Es ist eine Aussage, die man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen muss:

„Die neue Regierung unter Präsident Macron strebt nun an, diesen Wert noch zu übertreffen und bis Mitte des Jahrhunderts die Klimaneutralität Frankreichs zu erreichen.“

Bis zum Jahr 2050 hat sich Frankreich dazu verpflichtet seine Treibhausgasemissionen gegenüber 1990 um 75 % zu reduzieren (dies entspricht ca. 140 MtCO2eq bis 2050). Zum Vergleich sind wir in Deutschland gerade etwas unschlüssig, wohin die Reise eigentlich hingehen wird.

Im Jahr 2014 waren in Frankreich über 60% der Treibhausgasemissionen durch zwei, sich gegenseitig ausschließende Preissysteme abgedeckt:

  • 20 % der Emissionen (ca. 100 MtCO2eq) sind durch das Europäische Emissionshandelssystems (EU-ETS) abgedeckt. Hierunter fallen Stromerzeugung und Wärmenetze (Anlagen ab 20 MW), Raffinerien, energieintensive Industrien sowie die europäische Luftfahrt
  • 40 % der Emissionen (ca. 180 MtCO2eq) werden über die CO2-Steuer, den sogenannten Beitrag für Klima und Energie , abgedeckt. Diese Steuer betrifft einen Teil der Emissionen, die durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe in Haushalten wie im gewerblichen Bereich entstehen. Sie wird demnach auf einen Teil der direkten aus dem Verkehrs-, dem Wohnungs- sowie Dienstleistungssektor stammenden Emissionen erhoben.

Der französische Agrarsektor sowie die Abfallwirtschaft sind größtenteils nicht über eine direkte Bepreisung von
Emissionen abgedeckt. Darüber hinaus werden zur Verringerung der Treibhausgasemissionen weitere Instrumente wie das französische Bonus-Malussystem (malus auto), das an die CO2-Emissionen des Fahrzeugs gekoppelt ist oder die reduzierte Mehrwertsteuer bei energetischen Sanierungen eingesetzt.
Ebenso kann die Gesamtmenge der Energiesteuern den relativen Preis der einzelnen Energieträger beeinflussen.

Aus Sicht von Deutschland verdient besonders die Wirkung der CO2-Steuer in Frankreich einen genaueren Blick. Bei unserem Nachbar wurde 2014 den internen Energieverbrauchssteuern eine CO2-Komponente hinzugefügt. Der sogenannte Beitrag für Klima und Energie (contribution climat-énergie) wird derzeit bei privaten und gewerblichen Verbrauchern erhoben. Im Jahre 2018 liegt diese Steuer bei 44,6 €/tCO2 . Die letztlich je verbrauchter Energieeinheit zu zahlende Beitragssumme ergibt sich aus der Höhe der für den entsprechenden Energieträger anfallenden CO2-Emissionen. Der zu zahlende Gesamtbetrag ist also für CO2-intensive Energieträger höher als CO2-arme Energieträger. Die Energieverbrauchssteuer und ihr Beitrag für Klima und Energie werden von dem französischen Zollamt erhoben.

Der durch den Beitrag für Klima und Energie zu erwartende Rückgang der CO2-Emissionen wurde im Jahr 2017 auf 1 MtCO2 für den Bereich Straßenverkehr sowie auf 2 MtCO2 für den Gebäudesektor geschätzt.27 Die Einnahmen aus dem französischen Beitrag für Klima und Energie werden auf 2,3 Mrd. € im Jahr 2015 und 3,8 Mrd. € im Jahr 2016 geschätzt. Ab 2017 sollen diese teilweise zur Finanzierung der Erneuerbaren Energien verwendet werden.

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Veröffentlicht von Thorsten Zoerner

Seit dem Jahr 2007 beschäftige ich mich mit den Themen Stromnetz und Strommarkt. Parallel dazu entstand ein Blog, um Informationen zu den jeweiligen Themen bereitzustellen. Er ist unter blog.stromhaltig.de zu finden. Über das Thema Energiewirtschaft habe ich bislang drei Bücher veröffentlicht. In meinem 2014 erschienenen Buch zum Hybridstrommarkt beschreibe ich ein Marktdesign, das in Deutschland in das Gesetzespaket Strommarkt 2.0 aufgenommen wurde. Hierbei werden zwei Technologien des Strombezugs vereint: der Hausanschluss mit Bezug bei einem klassischen Stromanbieter und einen alternativen Bezug von erneuerbaren Energien. Die wirtschaftlichen Vorteile für ein solches Marktdesign sind erwiesen. Auch die Digitalisierung beeinflusst die Energiewirtschaft von morgen. Daher habe ich mich intensiv mit dem Thema Blockchain Technologie befasst. Blockchain ist eine Technologie, die den Austausch und die Dokumentation von Daten vereinfachen kann. Daher kann diese Technologie mithilfe der digitalen Möglichkeiten das heutige Energiesystem revolutionieren. Denn damit ist eine automatische Abgleichung von Energieerzeugung und Energieverbrauch möglich. Um zukünftige Herausforderungen und Chancen mitgestalten zu können, habe ich 2017 die Firma STROMDAO gegründet. Dort bin ich Geschäftsführer und möchte dafür sorgen, dass mithilfe der Blockchain Technologie und dem Hybridstrommarkt eine digitale Infrastruktur für die Energiewirtschaft der Zukunft aufgebaut wird. Der STROMDAO Mechanismus zur Konsensfindung für den Energiemarkt unterstützt dabei die Marktkommunikation aller beteiligten Akteure.

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