Ein Pionier? – Nein, das bin ich nicht – genervt bin ich aber wie einer. Seit mehr als einem Jahr nur noch elektrisch unterwegs, frage ich mich was eigentlich aus der ganzen Förderung geworden ist? Wucherpreise oder defekte Säule. Zuhause netzdienlich mit GrünstromIndex laden, aber dennoch Preise zahlen, als ob man spontan mit einem Großverbraucher das Stromnetz stört.

Samstag an Ostern. In Heidelberg fahren wir in eine Tiefgarage mit Ladesäule. Leider klappt die „Online Verbindung“ zum Rechenzentrum des Anbieters nicht, weshalb wir heute hier nicht laden werden, sondern nur parken.

Vielleicht ist es ein Glücksfall, denn wenn ich hätte laden können, dann hätte mich der Strom über 30 Cent die Kilo-Watt-Stunde gekostet. Der ortsübliche Arbeitspreis liegt in Heidelberg bei 24 Cent die Kilo-Watt-Stunde, von den 6 Cent Mehrkosten lebt der Betreiber und bekommt seine Infrastruktur bezahlt. Was zumindest mich richtig fuxt sind die Aufkleber, dass auch diese Ladesäule gefördert ist.

Mir kommt das Bild der „Bewirtung“ in einem Gasthaus in den Kopf. Bestelle ich dort ein Glas Milch, dann hat der Landwirt dafür Fördermittel kassiert. Der Wirt hat über den Großhandel gekauft, der wiederum in einem Gebiet mit Infrastrukturförderung seinen Fimensitz hat. Natürlich zahle ich jetzt 4€ den Liter Milch, aber dafür bin ich auch im Gasthaus und werde bewirtet. Ich komme in den Luxus, dass ich für 4€ ein Glas bekomme, auf die Toilette gehen kann und einen Small-Talk mit der Bedienung halten kann…

Bei der Ladesäule bekomme ich diesen Luxus nicht. Muss mein Trinkgefäß mitbringen (Ladekabel) und habe lediglich einen QR-Code, mit dem ich mich unterhalten kann. Zudem weiss ich nie, welche der unzähligen Karten akzeptiert wird, oder – und das ist nicht die Ausnahme – keine der Karten funktioniert und ich habe keine Ahnung, wer/was/wann abrechnet.

Zururück zum Wirt des Gasthauses. Dort gibt es Verordnungen und Kontrollen, die einen Standard sicherstellen. Wo gefördert wird, da sollte auch aus der Brille des Bürger/Steuerzahlers geschaut werden, denn eines ist klar: Strom ist billig und etwas clever bewirtschaftet braucht man sich die E-Mobilität nicht vergolden lassen.

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Veröffentlicht von Thorsten Zoerner

Seit dem Jahr 2007 beschäftige ich mich mit den Themen Stromnetz und Strommarkt. Parallel dazu entstand ein Blog, um Informationen zu den jeweiligen Themen bereitzustellen. Er ist unter blog.stromhaltig.de zu finden. Über das Thema Energiewirtschaft habe ich bislang drei Bücher veröffentlicht. In meinem 2014 erschienenen Buch zum Hybridstrommarkt beschreibe ich ein Marktdesign, das in Deutschland in das Gesetzespaket Strommarkt 2.0 aufgenommen wurde. Hierbei werden zwei Technologien des Strombezugs vereint: der Hausanschluss mit Bezug bei einem klassischen Stromanbieter und einen alternativen Bezug von erneuerbaren Energien. Die wirtschaftlichen Vorteile für ein solches Marktdesign sind erwiesen. Auch die Digitalisierung beeinflusst die Energiewirtschaft von morgen. Daher habe ich mich intensiv mit dem Thema Blockchain Technologie befasst. Blockchain ist eine Technologie, die den Austausch und die Dokumentation von Daten vereinfachen kann. Daher kann diese Technologie mithilfe der digitalen Möglichkeiten das heutige Energiesystem revolutionieren. Denn damit ist eine automatische Abgleichung von Energieerzeugung und Energieverbrauch möglich. Um zukünftige Herausforderungen und Chancen mitgestalten zu können, habe ich 2017 die Firma STROMDAO gegründet. Dort bin ich Geschäftsführer und möchte dafür sorgen, dass mithilfe der Blockchain Technologie und dem Hybridstrommarkt eine digitale Infrastruktur für die Energiewirtschaft der Zukunft aufgebaut wird. Der STROMDAO Mechanismus zur Konsensfindung für den Energiemarkt unterstützt dabei die Marktkommunikation aller beteiligten Akteure.

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