Web-of-Trust – Netzwerk des Vertrauens

Damit in unserem Anwendungsfall Bob später seine Arbeit machen kann, muss er auf einige Daten vertrauen. Zunächst zum Beispiel darauf, dass Alice tatsächlich die beiden von ihr präsentierten Zählerstände hatte. Dies ist recht einfach möglich, da sie im Besitz des JWTs ist, welcher bei ihr „geschützt“ in einer Wallet gelagert gewesen ist. Das Vertrauen darauf, dass bislang noch keine andere Person diese beiden Zählerstände genutzt hat für eine CO2-Gutschrift erhält Bob dadurch, dass er selbst eine Liste sich merkt, welche Zählerstände (Revisions-Feld) er von welchen Zählern (Addresse/DID) verarbeitet wurden. Etwas komplizierter wird es hingegen beim eigentlichen Zählerstand, welcher im Feld kWhActiveEnergy_1_8_0 präsentiert wurde. Wir Menschen erkennen, dass es sich wohl um eine Angabe in Kilo-Watt-Stunden handelt, da wir Weltwissen einbringen, welches uns sagt, dass die Abkürzung „kWh“ für Kilo-Watt-Stunden steht und eine definierte physikalische Größe einer „Arbeit“ (Leistung „W“ über eine Zeit „h“) ist. All diese Zusammenhänge und Konventionen sind einem Algorithmus nicht bekannt. Um im eingeführten Bild des Raumes zu bleiben, indem ein Vertrag zustandekommt, müssten genau diese Konventionen in den Raum gebracht werden, damit sie Bestandteil des Vertrages werden. Oder, um es noch schwieriger zu machen, das Vetragswerk (und damit der Datensatz, auf den unser Zeiger steht) müsste alle Axiome ständig mitschleppen. In unseren Anwendungsfall haben wir „nur“ eine Ladesäule mit einem Stromzähler, deren eigentlicher Job es ist das Auto von Alice zu beladen. Das Vorhalten von allen Definitionen/Axiome hinter einem Datensatz ist hier nicht umsetzbar.

In der realen Welt existiert diese Herausforderung ebenfalls. Wenn wir an eine Ladesäule gehen, dann ist meist irgendwo der Stromzähler hinter einer Plexischeibe zu sehen. Darauf ist eine Eichung, die uns als Mensch (mit Weltwissen) das Vertrauen gibt, dass schon alles mit rechten Dingen zugeht. Leider ist die Welt nicht perfekt und Dinge gehen schief, wie man an Beispielen sehen kann. Etwas strukturierter, ein anderer Fall, indem es leichter ist die bislang eingeführten Techniken (Präsentation) und das Thema „vertrauen“ nachzuvollziehen:

Kunde: Zusätzlich bitte ich den Eichnachweis des MSB für den Ladevorgang DE1HDESWH14*002 offenzulegen, da dieser begründet angezweifelt wird.

Anbieter: Da die Ladestation den Stadtwerken Heidelberg gehört und wir lediglich Roaming-Partner sind, bitte wir Sie sich bezüglich des Eichnachweises an die Stadtwerke Heidelberg zu wenden.

In diesem Fall war/ist das Vertrauensnetzwerk nicht vorhanden. Am „Edge“, der Ladesäule und deren Stromzähler konnte das Eichsiegel nicht gefunden werden, auf Nachfrage des Kunden konnte auch kein schlüssiger Nachweis gebracht werden, dass die abgerechneten Werte so richtig sind. Hier erkennt man eine große Herausforderung, die man am „Edge“ hat: Wir (Menschen) gehen zunächst immer von bestehendem Vertrauen aus, bis uns Zweifel kommen, d.h. eine getroffene Entscheidung wird durch zusätzliche Information nachträglich zurückgenommen (neu bewertet). Bei einem Algorithmus, bzw. Computerprogramm, ist dies nicht ganz so einfach möglich, denn sobald – wie in unserem Fall – Alice den JSON-Web-Token (JWT) hat, muss sie auf deren Gültigkeit/Richtigkeit vertrauen. Ihr bleibt hier keine andere Chance. Dies kann Bob wiederum für sein „elektronisches“ Vertrauen nutzen. Da Alice auf den Zählerstand offensichtlich vertraut hat, fällt es Bob leichter, auch diesem zu vertrauen. Hat Alice für ihren Ladevorgang zum Beispiel richtig viel Geld bezahlt, so wird sie (hoffentlich) die Gültigkeit der Zählerstände geprüft.

Aus der Perspektive von Bob kann den Stromzähler mit seinen Messungen ein Vertrauen dadurch aufbauen, dass viele Alices diesen Werten vertrauen. Würde man allein auf dieser Basis den Prozess umsetzen, so hätte dieser viele Schwächen. Es bedarf zum Beispiel zunächst vieler „Alice“, die vertrauen und für die ein Zählerstand einen Wert besitzt. Hat eine Alice eine Flatrate für das Laden, dann ist ihr die geladene Menge relativ egal, wodurch die Werthaltigkeit (vorgelagert) nicht gegeben ist und erst mit der Gutschrift von Bob entsteht.

Der Dialog zwischen Anbieter und Kunde zeigt einen Lösungsansatz, der im Prozess verankert werden kann. In der Praxis baut man Vertrauen ohnehin vielschichtig, auf Basis von mehreren Informationen auf, die zueinander in Reltion stehen. Bob kann zum Beispiel bereits dem ersten abgerechneten Ladevorgang von dieser speziellen Lokation vertrauen, wenn in diesem Fall das Eichsiegel von Alice vorgezeigt wird. Eine Eichung von einem Stromzähler hat eine mehrjährige Gültigkeit, weshalb diese Information bei einem späteren Geschäftsvorfall/Ladung nicht mehr benötigt wird.

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