Kraftwerk Schkopau bei Nacht
Kraftwerk Schkopau bei Nacht

Steht man auf einem Parkplatz knapp 500 Meter vom Kraftwerk Schkopau entfernt bei Nacht, so bleibt einem fast der Atem stehen. Hoch ragen die Kühltürme in die Luft, die überschüssige Energie, die nicht als Heizwärme oder Strom benötigt werden in den Nachthimmel entlassen. Das Uniper Kraftwerk aus den Mitte 1990er Jahren erinnert an die Prachtbauten die Speer einst in Berlin plante. Kolossal, Mächtig – 450 MW in der Spitze. Das reicht zusammen mit dem benachbarten Kraftwerk  Lippendorf aus, um sieben Millionen Haushalte mit Strom zu versorgen. Oder für den richtigen Wums, der von der chemischen Industrie im Umland von Halle benötigt wird.

Man könnte auf dieses Pferd setzen. Zum Beispiel am 05.09.2017 von 07:45 bis  08:45 Uhr, den da musste das Kraftwerk einen Technical Failure melden. Aus 450 MW „Zuverlässiger Stromversorgung für die Chemische Industrie“ wurden 40 MW „Zappelstrom“.

Ereignisse wie diese sind es, die uns daran erinnern, dass die Energiewende nicht gleichzusetzen ist, mit dem Ausstieg aus der Atomenergie, sondern mit der Wende von Großkraftwerken hin zu vielen kleinen Erzeugern. Ein Strukturwandel, der sich im Arbeitsmarkt bereits einige Jahre etabliert war. Wo einst die Automobilgrößen ihren Betrieb mit einer monumentalen Stammbelegschaft meisterten, gibt es heute viele Zeitarbeitsbetriebe, die mit ihrer Man-Power für die Leistung sorgen. Anstelle des Risikos eines Streiks aller Mitarbeiter eines Unternehmens, müssen heute viele verschiedene Arbeitgeber streiken, um den Betrieb zu verändern. Beim Arbeitsmarkt hat sich ein struktureller Wandel in den letzten 10 Jahren vollzogen, der ähnlich auch in der Energiewirtschaft im Gange ist.

Die Stromerzeugung war einst eine Industrie mit großen Produktionseinheiten. Im Zuge einer zunehmenden Dezentralisierung bringen heute viele kleine Erzeugungseinheiten eine Arbeit auf. Die technische Störung am Kraftwek Schkopau kann man übersetzen mit einer Kette von 410 Windkrafträdern, die im Abstand von 200 Metern aufgestellt eine Kette von 82 Kilometer ergeben würde. Eine räumliche Ausdehnung, die so groß ist, dass selbst die schlimmsten Wetterverstimmungen hier eine Ungenauigkeit hervorbringen können.

Planungssicherheit ist das A-und-O für Versorgungssicherheit. Kleine Erzeugungsanlagen werden einzeln prognostiziert und bieten kleinteilig ihre Arbeit am Strommarkt an. 410 Windkrafträder können nicht „ungeplant nichtverfügbar“ sein, oder durch einen „Technical Failure“ die Einspeisung einstellen.

Bei den Arbeitsmarktreformen der letzten Jahre kann man sich über ihre Wirkung streiten. Bei der Strommarkt-Reform müssen ähnliche fundamentale Änderungen geschehen, wenn wir auch zukünftig unsere Smartphones und Tablets sicher laden wollen.

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Veröffentlicht von Thorsten Zoerner

Seit dem Jahr 2007 beschäftige ich mich mit den Themen Stromnetz und Strommarkt. Parallel dazu entstand ein Blog, um Informationen zu den jeweiligen Themen bereitzustellen. Er ist unter blog.stromhaltig.de zu finden. Über das Thema Energiewirtschaft habe ich bislang drei Bücher veröffentlicht. In meinem 2014 erschienenen Buch zum Hybridstrommarkt beschreibe ich ein Marktdesign, das in Deutschland in das Gesetzespaket Strommarkt 2.0 aufgenommen wurde. Hierbei werden zwei Technologien des Strombezugs vereint: der Hausanschluss mit Bezug bei einem klassischen Stromanbieter und einen alternativen Bezug von erneuerbaren Energien. Die wirtschaftlichen Vorteile für ein solches Marktdesign sind erwiesen. Auch die Digitalisierung beeinflusst die Energiewirtschaft von morgen. Daher habe ich mich intensiv mit dem Thema Blockchain Technologie befasst. Blockchain ist eine Technologie, die den Austausch und die Dokumentation von Daten vereinfachen kann. Daher kann diese Technologie mithilfe der digitalen Möglichkeiten das heutige Energiesystem revolutionieren. Denn damit ist eine automatische Abgleichung von Energieerzeugung und Energieverbrauch möglich. Um zukünftige Herausforderungen und Chancen mitgestalten zu können, habe ich 2017 die Firma STROMDAO gegründet. Dort bin ich Geschäftsführer und möchte dafür sorgen, dass mithilfe der Blockchain Technologie und dem Hybridstrommarkt eine digitale Infrastruktur für die Energiewirtschaft der Zukunft aufgebaut wird. Der STROMDAO Mechanismus zur Konsensfindung für den Energiemarkt unterstützt dabei die Marktkommunikation aller beteiligten Akteure.

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