Dispatch: Hauptnutzen der Stromanbieter von morgen

In Essen findet diese Woche wieder die Leitmesse der Energiebranche statt. Kombiniert man bei Google den Begriff „Energieversorger“ mit „dienen“, so bekommt man 140.000 Treffer; kombiniert mit „leisten“ sind es 188.000 Treffer. Für die Branche bedeutet dies, dass man zunächst einmal der Gesellschaft kommunizieren muss, wie man „dienen“ kann, mit dem was man „leistet„.

Dispatch ist die Kunst eine Sache zuzuordnen. Eine Kunst, die bei der Nutzung von Gemeinschftseigentum wie dem Stromnetz, in der Verantwortung aller liegt. Erzeuger, Netzbetreiber, Stromanbieter und Stromkunden müssen gemeinsam das Kunstwerk  der richtigen Verteilung (Dispatch), hinbekommen, ohne dass es Kunstfehler gibt, die man durch Neuverteilung (Redispatch) ausbessern muss.

Was ist ein Stromanbieter? Ein Dispatcher.

Es ist durchaus eine Leistung, einen Zusammenhang zwischen Nachfrage und Angebot herzustellen. Jeder, der schon einmal ein Wirtschafts-Strategiespiel gespielt hat, kennt die Herausforderung, dass man den Bedarf möglichst effizient mit den vorhandenen Mitteln befriedigen muss. Diese Zuordnung wird Dispatch genannt.

Im Stromnetz ist der Dispatch eigentlich eine Aufgabe der Netzbetreiber. Ungewöhnlich, da der Stromanbieter dafür entlohnt wird. Zumindest bei den privaten Kleinkunden bekommt jemand anderes eine Leistung bezahlt, als derjenige der dient. Diener sind die Netzbetreiber, was auf das sogenannte Unbundeling zurückzuführen ist. Im Zuge der Liberalisierung des Strommarktes wurde Netzbetrieb (Diener) und Stromanbieter (Leistung) getrennt. Eine Dienstleistung zerstückelt, die isoliert nicht funktionieren kann.

Schaut man auf die Werbebotschaften der Stromanbieter (vergl. Markting-Psychologie des Strompreises), so stellt man fest, dass die Leistung des Dispatch nicht versprochen wird. Warum? Man kann hier auch wenig sinn-stiftendes  „dienen“. In der Komfortzone der Kunden mit Standardlastprofil zeigt man zwar gerne etwas von grüner und nachhaltiger Stromerzeugung, welchen Nutzen der Anbieter bei der Zuordnung zwischen Verbrauch und Erzeugung bringt, wird nicht verraten.

Digitaler Dispatch – Bilanzierung 2.0

Wir sind heute in der Lage, nahezu alles zu berechnen. Eine Zuordnung zwischen Verbrauch und Erzeugung kann in Echtzeit – oder wie üblich im 15 Minuten-Takt erfolgen. Was man dazu benötigt ist allein der Willen, dies auch zu machen.

Bilanzierung nennt man die Aggregation von Werten; die Bildung von Summen, welche als Ergebnis von vielen kleinen Transaktionen entstehen. Viele kleine Werte zu einem Wert zusammenfassen, welcher als Konsens dient. Genau das, ist mit der digitalen Infrastruktur der STROMDAO möglich. Als Beweis kann man die mittlerweile 2 Jahre alten Grünstrom-Jetons ansehen, oder den Grünstromindex – oder allgemeiner das Stromkonto. Alles sind Bausteine, um mit dem Dispatch nicht nur zu dienen, sondern auch zu leisten. Die Blockchain im Hintergrund übernimmt vollständig automatisiert den Dispatch – ohne, dass es eine zentrale Instanz benötigt.

Zukunft: Dispatch zum Guten

Dispatch, Bilanzierung, Blockchain – alles reine Theorie, die sich aber auch in die Praxis übersetzen lässt. Heute sie die Welt wie folgt aus:

Die Leipziger Volkszeitung meldet am 8.1.2018:

Leipzigs Straßenbahnen fahren jetzt zu 100 Prozent mit Ökostrom. Die Verkehrsbetriebe haben davon jeweils 60 Gigawattstunden für die Jahre 2018 und 2019 geordert.

Was hier kommuniziert wird, ist ein Dispatch. Die Zuordnung eines Verbrauches zu einer Erzeugung. 60 Gigawattstunden, die … —… die aus Wasserkraft in Norwegen stammen. Ja, hier wird es schwer sich vorzustellen, dass bei fehlenden Leitungen der Dispatch von Ökostrom in irgend einer Form der Allgemeinheit „dienlich“ ist.

Es wundert daher nicht,  dass Roger Letsch bei Achgut titelt:

„Leipziger Strom aus Takkatukka-Land“

Strommix in Leipzig
Strommix in Leipzig

Vieles in der Energiewirtschaft ist rein ein Kommunikationsproblem. Die 60 Gigawattstunden werden natürlich physikalisch aus der Region Leipzig kommen. Der Strommix-Navigator nennt 6% Wind und 4% Biomasse. Dies sind deutlich mehr als 60 Gigawattstunden, die hier erzeugt werden. Erzeugung für einen Dispatch ist somit vorhanden.

Dispatch ist cool!

In  Leipzig gibt es die P&S Service GmbH, die wir weder bei blog.stromhaltig noch bei der STROMDAO kennen, obwohl wir ja mittlerweile eine Dependance in Leipzig haben. Auf deren Webseite steht:

Laut einer TNS Emnid-Umfrage im Auftrag der Agentur für Erneuerbare Energien (aus dem Jahre 2015) befürworten 59% der Befragten eine Windenergieanlage in ihrer Nachbarschaft. Haben die Umfrageteilnehmer bereits eine WEA in ihrem Wohnumfeld, steigt die Akzeptanz laut AEE auf 72%. Die Windkraft gehört zu einer der wichtigsten und am meisten akzeptierten Energiequellen in Deutschland.

Wie würde die Akzeptanz aussehen, wenn man sagen würde: „Dreht dieses Windrad, dann rollen die Straßenbahnen in Leipzig“. Im Kleingedruckten der Hinweis, dass XY Megawattstunden Reststrom aus Wasserkraft stammt.

Mit dieser Änderung kommuniziert man cleveren Dispatch. Man kommuniziert Nähe und sorgt  für Verständnis. Das Windrad kann man sehen, die Straßenbahnen auch. Der technische Dispatch wird begreifbar.

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