Meine Stromnachfrage gehört mir! – Es ist schon paradox, dass auf der Seite der Stromerzeugung eine mehrtägige Vorhersagegüte von über 95% erreicht wird. Auf Seite der Nachfrage nach elektrischer Energie wir aber mit einer Technik arbeiten müssen, die aus dem letzten Jahrtausend stammt; auf genaue einem Wert pro Jahr basiert: Dem Zählerstand. 

Nein, dies ist kein Beitrag darüber, wie toll intelligente Stromzähler sind. In diesem Beitrag soll es darum gehen, wie weit die Schere zwischen intelligenter Stromerzeugung und Stromverbrauch auseinander klafft und wie Blockchaintechnologie hier einen entscheidenden Mehrwert liefert. Nicht irgendwann, sondern heute (auch ohne Smart-Meter)!

Stromverbrauch ist Eigentum

Um nicht in die epischen Tiefen der sogenannten Standardlastprofile abzutauchen, fangen wir mit einem einfachen Beispiel an. Das Jahr hat 365 Tage. Der Stromverbrauch einer 4-Köpfigen Familie beträgt 3650 KWh. Der Familie steht somit pro Kalendertag 10 KWh zu. Morgen, übermorgen, an jedem Tag der Woche. Wie viel die Familie genau verbraucht, das weiß der Stromanbieter nicht, also wird er immer 10 KWh einspeisen. Egal ob Mama das Wasserbett heute etwas kühler haben möchte, oder die Kleinen bei den Großeltern sind und die Eltern den Abend bei Kerzenschein verbringen. Man weiß es nicht…

Ein Markt kann nur funktionieren, wenn es ein Angebot und eine Nachfrage gibt. Ein Stromnetz kann nur funktionieren, wenn Einspeisung und Entnahme immer in Balance sind.

Der Abend im Kerzenschein und das (nicht) gewärmte Wasserbett sind eine private Information, die niemanden etwas angeht. Diese Information verändert allerdings die Nachfrage. Diese Information muss um allen Umständen im alleinigen Eigentum des Paares bleiben, darin besteht kein Zweifel. Ob und in welcher Höhe die Planung für den Abend „vermarktet“, also kommuniziert wird, auch das darf niemand vorschreiben.

„Nachfrage und Entnahme sind abgeleitet aus Eigentum an privaten Handlungsfreiräumen“

Die scheinbar alternativlose Lösung, besteht nun darin, dass wir zwar auf der Seite der Erzeugung genau wissen, was das Angebot ist – auf der Seite der Nachfrage aber weitestgehend im Dunklen tappen. Vertrauliche Informationen sind privates Eigentum.

Nachfrage mittels Blockchain Technologie vorhersagen

Eines der grundlegenden Konzepte der Blockchain Technologie, ist die Möglichkeit immaterielle Güter zu schaffen und zu quantifizieren. Güter, die man weitergeben kann (wie Geld), ohne dass die Entstehungsgeschichte bekannt ist.

„Wir planen morgen einen Abend im Kerzenschein…“ ist eine Information, die man umrechnen kann in die Währung „geringerer Stromverbrauch“.  Wie jede Information, hat auch diese Information einen Wert. Ein Wert, welcher allein im Eigentum der Familie ist und von ihr allein genutzt werden kann.

Mit Hilfe der digitalen Infrastruktur der STROMDAO kann die Information am Markt angeboten werden. Die Großeltern, bei denen die Kinder sind, können die Information „kaufen“ und damit ihren Stromverbrauch für den Tag ausgleichen.

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Veröffentlicht von Thorsten Zoerner

Seit dem Jahr 2007 beschäftige ich mich mit den Themen Stromnetz und Strommarkt. Parallel dazu entstand ein Blog, um Informationen zu den jeweiligen Themen bereitzustellen. Er ist unter blog.stromhaltig.de zu finden. Über das Thema Energiewirtschaft habe ich bislang drei Bücher veröffentlicht. In meinem 2014 erschienenen Buch zum Hybridstrommarkt beschreibe ich ein Marktdesign, das in Deutschland in das Gesetzespaket Strommarkt 2.0 aufgenommen wurde. Hierbei werden zwei Technologien des Strombezugs vereint: der Hausanschluss mit Bezug bei einem klassischen Stromanbieter und einen alternativen Bezug von erneuerbaren Energien. Die wirtschaftlichen Vorteile für ein solches Marktdesign sind erwiesen. Auch die Digitalisierung beeinflusst die Energiewirtschaft von morgen. Daher habe ich mich intensiv mit dem Thema Blockchain Technologie befasst. Blockchain ist eine Technologie, die den Austausch und die Dokumentation von Daten vereinfachen kann. Daher kann diese Technologie mithilfe der digitalen Möglichkeiten das heutige Energiesystem revolutionieren. Denn damit ist eine automatische Abgleichung von Energieerzeugung und Energieverbrauch möglich. Um zukünftige Herausforderungen und Chancen mitgestalten zu können, habe ich 2017 die Firma STROMDAO gegründet. Dort bin ich Geschäftsführer und möchte dafür sorgen, dass mithilfe der Blockchain Technologie und dem Hybridstrommarkt eine digitale Infrastruktur für die Energiewirtschaft der Zukunft aufgebaut wird. Der STROMDAO Mechanismus zur Konsensfindung für den Energiemarkt unterstützt dabei die Marktkommunikation aller beteiligten Akteure.

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