Am Heiligabend gab es an der Pariser Strombörse mal wieder einen negativen Strompreis. Bei den sogenannten Intraday Auktionen bekamen die Käufer 1,419 Cent je Kilo-Watt-Stunde, die sie kauften. Eine verkehrte Welt, die Begehrlichkeiten auch bei uns Stromkunden weckt, die zur gleichen Zeit mehr als 20 Cent bezahlten.

Warum es gut ist, dass nicht mehr Käufer nach dem Schnäppchen gegriffen haben, soll dieser Blog-Post beschreiben. Es geht darum, wer die Prämie für das Stromverbrauchen eigentlich zahlt und wieso eine Strombörse zunächst nur ein weiteres Beispiel für Platform-Kapitalismus ist.

Schaut man auf die genauen Zahlen des 24.12.2017, so sieht man, dass dem Kaufanreiz kaum Händler gefolgt sind. Die geringste Strommenge der Woche wurde gehandelt. Blöd nur, dass auch der EEG-Geförderte Strom zu diesem Preis verkauft wurde, d.h. wir Stromkunden werden die 1,419 Cent mit unserer EEG-Umlage bezahlen.

Wer waren die glücklichen Käufer?

An den Weihnachtsfeiertagen fallen nicht nur die Industriebetriebe, welche das Potential zur Lastverlagerung sonst nutzen weg, es fallen auch viele Klein- und Mittelständische Betriebe weg, deren Stromverbrauch individuell eingekauft werden kann. Bleiben die Netzbetreiber, welche am Spotmarkt (Börse) ihre Verbrauchsschwankungen kaufen und verkaufen müssen, damit die Bilanz stimmt. Neue Prognoseverfahren machen die hierfür benötigten Strommengen allerdings so gering wie möglich, denn die Netzbetreiber haben keine Option den „Trade“ auszusetzen, wenn die Vorhersage nicht stimmt.

Ursprünglich war das Design einer Spotbörse auch genau darauf ausgelegt, dass die Netzbetreiber sich hier untereinander ausgleichen können. Desto mehr Netzbetreiber dabei sind, desto stabiler funktioniert der Markt. Der Allgemeinheit würde damit geholfen sein, da sich ein faires Preisniveau entwickelt.

Geschehen ist allerdings dank Lobbyarbeit etwas anderes. Mittlerweile kann man an den Spotbörsen auch zocken.  Industriebetriebe können sehr aktiv Strompreise und Produktion verzahnen.

Hätten wir in Europa eine Kupferplatte, dann würde diese neue Ausrichtung der Börsenplatform auch kein Problem sein. Die Realität ist leider eine andere.

Strom darf überall eingespeist – überall hin verkauft werden. An Heiligabend könnte es in Leipzig jemand gegeben haben, der unbedingt Strom loswerden muss (zum Beispiel der Verkäufer der EEG-Strommenge). Wenn dann keiner diesen Strom benötigt, dann geht der Preis nach unten, so lange, bis irgendwo sich ein Käufer findet. Wohl gemerkt, dies können nur große Händler sein.

Das Problem ist, dass mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit eintritt ist, dass die Nachfrage genau dort ansteigt, wo keiner mit gerechnet hat. So geschehen auch diesmal. In der Folge wurden 6 Redispatch-Maßnahmen von den Übertragungsnetzbetreibern durchgeführt, die allein ein Volumen von 1.268 MWh hatten. Wer zahlt für diese Maßnahme? – Richtig! Es zahlt nicht der Käufer des günstigen Stroms, sondern alle anderen mit ihren Netzentgelten.

Lokale Netzdienlichkeit belohnen – Börsenstrompreise ignorieren

Da es niemals eine Kupferplatte über Europa geben wird, oder man endlos viele Trassen bauen müsste, sollte man bei der Regulierung der Strommärkte dazu über gehen, mehr in die lokalen Märkte zu investieren. Bislang fehlt es hier an Mechanismen, obwohl diese Engpassbewirtschaftung durchaus möglich ist, wie Stromhaltig und STROMDAO mit ihren dynamischen Tarifen (bundesweit) zeigen.

Wer einen Profit durch Börsenstrom haben will, der sollte sich einmal die Frage stellen, wer eigentlich dafür zahlt. Meistens ist es der Nachbar – oder sogar man selbst – die Kosten wandern im Falle von Börsenstrom von den Energiekosten in die Grundgebühr.

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Veröffentlicht von Thorsten Zoerner

Seit dem Jahr 2007 beschäftige ich mich mit den Themen Stromnetz und Strommarkt. Parallel dazu entstand ein Blog, um Informationen zu den jeweiligen Themen bereitzustellen. Er ist unter blog.stromhaltig.de zu finden. Über das Thema Energiewirtschaft habe ich bislang drei Bücher veröffentlicht. In meinem 2014 erschienenen Buch zum Hybridstrommarkt beschreibe ich ein Marktdesign, das in Deutschland in das Gesetzespaket Strommarkt 2.0 aufgenommen wurde. Hierbei werden zwei Technologien des Strombezugs vereint: der Hausanschluss mit Bezug bei einem klassischen Stromanbieter und einen alternativen Bezug von erneuerbaren Energien. Die wirtschaftlichen Vorteile für ein solches Marktdesign sind erwiesen. Auch die Digitalisierung beeinflusst die Energiewirtschaft von morgen. Daher habe ich mich intensiv mit dem Thema Blockchain Technologie befasst. Blockchain ist eine Technologie, die den Austausch und die Dokumentation von Daten vereinfachen kann. Daher kann diese Technologie mithilfe der digitalen Möglichkeiten das heutige Energiesystem revolutionieren. Denn damit ist eine automatische Abgleichung von Energieerzeugung und Energieverbrauch möglich. Um zukünftige Herausforderungen und Chancen mitgestalten zu können, habe ich 2017 die Firma STROMDAO gegründet. Dort bin ich Geschäftsführer und möchte dafür sorgen, dass mithilfe der Blockchain Technologie und dem Hybridstrommarkt eine digitale Infrastruktur für die Energiewirtschaft der Zukunft aufgebaut wird. Der STROMDAO Mechanismus zur Konsensfindung für den Energiemarkt unterstützt dabei die Marktkommunikation aller beteiligten Akteure.

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