„Hier sind im Zuge der Digitalisierung und Dezentralisierung viele spannende Geschäftsmodelle denkbar, die Blockchain-Technologie selbst steckt jedoch noch mehr oder weniger in den Kinderschuhen und steht vor allem wegen ihres hohen Energieverbrauchs derzeit in der Kritik.“ (schreibt Energyload)

Diese Kritik soll in diesem Beitrag etwas näher beleuchtet werden, denn zumindest in den Anwendungen rund um die Digitalisierung der Energiewirtschaft tritt das Problem mit einem hohen Stromverbrauch der Blockchain Technologie nicht auf.

Woher kommt die Aussage über den hohen Energieverbrauch, und welche Lösungen haben die Infrastrukturlieferanten der Blockchain bereits im Einsatz?

Lastkraftwagen kann man als eine Technologie bezeichnen, die derzeit in der Kritik stehen, dass sie als Waffe von Terroristen genutzt werden können. 

Das Problem ist der bestimmungsgemäße Gebrauch einer Technologie. Weder ist ein Lastkraftwagen dazu da eine Waffe zu sein, noch existiert die Blockchain Technologie dazu, auf ein neuer Super-Verbraucher von teuren Ressourcen zu sein.

Wahrheit am Energieverbrauch: Bitcoin

Die wohl bekannteste Blockchain ist der Bitcoin.  Diese Blockchain ist als Cryptowährung konzipiert. Ähnlich wie bei einer Zentralbank, die neue Geldscheine druckt, werden neue Bitcoins „hergestellt“. Dies geschieht durch das Lösen einer Rechenaufgabe. Alle sogenannten Miner treten in der Konkurrenz an, denn nur ein Miner kann die Rechenaufgabe lösen und somit die Belohnung für den nächsten Block in der Kette erhalten.  Die Schwierigkeit der Rechenaufgabe wird dabei so angepasst, dass die neu gedruckten Banknoten nicht inflationär auftreten, sondern über die Zeit verteilt „gedruckt“ werden.

Es ist richtig, dass quasi der  Stromverbrauch und die dadurch entstehenden Stromkosten  der limitierende Faktor der Erfolgschancen für die Entlohnung sind.  So haben sich gerade in China ganzen Farmen von Bitcoin-Minern angesiedelt, die nichts anderes machen als die Schwierigkeit der Rechenaufgabe immer weiter zu erhöhen, um im gegenseitigen Wettstreit eine quasi Zentralisierung des Mining-Prozesses zum billigsten Strom herbeizuführen.

Für Bitcoin als Cryptowährung ist die Kritik an der Blockchain Technologie gerechtfertigt. Bei einer Währung besteht Konsens darüber, unter welchen Bedingungen ein neuer Wertgegenstand entsteht (ein Bitcoin gedruckt wird).

Energiewirtschaft und Blockchain

STROMDAO und andere Akteure der Energiewirtschaft nutzen die Blockchain anders. Der Wertgegenstand ist keine Cryptowährung (wie Bitcoin), sondern ein Sachverhalt in der realen Welt. Eine Tonne-CO2 wird freigesetzt – egal, ob eine Rechenaufgabe gelöst wurde oder nicht. Eine Kilo-Watt-Stunde Strom wird eingespeist, egal ob ich der schnellste in Mathematik bin.

Das Werthaltige ist in der Energiewirtschaft nicht intrinsisch, sondern extrinsich. Über ein sogenanntes Orakel  wird ein Sachverhalt lediglich protokolliert.

Bestimmungsgemäßer Gebrauch

Die richtige Anwendungen in der Energiewirtschaft basieren daher fast ausschließlich darin, dass sie die Möglichkeit der Blockchain Technologie nutzen einen dezentralen Konsens herzustellen. Die Regeln sind in sogenannten Smart-Contracts geschrieben und definieren, wie unterschiedliche Akteure zusammen arbeiten und welches externe Ereignis welche Veränderung des Konsens (=Gemeinsame Auffassung) nach sich führt.

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Veröffentlicht von Thorsten Zoerner

Seit dem Jahr 2007 beschäftige ich mich mit den Themen Stromnetz und Strommarkt. Parallel dazu entstand ein Blog, um Informationen zu den jeweiligen Themen bereitzustellen. Er ist unter blog.stromhaltig.de zu finden. Über das Thema Energiewirtschaft habe ich bislang drei Bücher veröffentlicht. In meinem 2014 erschienenen Buch zum Hybridstrommarkt beschreibe ich ein Marktdesign, das in Deutschland in das Gesetzespaket Strommarkt 2.0 aufgenommen wurde. Hierbei werden zwei Technologien des Strombezugs vereint: der Hausanschluss mit Bezug bei einem klassischen Stromanbieter und einen alternativen Bezug von erneuerbaren Energien. Die wirtschaftlichen Vorteile für ein solches Marktdesign sind erwiesen. Auch die Digitalisierung beeinflusst die Energiewirtschaft von morgen. Daher habe ich mich intensiv mit dem Thema Blockchain Technologie befasst. Blockchain ist eine Technologie, die den Austausch und die Dokumentation von Daten vereinfachen kann. Daher kann diese Technologie mithilfe der digitalen Möglichkeiten das heutige Energiesystem revolutionieren. Denn damit ist eine automatische Abgleichung von Energieerzeugung und Energieverbrauch möglich. Um zukünftige Herausforderungen und Chancen mitgestalten zu können, habe ich 2017 die Firma STROMDAO gegründet. Dort bin ich Geschäftsführer und möchte dafür sorgen, dass mithilfe der Blockchain Technologie und dem Hybridstrommarkt eine digitale Infrastruktur für die Energiewirtschaft der Zukunft aufgebaut wird. Der STROMDAO Mechanismus zur Konsensfindung für den Energiemarkt unterstützt dabei die Marktkommunikation aller beteiligten Akteure.

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