Der Begriff Merit-Order stammt eigentlich aus der Zeit, als bei der Stromerzeugung noch ein direkter Zusammenhang zwischen Brennstoffkosten und Strompreis gegeben war. In den letzten 10 Jahren diktierte vor allem Strom aus Braunkohlekraftwerken den Erzeugungspreis (vergl. 3,2,1 … Strompreis powered by Kohlestrom).

Heute stammt ein großer Teil der Stromerzeugung aus wetterfühligen Anlagen. Diese kann man zwar beliebig nach unten skalieren, jedoch nicht einschalten, nur weil der Strompreis gerade hoch ist. Die Sortierung der Erzeuger nach ihren Grenzkosten, wie sie in der Merit-Order gesehen wird, hat keine Bedeutung. Dennoch können Stromanbieter und letztendlich Stromkunden immer noch die Priorisierung zur langfristigen Planung nutzen.

Marktwert der EE-Erzeugung 2018

Marktwert EE-Stromerzeugung 2018
Marktwert EE-Stromerzeugung 2018

Als Marktwert bezeichnet man den durchschnittlichen Preis, den man einem Markt durch Handel erzielen kann. Diese ist je nach Energieträger (Wind, Sonne, Wasser…) sehr unterschiedlich, da die möglichen Erzeugungsmengen und der zeitgleich existierende Bedarf beachtet werden muss.

Am günstigsten sind daher Erzeuger, die dann verfügbar sind, wenn auch tatsächlich ein Bedarf vorhanden ist. Auf das Jahr 2018 gemittelt ergibt sich dadurch folgende Merit-Order:

  1. Biomasse
  2. Wasserkraft
  3. Windkraft auf See
  4. Sonnenenergie
  5. Windkraft an Land
  6. Andere

Bei einem klassischen Modell aus konventioneller Erzeugung hätte man gesagt, dass die zwei günstigsten Erzeuger die Grundlast decken.

Die wirklich gute Nachricht: Sie können es auch, da Biomasse und Wasserkraft keine Abhängigkeit zum Wetter.

Offshore Wind und Photovoltaik bilden eine Grenzregion, hier muss man sagen, dass auf dem Meer fast ständig Wind weht. Bei heutigen PV-Anlagen auch bei Bewölkung noch Erträge vorhanden sind.

Setzt man die Merit-Order so um, dann bekommt die Windkraft auf dem Festland eine Rolle, wie sie einst die Gaskraftwerke hatten: Abdeckung von Spitzenlasten.

Leider wird beim Ausbau der Stromnetze immer eine umgekehrte Sortierung angenommen. Die Windenergie am Land soll die Grundlast absichern, welche aber rein preislich effizienter von der Wasserkraft/Biomasse gedeckt wird.

Merit-Order: Orientierungshilfe für Stromnutzer

Stromkunden und Stromanbieter können die Merit-Order für ihre Beschaffung und Investitionen nutzen. Ein Portfolio aus verschiedenen Erzeugern ist dann am günstigsten, wenn tatsächlich die Grundlast über langfristige Lieferbeziehungen mit günstigen Erzeugern gedeckt wird. Beim Hybridstrommarkt wurde die Wasserkraft und die Biomasse als mögliche Anlagen zur Miete im Genossenschaftsmodell angesehen.

Windkraft und Photovoltaik sind hingegen in ihrem Erzeugungsprofil und    Marktwert der Spitzenlast zuzuordnen. Diese können kurzfristig über Spotmärkte oder M2M-Handel gekauft werden. Zudem sind bei diesem Marktwert die Lastverschiebungen rentabler.

 

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Veröffentlicht von Thorsten Zoerner

Seit dem Jahr 2007 beschäftige ich mich mit den Themen Stromnetz und Strommarkt. Parallel dazu entstand ein Blog, um Informationen zu den jeweiligen Themen bereitzustellen. Er ist unter blog.stromhaltig.de zu finden. Über das Thema Energiewirtschaft habe ich bislang drei Bücher veröffentlicht. In meinem 2014 erschienenen Buch zum Hybridstrommarkt beschreibe ich ein Marktdesign, das in Deutschland in das Gesetzespaket Strommarkt 2.0 aufgenommen wurde. Hierbei werden zwei Technologien des Strombezugs vereint: der Hausanschluss mit Bezug bei einem klassischen Stromanbieter und einen alternativen Bezug von erneuerbaren Energien. Die wirtschaftlichen Vorteile für ein solches Marktdesign sind erwiesen. Auch die Digitalisierung beeinflusst die Energiewirtschaft von morgen. Daher habe ich mich intensiv mit dem Thema Blockchain Technologie befasst. Blockchain ist eine Technologie, die den Austausch und die Dokumentation von Daten vereinfachen kann. Daher kann diese Technologie mithilfe der digitalen Möglichkeiten das heutige Energiesystem revolutionieren. Denn damit ist eine automatische Abgleichung von Energieerzeugung und Energieverbrauch möglich. Um zukünftige Herausforderungen und Chancen mitgestalten zu können, habe ich 2017 die Firma STROMDAO gegründet. Dort bin ich Geschäftsführer und möchte dafür sorgen, dass mithilfe der Blockchain Technologie und dem Hybridstrommarkt eine digitale Infrastruktur für die Energiewirtschaft der Zukunft aufgebaut wird. Der STROMDAO Mechanismus zur Konsensfindung für den Energiemarkt unterstützt dabei die Marktkommunikation aller beteiligten Akteure.

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