Geschäftsmodelle der Blockchain in der Energiewirtschaft (Teil 2) 1

Geschäftsmodelle der Blockchain in der Energiewirtschaft (Teil 2)

Im ersten Teil der Artikelreihe zum Titelthema lag der Fokus auf der Infrastrukturumlage und dem ersten echten Autostromtarif in Deutschland. In diesem Teil wechseln wir die Brille und schwenken von der Kunden auf die Investorensicht. Denn viele Investitionen in Erneuerbare Energien (EE) Anlagen scheitern an der Kleinteiligkeit und dem damit erhöhten Aufwand zur Risikobewertung eben dieser. Die Blockchaintechnologie kann einen wesentlichen Beitrag zur Überwindung der bestehenden Kapitallücke leisten. Und das ist zur Erreichung des Pariser Klimaabkommens und anderer Klimaschutzziele bitter nötig!

Dezentral trifft Großkapital – Überwindung der Kapitallücke bei EE-Anlagen

Großinvestoren wie bspw. Versicherungsfonds sind bei konventionellen Kraftwerken bisher Baukosten von mehreren hundert oder gar einigen Milliarden Euro gewohnt. Bei diesen Summen ist macht die durchzuführende Risikobewertung nur einen Bruchteil der zu tätigen Investition aus. Das Investitionsrisiko war bei einer Laufzeit von 35 Jahren oder mehr und relativ geringen Prognoseunschärfen konv. Kraftwerke – ein Schippe Kohle gleich eine Kilowattstunde mehr – im Verhältnis zu E-Anlagen deutlich geringer. Die geringen Investitionskosten auf welche die Risikobewertungskosten umgelegt werden und eine höhere Prognoseunsicherheit erhöhen die Zuschläge auf die erzielbaren Preise pro Kilowattstunde Strom- und genau hier liegt ein wesentliches Problem: das des produktionsabhängigen Return on Investment (ROI). Um genau dieses Problem zu beheben und die Risikozuschläge so gering wie möglich zu halten waren bisher staatliche Subventionen wie bspw. das Einspeisevergütung gem. EEG das Mittel der Wahl. Subventionen sind mittelfristig jedoch kein Geschäftsmodell. Produktionsunabhängige Vergütungen auf Blockchain Basis jedoch schon! Der Amortisationszeitraum (ROI) wird deutlich verkürzt da anstelle eines Verkaufs von Kilowattstunden der Verkauf von Anteilsscheinen an Endkunden steht. Diese erhalten damit einen Anteil an der Erzeugungsleistung der EE-Anlagen – sprich am Stromoutput – der nachweisbar und fälschungssicher in der STROMDAO Energy Blockchain gespeichert wird. Doch benötigt diese nicht selbst wiederum viel zu viel Strom zur Verifikation von Transaktionen?

Explizite Governance-Struktur und ihre Bedeutung für Blockchain Geschäftsmodelle

Die oben aufgeworfene Frage des Stromverbrauchs unterschiedlicher Blockchains wird derzeit auch in der breiten Öffentlichkeit diskutiert. Auch blog.stromhaltig nahm sich bereits diesem Thema an. Der Energieverbrauch ist eben kein Selbstzweck, sondern Teil des Verifizierungsverfahrens einiger Blockchains (sog. Proof-of-Work und Proof-of-Stake). Das grundsätzliche Problem beim Einsatz von Blockchains in der Energiewirtschaft – und damit auch für darauf basierende Geschäftsmodelle – ist die Governancestruktur. Sprich: wer ist Teilnehmer des Netzwerks und darf dementsprechend Transaktionen verifizieren – und wer legt das fest? Bei Plattformen wie Amazon oder Facebook ist das recht einfach: der Eigentümer legt die Governance selbst fest. Auf der anderen Seite des Spektrums steht das Bitcoin-Netzwerk: jeder darf Node (Teilnehmer) des Netzwerks sein. Doch auch hier gibt es eine Governance-Struktur. Das Mining setzt die Bereitschaft der Nodes voraus Rechenleistung und damit Energie zur Verifikation von Transaktionen einzusetzen. Der Gewinn ist maximal wenn die Kosten pro Kilowattstunde minimal sind – genau deshalb befindet sich ein Großteil der Mining-Power in China und Asien. Der Strompreis regelt also die Governance-Struktur und zwar implizit. Doch gerade bei kritischer Strominfrastruktur muss  diese explizit formuliert sein. Und genau das schafft die STROMDAO Energy Blockchain mit Hilfe eines Proof-of-Authority Ansatzes. Nach wie vor kann jeder kostenlos (da Open-Source) ein Node der Energy Blockchain sein. Doch die Verifikation erfolgt durch sog. Authority Nodes die wiederum von den Nodes kontrolliert werden. Ein Voting Verfahren garantiert, dass jeder Node zum Authority Node werden kann – und zwar reversibel. Hierdurch ist nicht nur der Stromverbrauch pro Transaktion deutlich geringer, sondern auch dem Anspruch kritischer Energieinfrastruktur genüge getan.

Und sich auf Basis dieser Governance Struktur und mit Hilfe von Tokens ganze Wertschöpfungsketten darstellen lassen darum geht es u.a. im dritten Teil dieser Reihe.

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