Zappelstrom – so nennen die Vertreter der alten Energiewirtschaft die erneuerbaren Energien – hat jedoch auch viele Vorteile: Er wird dezentral und vielfach durch die Bürgerinnen und Bürger selbst erzeugt. Strom aus erneuerbaren Energien ist sauber, langfristig bezahlbar und billiger als Strom aus Kohle- oder Kernkraftwerken. Erneuerbare Energien sind der Schlüssel zu einer sauberen und bezahlbaren Energieversorgung für unsere Kinder, denn je größer der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung, desto weniger Folgekosten lasten wir den nächsten Generationen auf.

Die Energiewende lohnt sich! Aber wie kann eine echte Energiewende hin zu einer 100% erneuerbaren Energieversorgung funktionieren, wenn nicht immer genug Strom zur Verfügung steht, um den kompletten Verbrauch zu decken?

Die Lösung ist einfach und besteht aus 4 Säulen:

Ausgewogener Mix aller erneuerbaren!

Damit möglichst oft genug Strom aus erneuerbaren Quellen verfügbar ist, muss der Ausbau mit Bedacht erfolgen. Wenn man sich zum Beispiel Windkraft und Solarenergie anschaut, ergänzen sich beide Energiequellen hervorragend. Liefern beide einmal wenig Strom, kann Energie aus Biomasse mit ihrer guten Steuerbarkeit auftrumpfen.
Weiterhin muss dort zugebaut werden, wo der Strom auch gebraucht wird, um den Netzausbau auf das absolute Minimum zu beschränken.

Dass dies heute bereits funktioniert, ist eindrucksvoll in den Auswertungen von Prof. Dr. Bruno Burger (Fraunhofer ISE) zu sehen:

http://www.ise.fraunhofer.de/de/downloads/pdf-files/aktuelles/stromproduktion-aus-solar-und-windenergie-2013.pdf

Intelligentes Energiemanagement – Strom automatisch dann nutzen, wenn er verfügbar ist!

Wenn Strom nicht immer gleich gut verfügbar ist, kann vielfach der Verbrauch verschoben werden. Der Vorteil: Es fallen keine Speicherverluste an, und bei entsprechendem Stromtarifen oder z.B. einer Photovoltaik-Anlage kann sogar Geld gespart werden. Mit dem Eigenverbrauch von Solarstrom ist intelligentes Energiemanagement heute bereits verbreitet. Große Haushaltsgeräte wie Waschmaschine, Spülmaschine, Trockner und evtl. Poolheizung werden automatisch so gesteuert, das sie Solarstrom für 12ct pro kWh nutzen statt Netzstrom für 28ct pro kWh. Auch Wärmepumpen und elektrische Heizstäbe sind sehr gut geeignet, um verfügbare Energie aufzunehmen und als Wärme zu speichern.

Hier ein Beispiel, wie das in der Praxis aussieht:
http://www.youtube.com/watch?v=xW4k7cP-DNQ

http://www.sma-sunny.com/2013/02/01/sunny-home-manager-planung-und-installation/

                

Batteriespeicher für den kurzfristigen Ausgleich

Batteriespeicher müssen klein sein, um wirtschaftlich betrieben werden zu können. Ein großer Teil der Investitionssumme entfällt auf den Akku. Da ist es logisch, dass die Wirtschaftlichkeit steigt, je besser der Akku genutzt wird. Kleine Batteriespeicher werden daher immer mehr Verbreitung finden.

http://www.sma-sunny.com/2013/12/16/in-fuenf-schritten-zum-solarstromspeicher/

In verschiedenen Forschungsprojekten werden auch Elektrofahrzeuge als Speicher untersucht. Dabei reicht die Bandbreite von der intelligenten Fahrzeugladung bis hin zu Bereitstellung von Netzdienstleistungen.
http://www.elektromobilitaet-verbindet.de/projekte/energieautarke-elektromobilitaet.html

http://www.springerprofessional.de/forschungsprojekt-inees-wie-e-autos-mit-schwarm-strom-netze-stabilisieren-koennen/4441958.html

Erzeugung von Gas aus überschüssigem Strom (Power2Gas) für langfristigen Ausgleich

Im Sommer kann mit überschüssigem PV-Strom Gas produziert und im Erdgasnetz gespeichert werden. Im Winter kann das selbe mit überschüssigem Windstrom geschehen.

In flexiblen Gaskraftwerken kann daraus wieder Strom erzeugt werden, wenn die erneuerbaren gerade nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stehen.
Noch eleganter wäre allerdings eine weite Verbreitung von kleinen Blockheizkraftwerken In den Haushalten – das sind Motoren, die Gas verbrennen und einen Generator antreiben, um Strom zu erzeugen. Die entstehende Abwärme wird zum heizen genutzt, statt wie in großen Kraftwerken über Kühltürme zu verpuffen.

http://www.rwe.com/web/cms/de/1846074/rwe/innovation/projekte-technologien/energiespeicher/projekt-power-to-gas/

http://www.eon.com/content/dam/eon-com/download/dwn-news/10737_694/Factsheet_Power2Gas.pdf

Das klingt nach Zukunftsmusik? Für fast alle oben genannten Punkte sind bereits Produkte im Markt verfügbar. Wir bei SMA entwickeln zum Beispiel mit dem SMA Smart Home die Systemtechnik, um all diese Komponenten optimal miteinander zusammenspielen zu lassen. Mit der ständigen weiterentwicklung von Energiemanagement-Systemen  und Batteriespeichern können wir dazu beitragen, dass die Energiewende gelingt.

Wenn ich mit Freunden und Bekannten über die Vollversorgung mit erneuerbaren Energien spreche, kommt irgendwann immer die Frage: “Aber ist das nicht furchtbar teurer?“ Die Antwort ist ganz klar: Zunächst kostet es mehr, aber langfristig aber spart man! Denn während Kohlestrom und Kernkraft mit jeder Kilowattstunde Folgekosten produzieren und die Rohstoffe immer teurer werden, läuft die Förderung für EEG-Anlagen in jedem Fall nach 20 Jahren aus. Die Anlagen produzieren aber weiterhin Strom, der dann konkurrenzfähig zu dem billigsten Kraftwerken gehandelt wird. Ich bin überzeugt, dass wird dadurch zukünftig im weltweiten Vergleich zu den Ländern mit den geringsten Stromkosten gehören werden.

Die Zukunft ist sonnig – deshalb gehe ich mit großer Vorfreude in das neue Jahr und bin gespannt, wie die neue Bundesregierung die Energiewende voran treibt!

Antwort von Peter Glasstetter - 100 prozent erneuerbar stiftung
Antwort von Peter Glasstetter – 100 prozent erneuerbar stiftung

Schreckgespenst: „Flautennacht“. Müssen wir davor Angst haben?

„In Deutschland gehen schon bald die Lichter aus.“ Hat jemand mitgezählt, wie oft wir diesen Satz in den vergangenen Jahren gehört haben? Nicht genug Kraftwerkskapazitäten gebe es, wenn die Atommeiler stillgelegt würden, der Netzum- und -ausbau komme nicht schnell genug voran, und ja, wie kann man überhaupt ruhigen Gewissens die Elektrizitätsversorgung einer Industrienation vom Formate Deutschlands den Launen von Wind und Sonne aussetzen. Was passiert, wenn der Wind nicht weht und zu allem Übel noch schwere Nebelschwaden über die photovoltaikbedeckten Kuhställe Süddeutschlands ziehen oder es gar finsterste Nacht ist? Diese Angst treibt offenbar nicht nur Ottonormalverbraucher, sondern auch Energiekommissar Günter Oettinger in Brüssel regelmäßig in den Wahnsinn und tiefste Verzweiflung.

Fest steht, dass der Strom an der Börse in diesem Jahr so günstig war, wie schon seit Jahren nicht mehr. Der Trend der vergangenen Jahre hielt damit auch in diesem Jahr an. Was bedeutet das? Niedrige Preise sprechen für ein hohes Angebot am Markt, vor allem weil der saubere Wind- und Solarstrom derzeit mit seinen Grenzkosten nahe null regelmäßig teure Spitzenlastkraftwerke aus der Merit Order (dem marktlich ermittelten Fahrplan der Kraftwerke) verdrängt. Knappheitssignale würden in hohen Preisen ihren Niederschlag finden. Deutschland verfügt derzeit über reichlich Überkapazitäten, vor allem bei der Kohle. Wenn Wind und Sonne sich rarmachen, bleibt die Versorgungssicherheit daher auf gewohnt hohem Niveau. Aber was wird sein in den kommenden Jahren, wenn die alten Kraftwerke nach und nach vom Netz gehen? Werden wir dann genug Kapazitäten haben, vor allem diejenigen flexiblen, die wir brauchen, um die zum Teil steilen Erzeugungsrampen von Wind- und Solarenergie auszusteuern?

Technisch ist das alles schon heute eigentlich nicht wirklich eine große Herausforderung. Moderne Gaskraftwerke sind nicht nur in der Lage, innerhalb von wenigen Minuten ihre volle Leistung ins Netz abzugeben, sondern sie gehen als KWK-Anlagen sogar sehr effizient mit dem verfeuerten Brennstoff um. Kleinere, ebenso flexibel steuerbare KWK-Anlagen in Gewerbe- und Wohngebieten und größeren Mehrfamilienhäusern können zukünftig für genügend Versorgungssicherheit beitragen – wenn die Politik die Entwicklung gezielt flankiert. Als Schwärme zusammengeschaltet, erreichen sie Kraftwerksgröße. Die große Unbekannte ist derzeit allerdings noch die Frage, wie und wann Speichertechnologien wie etwa Power to Gas sich am Markt behaupten können. Denn wenn Wind und Sonne die tragenden Säulen einer erneuerbaren Energiewirtschaft werden, dann ist absehbar, dass aufgrund der zu installierenden Kapazitäten bei hohem natürlichen Dargebot von Wind und/oder Sonne Stromüberschüsse zwangsläufig anfallen. Diese auf Dauer abzuregeln, wäre vergeudete  Energie – die bei Flaute oder starker Bewölkung wiederum fehlt bzw. fossil geliefert werden müsste. Die Umwandlung der Stromüberschüsse in Wasserstoff (per Elektrolyse) oder synthetisches Methan, insbesondere wenn das dazu notwendige CO2 nicht aus fossilen Verbrennungsprozessen stammt, würde weitere interessante energiewirtschaftliche Optionen eröffnen, ohne die Abhängigkeit von Erdgasimporten zu erhöhen. Mit dem Erdgasnetz und seinem Speichervolumen, das schon heute den größten Energiespeicher Deutschlands darstellt und bis 2030 laut Fraunhofer IWES auf 514 TWh ausgebaut werden könnte, steht somit ein Langzeitspeicher mit einer bereits existenten kompletten Infrastruktur zur Verfügung. Und gerade darum wird es gehen, eine technische wie wirtschaftlich praktikable Lösung für die Zeiten zu finden, in denen über einige Tage hinweg wenig Wind- und Solarenergie verfügbar ist (Anfang kommenden Jahres veröffentlichen wir eine neue Studie, in der wir u.a. die Länge von Flauten bzw. dunklen Tagen untersuchen. Studien über das Solar- und Winddargebot sind ebenfalls auf www.100-prozent-erneuerbar.de zu finden). Die so eingespeicherte Energie könnte nicht nur in Gaskraftwerken und KWK-Anlagen rückverstromt sondern auch zum Heizen oder im Mobilitätsbereich eingesetzt werden. Kleine bis mittelgroße  Batteriespeicher sorgen dann im Niederspannungsbereich für den Ausgleich kurzfristiger Schwankungen und können und auch den Eigenverbrauch von PV-Anlagenbetreibern deutlich erhöhen. Überhaupt werden die schon viel zitierten Smart Grids zu einer gewissen Flexibilisierung der Stromnachfrage führen und somit Überschüsse wie auch Unterdeckungen wenn nicht vermeiden, so doch abmildern und daher die Effizienz des Gesamtsystems noch einmal steigern.

Unser Fazit: Nein, in Deutschland werden die Lichter ganz sicher nicht ausgehen. Ein intelligenter Technologiemix, wirtschaftlich darstellbare Langzeitspeicher, ein zunehmendes Volumen an Mittel- und Kurzfristspeichern als auch ein mit moderner Informations- und Kommunikationstechnologien gestützter Netzbetrieb wird zukünftig das gewohnte Niveau an Versorgungssicherheit gewährleisten.