Unter den E-Mobilisten hat sich der Treibhausgas-Quoten-Wahn breitgemacht. Spätestens seit Januar 2022 ist jedem E-Autofahrer bekannt, dass er etwas verkaufen kann: Seine THG-Quote. Innerhalb von kürzester Zeit sind eine unüberschaubare Anzahl von Anbietern entstanden, die einem Geld dafür versprechen, dass man sich elektrisch durch den Straßenverkehr bewegt. Wie es sich für einen liberalen Markt gehört, versprechen die Angebote Prämien bis zu 300 € pro Jahr und natürlich darf man auch einen kleinen Teil für irgendwas spenden. Per Checkbox darf der Eigentümer so 10% oder ähnlich für den Klimaschutz spenden…

Hinweis: Bei der STROMDAO haben wir uns zunächst überlegt, ob wir auch einen Service zum Erhalt der THG-Quote einrichten, da lediglich Stromanbieter dies zurzeit im Auftrag ihrer Kunden machen dürfen. Mit einigen befreundeten Kunden haben wir uns jedoch zunächst auf den Prozess und dessen Digitalisierung gestürzt, um das Vorgehen zu verstehen. Wie ein Angebot aussehen könnte, welches wir machen, das kommt am Ende dieses Beitrags. Mit einem Angebot zeigen wir als Unternehmen, wie unser eigenes Wirken etwas macht. Bei unseren Kunden spielt jedoch das Thema Selbstwirksamkeit wahrscheinlich eine wichtigere Rolle, als bislang vermutet. Als Anbieter von CO2-neutralem Strom bis zur Steckdose, geht es bei uns um einen Ruf, den wir gegenüber unseren Kunden verlieren könnten – und damit eine Nichterfüllung unseres eigenen Anspruchs an nachhaltiges Wirtschaften.

Die Vertreter der Weltbevölkerung (=UN) haben sich verpflichtet, die Emission von Treibhausgasen zu reduzieren. Bei den Vertretern handelt es sich um Staaten, von denen Deutschland einer von vielen ist. Damit die Verpflichtung erfüllt werden kann, wurde ein Einsparungsziel gesetzt. Dieses Ziel benötigt ein Bezugsjahr, welches das Jahr 1990 ist, sodass man die Erreichung des Ziels in x% Einsparung zum Ausstoß an Treibhausgasen ausdrücken kann. Ein Teil der Emission eines Staates geht auf dessen Verkehrssektor zurück, welcher wiederum mit der E-Mobilität die Basis von dem neuen THG-Quoten-Hype ist.

Was ist die THG-Quote?

Damit Deutschland seine Ziele zur Reduktion von Treibhausgasen erreichen kann, werden Verursacher dazu verpflichtet, von der verfügbaren Menge (zum Erreichen des Zieles) einen Teil als Verschmutzungsrecht einzukaufen. Es wird auf den Markt gesetzt, der sagt, dass es bei großer Nachfrage zu einem Anstieg des Preises kommt.

Die E-Mobilität verursacht, bei einem Bezug von Ökostrom, weniger CO2 Emissionen, als ein Verbrenner; folglich trägt die Elektrifizierung der Fahrzeuge in Gänze dazu bei, dass die Einsparungen von Deutschland erreicht werden. Der Prozess ist zwar etwas verkürzt dargestellt, aber im Prinzip kann man nun den Schluss machen, dass der Staat mit seiner begrenzten Menge an Verschmutzungsrechten Einnahmen generiert, die durch eine zunehmende Verbreitung von E-Mobilität ansteigt und damit mehr zum Verkaufen bereitsteht. Ganz so einfach ist es leider nicht, da durch eine Vergrößerung des Angebotes der Preis zurückgeht (Stichwort: Preiselastizität).

Vereinfachte Kausalkette:

Die Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) als Werkzeug zielt rein auf die Mobilität ab und stammt in ihrer heutigen Form aus dem Jahr 2015. Mineralölkonzerne (=jeder der mehr als 5000l Mineralöl pro Jahr verkauft) wurden verpflichtet, die Höhe der tatsächlich verursachten Treibhausgasemissionen zu begrenzen. Diese Grenze reduziert sich jedes Jahr, kann aber durch den Zukauf von THG-Quoten erhöht werden. Zunächst trat als Verkäufer allein die Bundesrepublik Deutschland auf, wenn die Einsparung durch die E-Mobilität entstanden ist.

Seit 2022 können auch Energieunternehmen die THG-Quoten verkaufen. Hierzu lassen diese sich beim Bundes Umweltministerium die Reduktion bestätigen und können nun die Quote frei verkaufen. Nach dem Verkauf muss der Vorgang dem Hauptzollamt Frankfurt (Oder) angezeigt werden, sodass verhindert wird, dass die Einsparung doppelt veräußert wird.

Welche Selbstwirksamkeit habe ich mit der THG-Quote?

Die große Frage ist: Wofür stehst Du? Was willst Du mit Deiner Entscheidung erreichen? – Ich zeige Dir die Optionen, die Du hast und mein aktuelles Verständnis, was diese bewirken. Entscheiden sollst Du aber bitte selbst, da ich hier mit Sicherheit kein Moralapostel sein möchte. Du bist erwachsen, Du hast die Wahl! Es ist Deine Verantwortung.

Möchtest Du überhaupt etwas machen?

Wenn nein, dann wird Deutschland (der Staat, bei dem Du ein Teil davon bist), die THG-Quote theoretisch weiter entscheiden, da hier die Verpflichtung zur Einsparung liegt. Dadurch kommt eine gewisse Kontrolle „von Oben“ zustande, dass wir als Land die Ziele erreichen, aber auch zeitnahe durch Preisanpassungen gesteuert werden kann, wenn der Zielkorridor nicht eingehalten werden kann.

Möchtest Du Einnahmen erzielen?

Wenn ja, dann bleibt Dir nichts anderes übrig, als einfach mal nach THG-Quoten zu googeln und in den Werbeanzeigen dem Versprechen für einen Geldsegen zu glauben, der Dir seriös erscheint. An dieser Stelle sei gesagt, dass Du keine Kontrolle darüber hast, welcher Käufer auf der anderen Seite steht. Soweit mir bekannt, legt auch keines der Unternehmen offen, wohin sie Deine Quote verkauft haben. Polemisch ausgedrückt könnte man Dir vorwerfen, dass Du für Deinen Profit auch dafür gesorgt hast, dass Gazprom in Deutschland Minaralölprodukte verkaufen kann.

Möchtest Du Klimaziele erreichen?

Wenn ja, dann bleibt Dir nur die Möglichkeit, dass Du die THG-Quote beanspruchst, wodurch der Staat diese nicht mehr verkaufen kann. Aber, dann vernichtest, d.h. nicht verkaufst. Das Dilemma, welches hier entsteht, ist, dass Du selbst die Quote nicht bekommst, sondern ein Mittelsmann benötigst, der damit einen Aufwand hat. Dank Digitalisierung lässt sich zwar dieser Aufwand reduzieren, aber es entsteht einer.

Und jetzt werden Treibhausgase vernichtet?

Was ich persönlich mir vorstellen könnte, ist dass wir bei der STROMDAO zusammen mit der Open-Source-Community zunächst eine Automatisierung entwickeln, welche die Aufnahme der Fahrzeugdaten und die Übermittlung an das Umweltministerium beinhaltet. Im Anschluss dann über einen Verein (da wir als Unternehmen eine Gewinnerzielungsabsicht haben müssen) die Vernichtung beauftragen, welche Dir (dem E-Mobilisten) vertraglich bestätigt wird.

Damit würde die Vernichtung einer endgültigen Stilllegung von Treibhausgasen entsprechen und somit auch dem internationalen Gold-Standard entsprechen (in der Theorie).

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