Greenpeace-Energy bezieht in einer aktuellen Pressemeldung ganz klar Stellung zu den geplanten Herkunftsnachweisen für EEG-Strom der EU und bezeichnet diese als Ökostrom-Greenwashing im großen Stil.

Tatsächlich?  Böses Greenwashing – oder eher die Entfernung von Diskriminierung bei der Stromerzeugung zum Wohle der Bürger und dem Gelingen der Energiewende?

Aus hiesiger Sicht versucht hier unter dem Markennamen „Greenpeace“ ein Stromkonzern eine Stimmungsmache bei den Bürgern zu erreichen, um mehr Kunden zu gewinnen. Eine als Aufklärung getarnte Stellungnahme dient einzig dem Sinn die Tarife bei den „Verbraucherportalen“ wie Verivox und Check24 attraktiver gestalten zu lassen. Diese Portale veröffentlichen Branchenmeldungen meist mit Link auf die Stromtarife, wodurch eine objektive Meldung eine kostenlose Werbung im redaktionellen Kontext darstellt.

Handelt es sich tatsächlich um ein Greenwashing?

In der Meldung des Stromanbieters Greenpeace Energy heißt es:

Hintergrund sind die so genannten Herkunftsnachweise – quasi eine „Geburtsurkunde“ für jede produzierte Megawattstunde Ökostrom. Diese Herkunftsnachweise sollen nach dem Willen des EU-Parlaments nicht mehr – wie bislang – ausschließlich für ungeförderten Strom ausgestellt werden. Auch geförderter Erneuerbaren-Strom, dessen Produktion etwa über das EEG eine Vergütung erhält, soll künftig dieses Ursprungs-Zertifikat erhalten. Bislang galt der Grundsatz: Eine Qualität, die man gegenüber den Stromkunden ausweist, muss man auch bezahlen“, sagt Keiffenheim. „Mit diesem im Sinne des Verbraucherschutzes so wichtigen Prinzips will das EU-Parlament nun brechen – und damit Großkonzernen, aber auch konventionellen Stromanbietern Greenwashing im großen Stil ermöglichen.“

blog.stromhaltig sieht dies etwas anderes. Zunächst ist die Unterscheidung zwischen geförderten und nicht geförderten Erzeugungen irreführend, denn auch Strom aus Kohlekraftwerken und Kernenergie  wird gefördert. Das EEG ist lediglich ein auf Erneuerbare-Energie und deren Ausbau fokussiertes Instrument der Förderung, wohingegen andere Energieträger durch Steuern oder Netzentgelte subventioniert werden.

EEG-Umlage und ihr Mechanismus

Wie bereits 2014 im Beitrag Morgens EEG Paradoxon – Abends Millionär (oder pleite) geschrieben, wird Erzeugung aus EEG geförderten Anlagen durch den  zwangsweise durchgeführten Verkauf an der Strombörse zu „Graustrom“.  Jeder an der Strombörse gehandelte Strom verliert seinen Herkunftsnachweis. Um trotz günstigem Börsenpreis einen Ökostrom den privaten Stromkunden anbieten zu können, kaufen viele Stromanbieter Zertifikate zusätzlich ein.

Beispiel aus der Praxis

Im Strommix von Stromhaltig   steckten im Jahre 2016 45,3%  Strom aus EEG geförderten Anlagen. Dieser wurde zu Börsenstrompreisen eingekauft. Damit dieser Strom als Ökostrom bezeichnet werden darf, wurden zusätzlich die Herkunftszertifikate gekauft von Erneuerbaren Energie-Erzeuger, die nicht nach EEG gefördert werden. Diese Anlagen (bei den meisten Anbietern handelt es sich um Wasserkraft), erhalten dadurch eine zusätzliche Einnahme, wohingegen der Börsenstrom aus EEG-Anlagen wieder „grün“ wird.

Vorteile des Greenwashing

Der große Vorteil dieses von Greenpeace-Energy als Greenwashing bezeichnete Verfahrens, ist die stückweise Integration der EEG geförderten Anlagen in den aktuell existierenden Strommarkt. Würden dieses Verfahren nicht angewendet, so würden die Stromanbieter nicht mehr an der Börse kaufen (=Rückgang der Nachfrage). Dadurch würde der Börsenstrompreis zurück gehen, d.h. die Erlöse des Zwangsverkaufs von EEG-Strom an der Börse geringer. Dies führt dazu, dass die EEG-Umlage steigt (vergl. EEG-Paradoxon) und damit der Strompreis der privaten Stromkunden.

Greenpeace-Energy stellt sich mit seiner Meinung ganz klar gegen die Interessen von kleinen Erzeugern mit der heimischen PV-Anlage , und private Stromkunden.   Wer sich keine eigenen Windparks leisten kann, wie ein Stromkonzern, muss sich gefallen lassen, dass er Schuld an der hohen EEG-Umlage trägt.

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Veröffentlicht von Thorsten Zoerner

Seit dem Jahr 2007 beschäftige ich mich mit den Themen Stromnetz und Strommarkt. Parallel dazu entstand ein Blog, um Informationen zu den jeweiligen Themen bereitzustellen. Er ist unter blog.stromhaltig.de zu finden. Über das Thema Energiewirtschaft habe ich bislang drei Bücher veröffentlicht. In meinem 2014 erschienenen Buch zum Hybridstrommarkt beschreibe ich ein Marktdesign, das in Deutschland in das Gesetzespaket Strommarkt 2.0 aufgenommen wurde. Hierbei werden zwei Technologien des Strombezugs vereint: der Hausanschluss mit Bezug bei einem klassischen Stromanbieter und einen alternativen Bezug von erneuerbaren Energien. Die wirtschaftlichen Vorteile für ein solches Marktdesign sind erwiesen. Auch die Digitalisierung beeinflusst die Energiewirtschaft von morgen. Daher habe ich mich intensiv mit dem Thema Blockchain Technologie befasst. Blockchain ist eine Technologie, die den Austausch und die Dokumentation von Daten vereinfachen kann. Daher kann diese Technologie mithilfe der digitalen Möglichkeiten das heutige Energiesystem revolutionieren. Denn damit ist eine automatische Abgleichung von Energieerzeugung und Energieverbrauch möglich. Um zukünftige Herausforderungen und Chancen mitgestalten zu können, habe ich 2017 die Firma STROMDAO gegründet. Dort bin ich Geschäftsführer und möchte dafür sorgen, dass mithilfe der Blockchain Technologie und dem Hybridstrommarkt eine digitale Infrastruktur für die Energiewirtschaft der Zukunft aufgebaut wird. Der STROMDAO Mechanismus zur Konsensfindung für den Energiemarkt unterstützt dabei die Marktkommunikation aller beteiligten Akteure.

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