Der Weg zu kostenlosem Strom für die E-Mobilität

Kernkraftwerk Brokdorf, 03.01.2018 06:30 Uhr.  Am zweiten Arbeitstag des Jahres darf das Kernkraftwerk in Brokdorf erst einmal etwas verschnaufen. Auf Anweisung des Netzbetreibers APG aus Österreich muss der Atommeiler bis 09:15 Uhr um eine mittlere Leistung von 218 MW reduzieren. Strom, der bereits verkauft ist – und für den Stromkunden in Europa doppelt bezahlt wird. Nächstes Jahr werden wir dieses Ereignis dann in der Meldung der Noteingriffe der Tennet TSO wieder lesen können.

Ein Teil dieses Stroms könnte man an den 26 jährigen verschenken, der gerade in Brunsbüttel einen Speicher ans Netz gehängt hat.  Einen anderen Teil könnte man aber auch den E-Autofahrern in Hamburg und Umgebung schenken.

Um tatsächlich einen Redispatch zu entgehen, würde es genügen die lokale Nachfrage rund um Brokdorf – also im Umfeld von Hamburg und nördliches Niedersachsen – zu erhöhen. Dies müsste zuverlässig planbar sein, also bedarf es einer Technologie, die in der Lage ist eine gemeinsame Auffassung des Möglichen (=Konsens) zu definieren. Hier kann zukünftig die Blockchain zum Einsatz kommen. Bereits heute ist in der Energy Blockchain der STROMDAO ein Mechanismus vorhanden, um zukünftigen Individualbedarf zu aggregieren und diesen im Bedarfsfall zu aktivieren.

Würde der Redispatch in einigen Jahren stattfinden, dann würde dies mit Hilfe der Blockchain wie folgt ablaufen:

  1. Netzbetreiber APG meldet Bedarf zum Redispatch in der Blockchain
  2. Die Ladesäulen und das Lademanagement der E-Mobile bekommen am Vorabend eine Info, über die benötigte zusätzliche Nachfrage
  3. Das Kernkraftwerk müsste durch die lokal gestiegene Nachfrage deutlich weniger reduzieren
  4. Da bei AKWs die Restlaufzeit an den Strommengen gekoppelt ist, würde sich durch diese „Notfälle“ nicht mehr künstlich der Abschalttermin verschieben
  5. Der wirtschaftliche „Schaden“ durch den Redispatch wird reduziert.

Für den Mittwoch morgen wird nach Angaben von APG eine „Gesamt Arbeit“ von 600.000 KWh reduziert. Das Zeitfenster hierfür sind  knapp 3 Stunden. Bedeutet bei einem „normalen“ E-Auto, welches mit etwas Planung 20 KWh aufnehmen kann, dass man 30.000 Autos in Hamburg benötigen würde, um den Re-Dispatch vollständig aufzulösen. (In Hamburg werden pro Jahr ca. 135.000 Neufahrzeuge zugelassen).