Schaut man auf die Titel der Vorträge in der Energiewelt, dann darf ein Wort nicht Fehlen: Blockchain. Doch warum? Und wie – und vor allem wo, wird diese zum Einsatz kommen? Eine Technik, deren einziger Vorteil gegenüber anderen Techniken darin liegt, dass sie eine lückenlose Nachverfolgbarkeit sicherstellt. Doch ist dies tatsächlich alles? Wo soll da der Nutzen sein?

Kann man etwas nach verfolgen, so kann man es auch nachvollziehen. Man kennt dieses Gefühl von der Bestellung bei Amazon. Mit Hilfe des Tracking-Codes kann man sehen, dass das Paket den Absender verlassen hat, jetzt im Verteilzentrum ist – und im nächsten Augenblick auch schon auf dem Zustelllaster.

Im Hintergrund der Energiewirtschaft ist eine solche Nachvollziehbarkeit nicht gegeben. Viel zu grobgliedrig ist die Versorgungskette, als dass man für den Verbraucher einen tatsächlichen schlüssigen Weg zwischen Kraftwerk und Steckdose beschreiben könnte. Tatsächlich gehen gerade einige Projekte über die Wupper, die versuchen dem zahlen Kunden ein Bild mit Windrad zu geben und dann zu sagen, dass sein Strom von dort kommt. Der Strom kommt immer vom nächstgelegenen Erzeuger… – die Physik lässt sich nun mal nicht ändern.

Intermediäre

Der Strommarkt und seine Akteure gelten für manchen als Intermediär. Diese sind wie das Fräulein vom Amt lediglich „Weitervermittler“ zwischen Erzeugung und Verbraucher. Damit dies funktioniert werden hinter der Bühne von „Wir machen das schon“ , „Vorweggehen“ und „Sag mal…“ viele – wirklich ganz viele Nachrichten ausgetauscht. Viele Computer schreiben sich gegenseitig Liebesbriefe und spielen „Stille Post“. Bei einer Stadt in der Größe von Ulm sind dies im Jahr 2,1 Millionen Nachrichten. Nicht alle davon sind ohne Fehler und so hat man es bis heute nicht geschafft diese Nachrichten den Endkunden zur Einsicht zu geben. Nachvollziehbarkeit in der Stromlogistik könnte sich hier ein Beispiel am Versandhandel nehmen.

Spätestens mit der Dezentralisierung der Erzeugung hat die Nachrichtenflut zugenommen. Mit der Digitalisierung steigt das Aufkommen der Nachrichten noch weiter. Doch wird die Qualität dieser Nachrichtensendungen dadurch besser? – Auf jeden Fall wird sie teurer.

Blockchain als Kommunikationswerkzeug

Die Blockchain ist ein Kommunikationswerkzeug. Transaktionen werden immer an alle kommuniziert. Was wie ein Mantra klingt ist in Wirklichkeit ein Durchbruch in der Informationstechnologie. Denn, sobald die Kommunikation für jeden nachvollziehbar ist, vereinfacht sich die zu Grunde liegenden Regeln spürbar. Komplexität wird reduziert, wenn man direkt schauen kann, welche Ursache zu welcher Wirkung führte.

Klingt abstrakt? Ist es allerdings nicht. Mit Hybridstrom wurde bereits im Strommarkt 2.0 der Beweis erbracht, dass für den Kunden sich praktisch nichts ändert. Weder muss er sich ständig Sorgen machen, noch leidet die Zuverlässigkeit der Stromversorgung (im Gegenteil!). Mit der Blockchaintechnologie organisieren sich die Kunden selbständig. Aus vielen Millionen Nachrichten für eine Stadt werden nur noch wenige Nachrichten ausgetauscht – und zwar diejenigen, die es zur Kommunikation zur Außenwelt benötigt. Bei EDIChain bekommt der konventionelle Versorger nicht einmal mehr mit, ob sich hinter einer Nachricht ein Kunde, oder tausende Kunden verbergen.

Die STROMDAO hat die Schnittstelle zwischen diesen Welten mittlerweile zur Marktreife gebracht und tritt als Kurator auf. Die Macher des neuen Energiemarktes sind aber andere – es sind die Kunden und Bürger, die eine Technologie zur Kommunikation einsetzten. Nicht im Rechts- oder Regelfreienraum, sondern als Mittel zur (Selbst-)Organisation.

 

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Veröffentlicht von Thorsten Zoerner

Seit dem Jahr 2007 beschäftige ich mich mit den Themen Stromnetz und Strommarkt. Parallel dazu entstand ein Blog, um Informationen zu den jeweiligen Themen bereitzustellen. Er ist unter blog.stromhaltig.de zu finden. Über das Thema Energiewirtschaft habe ich bislang drei Bücher veröffentlicht. In meinem 2014 erschienenen Buch zum Hybridstrommarkt beschreibe ich ein Marktdesign, das in Deutschland in das Gesetzespaket Strommarkt 2.0 aufgenommen wurde. Hierbei werden zwei Technologien des Strombezugs vereint: der Hausanschluss mit Bezug bei einem klassischen Stromanbieter und einen alternativen Bezug von erneuerbaren Energien. Die wirtschaftlichen Vorteile für ein solches Marktdesign sind erwiesen. Auch die Digitalisierung beeinflusst die Energiewirtschaft von morgen. Daher habe ich mich intensiv mit dem Thema Blockchain Technologie befasst. Blockchain ist eine Technologie, die den Austausch und die Dokumentation von Daten vereinfachen kann. Daher kann diese Technologie mithilfe der digitalen Möglichkeiten das heutige Energiesystem revolutionieren. Denn damit ist eine automatische Abgleichung von Energieerzeugung und Energieverbrauch möglich. Um zukünftige Herausforderungen und Chancen mitgestalten zu können, habe ich 2017 die Firma STROMDAO gegründet. Dort bin ich Geschäftsführer und möchte dafür sorgen, dass mithilfe der Blockchain Technologie und dem Hybridstrommarkt eine digitale Infrastruktur für die Energiewirtschaft der Zukunft aufgebaut wird. Der STROMDAO Mechanismus zur Konsensfindung für den Energiemarkt unterstützt dabei die Marktkommunikation aller beteiligten Akteure.

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