Strom: Treueprogramm trifft Blockchain

Das Sammeln von Treuepunkten, Meilen oder Talern wird beliebter als Werkzeug zur Markenbindung. Bei Stromtarifen kann ein Programm, wie der GrünstromBonus in den Corrently Ökostromprodukten den Übergang zu Stromrechnungen ohne Brennstoffkosten einleiten.

Eine praktische Umsetzung von Treueprogrammen, kann jedoch sehr riskant werden, da quasi eine Währung geschaffen wird, deren „Banknoten“ genauso vor Fälschung geschützt werden müssen, wie beim Euro. Dies gilt auch, wenn die Meilen oder Punkte lediglich online gesammelt werden.

Der Aufbau einer sicheren und vor allem kostengünstigen Währung ist mit der Blockchain Technologie möglich. In Praxis kommt dies bereits heute in den Strom-Communities zum Einsatz, die alle eine eigene Währung mit sich bringen.

Grundlagen der Blockchain

Die grundlegendste Eingenschaft einer Blockchain ist es einen Konsens herzustellen. Im einfachsten Falle ist es die Verteilung von Anteilen einer Währung. Prominentestes Beispiel ist der Bitcoin, welcher mehr oder weniger in der ganzen Welt als Zahlungsmittel eingesetzt werden kann und dank etlicher Dienstleistung in viele „reale Währungen“ getauscht und gehandelt werden kann.

Die Verteilung von Anteilen der Währung Bitcoin erfolgt durch Transaktionen, ähnlich einer Überweisung, bei der es immer einen Absender und einen Empfänger gibt. Diese Transaktionen werden in Blöcke gespeichert, sodass man ausgehend vom ersten Block – dem sogenannten „Genesis Block“ – einfach alle Transaktionen nachvollziehen muss, um zu sehen, wer welchen Anteil der Währung besitzt. Für Bitcoin als Währung kann man also sagen, dass man den Kontostand dadurch ermitteln kann, dass alle getätigten Überweisungen innerhalb der Blockchain gespeichert wurden und dort einsehen kann.

Über den Programmcode, mit dem man Zugriff auf eine Blockchain erhält, wird sichergestellt:

  • Um eine Transaktion (Überweisung) tätigen zu können, muss diese vom Absender mittels eines digitalen Schlüssels unterschrieben werden
  • Transaktionen werden nur akzeptiert, wenn ein positives Guthaben beim Absender vorhanden ist.
  • Alle Überweisungen werden in Blöcken zusammengefasst.
  • Die Blöcke haben eine definierte Reihenfolge

Geldschaffung

Eine der Regeln, die bei einer Blockchain im Einsatz als Währung gegeben sein müssen, ist, dass ein positives Guthaben vorhanden sein muss. Damit dies erfüllt ist, müssen zunächst die Anteile der Währung geschaffen werden und an den ersten Eigentümer/Besitzer überwiesen werden.

Bei Bitcoin erfolgt dieser Vorgang im Rahmen des „Minen“ (schürfen). Ein Vorgang, bei dem ein mathematisches Rätsel zu lösen sind und derjenige, der zuerst die Lösung findet, erhält als Belohnung einige Anteile Bitcoin.

Blockchains, die neuer sind als der Bitcoin, verwenden andere Methoden, um die ursprüngliche Geldmenge zu verteilen. So nutzt man heute eigentlich nicht mehr das Prinzip „1 Blockchain = 1 Währung“, stattdessen verwendet man sogenannte Smart-Contracts, bei denen im „Programmcode“ des Smart-Contracts festgehalten wird, wie neue Anteile der Währung entstehen.

Die wichtigste Eigenschaft einer Blockchain-Währung ist, dass durch den kontrollierten Entstehungsprozess der Anteile, die Geldmenge, die sich im Umlauf befindet, kontrolliert wird. In den Blöcken, die Transaktionen enthalten, ist festgehalten, wer welche Anteile besitzt.

Fälschungssicherheit und Treueprogramme

Mein Kaffee To-Go Dealer hat eine Punktesammelkarte, bei der man nach 10 Stempel einen Kaffee gratis erhält. Ein Stempel kostet etwa 20€ – der große Kaffee kostet 2€. Die Sammelkarte wird in jeder Filiale akzeptiert.

Eine Hotelkette verwendet NFC-Karten (MiFare Classic) sowohl, für den Zutritt zum Zimmer, als auch zum Sammeln der Prämienpunkte. Mit einem heutigen Smartphone kann der Inhalt der Karte beliebig manipuliert werden.

Bei einem bekannteren Sammelprogramm werden alle Gutschriften online durchgeführt über einen zentralen Cloud-Server. In der Vergangenheit wurde dieser mehrfach gehackt, wodurch die Absicherung des Cloud-Servers mittlerweile den Standard von Rechnern bei Banken ähnelt und entsprechend viel Geld gekostet hat.

Der Kopierschutz und die Absicherung der Geldmenge sind ein komplexes Thema, welches beim Einsatz von Blockchains fast zum Nulltarif zu erhalten ist. Trotz vieler Bemühungen auch aus dem Bereich der Quantencomputer, ist bislang kein Fall bekannt geworden, bei dem eine Blockchain-Währung manipuliert wurde.

Für den Einsatz in Treueprogrammen ist die Absicherung der im Umlauf befindlichen Geldmenge eine sehr elementare Funktion, da mit deren Hilfe das Risiko von Fälschung und Manipulation deutlich reduziert wird. Der Brave-Browser hat als Beispiel ein Treueprogramm für Webseitenbesucher implementiert, welches vollständig auf Basis der Blockchain realisiert wurde.

Blockchain im Corrently Ökosystem

Das Treueprogramm hinter Corrently, der GrünstromBonus, setzt sich aus zwei Währungen zusammen, die strikt voneinander getrennt existieren. Realisiert sind beide Blockchain-Währungen auf Basis von sogenannten ERC-20 Tokens, was ein de facto Standard für eine auf Ethereum basierende Blockchain ist und dadurch Fehler bei der Umsetzung minimieren.

Die erste Währung ist der GrünstromBonus selbst. Gesammelt werden von den Stromnutzern die Anteile des Strombezugs, welcher von regionalen Stromerzeugungsanlagen eingespeist wird. Dieser Anteil schwankt im Tagesverlauf, entsprechend dem GrünstromIndex. Bezieht ein Kunde bei einem Indexwert von „60“ innerhalb einer Stunde 10 kWh, so werden ihm 6 Anteil (kWh) GrünstromBonus gutgeschrieben.

Der GrünstromIndex kontrolliert im Corrently Ökosystem die Schaffung der Währung „GrünstromBonus“ und schreibt die Verteilung innerhalb der Blockchain durch eine Transaktion fest.

  1. Ermitteln des Stromverbrauchs innerhalb einer Stunde
  2. Anteil des Grünstroms ermitteln auf Basis des GrünstromIndex
  3. Per Transaktion (Überweisung) an den Stromnutzer den Bonus transferieren

Die zweite Währung sind Anteile an Erzeugungsanlagen. Die STROMDAO hat sich in den letzten Jahren Erzeugung aus Photovoltaik gesichert und verteilt diese in kleinen Stücken im Tausch gegen die Währung „GrünstromBonus“. Jedes Mal, wenn eine neue Anlage hinzukommt wird die Geldmenge der Erzeugungsanteile-Währung entsprechend der Größe der Anlage erhöht.

  1. Stromkunde tauscht GrünstromBonus gegen Anteile an Erzeugungsanlagen
  2. Per Transaktion über die Blockchain wird zunächst der GrünstromBonus an die STROMDAO übertragen.
  3. Im Gegenzug überweist die STROMDAO ebenfalls per Transaktion die Anteile an den Stromkunden.

Spannend wird es für den Kunden, sobald die Anlage dann weiter Strom in das Netz einspeist. In diesem Falle wird entsprechend der Anteile, die der Kunde besitzt sein eigener Verbrauch reduziert.

  1. Anlage erzeugt eine Menge Strom
  2. Es wird in der Blockchain geschaut, wer im Besitz von Anteilen ist.
  3. Entsprechend der Anteile wird diese Strommenge an die einzelnen „Konten“ überwiesen.

Im Hintergrund der Marktveränderungen durch die auslaufende EEG-Umlage wurden in diesem Jahr Alternativen zur zweiten Währung geschaffen. Innerhalb der Projekte bei Regionalversorgern, sind unterschiedlichste Ansätze entstanden, die vor allem die lokale Wertschöpfung berücksichtigen.

  • Patenschaft an Bäumen
  • Lokaler „Ehrenamt Taler“
  • CO2 Kompensation
  • Äpfel und Birnen

Was jede dieser Möglichkeiten beinhaltet ist ein sogenannte „Digitaler Zwilling“ in der Blockchain. So existiert jeweils ein Währungsanteil je Baum, und wenn bestätigt wurde, dass ein Baum neu gepflanzt wurde, dann erhöht sich von der Baumwährung die Stückzahl um eins.

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