Wie würden Versicherungen Strompreise machen? 1

Wie würden Versicherungen Strompreise machen?

Die Stromversorgung ist ein Teil der Daseinsvorsorge in einer modernen Zivilgesellschaft. In Deutschland kommt mittlerweile ein großer Teil des Stroms aus Erneuerbaren Energieträgern, dennoch redet man beim Strompreis noch immer in Mustern, die Strom mit dem Verbrennen von Kohle gleichsetzen. Stellen wir uns vor, dass Stromanbieter eine Versicherung für Energie seien – wie würden Versicherer Strom an private Stromkunden verkaufen?

Eine Versicherung ist immer risikoscheu, was soviel bedeutet, wie jedes Risiko wird in den Tarif eingepreist. Ja, auch bei der Stromversorgung möchte eigentlich niemand ein Risiko eingehen. Weder in finanzieller Hinsicht, noch dass irgendwann einmal der Strom ausgeht – oder noch schlimmer – es zu einem Blackout kommt.

Lassen wir einmal den Gedanken zu, dass Stromversorger in Wirklichkeit Versicherungen für unser modernes Leben sind. Das Risiko, welches abzusichern ist dabei nur wenig von der tatsächlichen Strommenge, die man bezieht abhängig. Viel mehr besteht das Risiko darin, dass zum Zeitpunkt des Stromverbrauchs dieser Strom nicht in ausreichender Menge durch Windkraft oder Solarenergie zur Verfügung steht. Absichern würde man dieses Risiko, indem man entweder für alle Eventualitäten mit Reserven versucht hinzukommen, oder man die tatsächliche Gefahr bei jedem Kunden einzeln im Tarif einpreist.

Strom wie bei der KFZ-Versicherung

Bei der KFZ-Versicherung ist ein Teil des Tarifs die gefahrenen Kilometer im Jahr, welche vergleichbar ist mit dem Jahresverbrauch an Strom. Ein weiterer Teil, der aber durchaus ein großer Unterschied im Tarif macht, ist das Mindestalter des Fahrers. Weitere Tarifbestandteile sind die Abstellung des Autos in einer Garage und zunehmend auch Fahrkontrollsystem und natürlich die Schadensfreiheitsklasse.

Strom hat diese Komponenten ebenfalls. Wer zum Beispiel mit dem GrünstromIndex den Nachweis erbringen kann, dass er Großverbraucher (E-Auto, Wärmepumpe und Co.) nur dann verbraucht, wenn gerade keine Knappheit besteht, dessen Risiko ist für den Stromanbieter deutlich geringer. Man kann diese Nachweisführung mit denselben Formeln tarifieren, mit denen man auch die Bestandteile der KFZ-Versicherung tarifiert. Für die Algorithmen der Risikobewertung ist es egal, ob sie mit Schadensfreiheitsklassen oder Lastspitzen rechnet.

Jedem KFZ-Versicherer ist klar, dass auch die besten Voraussetzungen in den Kerndaten keine Garantie dafür sind, dass es nicht zu einem Unfall kommt. Lediglich die Wahrscheinlichkeit geht zurück. Kommt es trotz guter Prognose dennoch zu einem Schaden, so kann dieser auch reguliert werden, da der Versicherer mehr als nur einen Kunden hat und somit ausgleichen kann.

Bei Versicherungsverträgen geht es darum, das Risiko nicht der Allgemeinheit zu übertragen, sondern nach Wahrscheinlichkeit und Kriterien ein rentables Angebot zu schaffen.

Zwischenstufe variable Stromtarife

Heute sind den Stromversorgern das zu bewertende Risiko eines einzelnen Stromkunden und die dafür notwendigen Parameter weitestgehend unbekannt. Noch hat kein Finanzmathematiker nennenswerte Erfolge darin verzeichnet am Status Quo der „Strompreise sind Brennstoffkosten“ zu rütteln. Die gerade einmal 15 Jahre der Strombörse mit ihren Preisen, sind zur Tradition geworden, die viel leichter ist als Nachhaltigkeit und Rentabilität durch neue Ansätze zu vereinen.

Endlich gibt es erste Produkte, die es zumindest ermöglichen das Risiko zu bewerten. Als wir vor fast 3 Jahren mit den Grünstrom-Jetons angefangen haben war uns klar, dass es letztendlich um eine Transparenz geht, die eine faire Tarifgestaltung für jeden ermöglichen kann. Es war die Zeit, als gerade mehrere Milliarden Euro für sogenannte Reservekraftwerke die Stromrechnungen belasteten, weil man diese Kosten nicht dem Verursacher zuordnen kann. Von den Millionen für Redispatch, die man auch keinem Verursacher zuordnen kann, braucht hier nicht weiter berichtet zu werden. Schaden, der der Allgemeinheit entsteht – ohne einen Verursacher zu Kasse zu bitten, werden von der Masse der Stromkunden einfach toleriert.

Variable Stromtarife sind ein guter und wichtiger Zwischenschritt, um überhaupt eine Klassifikation von „gutem“ und „schlechtem“ Stromkunden vornehmen zu können. Der Grad der Nutzung von Opportunitäten in dieser Tarifform gibt Aufschluss darüber, wohin die Reise gehen kann.

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