Warum noch mal kann ich meinen Strom nicht mit meinem Nachbarn tauschen? Physikalisch passiert dies ja bereits ganz gut, nur im realen Stromhandel leider nicht. Das größte Problem ist, dass das man zwar alles machen kann, es aber nicht kommunizieren kann. Anders ausgedrückt, selbst wenn mir der Nachbar einige Cent für den Strom geben sollte, müsste er diesen noch einmal bei seinem Versorger bezahlen, denn dieser wird mit ihm die Strommenge abrechnen, die der Zähler anzeigt. Also auch die Strommenge, die aus der Nachbarschaft stammt.

„Mit der MSCONS ist u. a. ein diskriminierungsfreies Energie-Daten-Management (EDM) möglich“ – steht auf der Wikipedia Seite für die Marktkommunikation. Die Marktkommunikation ist verantwortlich, dass aus Zählerständen letztendlich Euro-Beträge auf der Rechnung des Kunden werden.

Die Blockchaintechnologie hat das Potential den Zugang zur Marktkommunikation tatsächlich frei von Diskriminierung zu gestalten. Der Showcase des MSCONS Moduls der STROMDAO zeigt, wie jeder (der es will) frei von Diskriminierung und Zugangshürden auch mit der gewachsenen Handelswelt des BDEW kommunizieren kann.  Der Strom kann mit dem Nachbarn getauscht werden, weil man es jetzt auch kommunizieren kann.

Alle Transaktionen werden bei einer Blockchain öffentlich gemacht unter den Teilnehmern. Man kann zwar den Teilnehmer nicht direkt identifizieren, die Technologie stellt allerdings sicher, dass man nur dann eine Transaktion machen kann, wenn man auch das notwendige (digitale) Gut besitzt. Ein großer Unterschied zu klassischen Währungssystemen und den damit verbundenen Geldgeschäften. In der konventionellen Finanzwelt bringt man einen Überweisungsbeleg zur Bank, damit diese das Geld transferieren kann. Bei einer Blockchain macht man den Transfer öffentlich, was soviel bedeutet, wie das jeder weiß, dass Konto X an Konto Y etwas überwiesen hat. Die Blockchain ist in ihren Daten ein großes Verzeichnis von Transaktionen (Kontobewegungen), welches diskriminierungsfrei für alle Teilnehmer einsehbar ist. Die Blockchain ist damit ein Medium zur Kommunikation von Bewegungsdaten.

In der Stromwelt kann man diese Eigenschaft noch effizienter nutzen, da die Marktkommunikation ohnehin einen Anspruch hat offen für alle zu sein, um die Zuständigkeiten im Netzbetrieb sauber abgebildet zu bekommen. Der Tausch des Stroms mit dem Nachbarn kann als reiner Tokentausch verstanden werden, wie es Sebnem in ihrem Beitrag beschreibt. Genau so ist es in Brooklyn beim dortigen Micro Grid passiert. Wenn alle das gleiche Kommunikationsmedium verwenden, dann ist der Stromhandel auch kein Problem.

Bei der STROMDAO mussten wir allerdings feststellen, dass für eine Öffnung der Marktkommunikation an alle Teilnehmer des Stromnetzes, es auch notwendig ist, die bestehenden Strukturen und Verfahren zu bedienen. Als Schnittstelle fungiert das sogenannte BusinessObject, welches mit über 10.000 Downloads von Entwicklern im Juli 2017, bereits heute die weltweit am häufigsten eingesetzte Verbindung zwischen Blockchain und Energiemarkt ist.

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Veröffentlicht von Thorsten Zoerner

Seit dem Jahr 2007 beschäftige ich mich mit den Themen Stromnetz und Strommarkt. Parallel dazu entstand ein Blog, um Informationen zu den jeweiligen Themen bereitzustellen. Er ist unter blog.stromhaltig.de zu finden. Über das Thema Energiewirtschaft habe ich bislang drei Bücher veröffentlicht. In meinem 2014 erschienenen Buch zum Hybridstrommarkt beschreibe ich ein Marktdesign, das in Deutschland in das Gesetzespaket Strommarkt 2.0 aufgenommen wurde. Hierbei werden zwei Technologien des Strombezugs vereint: der Hausanschluss mit Bezug bei einem klassischen Stromanbieter und einen alternativen Bezug von erneuerbaren Energien. Die wirtschaftlichen Vorteile für ein solches Marktdesign sind erwiesen. Auch die Digitalisierung beeinflusst die Energiewirtschaft von morgen. Daher habe ich mich intensiv mit dem Thema Blockchain Technologie befasst. Blockchain ist eine Technologie, die den Austausch und die Dokumentation von Daten vereinfachen kann. Daher kann diese Technologie mithilfe der digitalen Möglichkeiten das heutige Energiesystem revolutionieren. Denn damit ist eine automatische Abgleichung von Energieerzeugung und Energieverbrauch möglich. Um zukünftige Herausforderungen und Chancen mitgestalten zu können, habe ich 2017 die Firma STROMDAO gegründet. Dort bin ich Geschäftsführer und möchte dafür sorgen, dass mithilfe der Blockchain Technologie und dem Hybridstrommarkt eine digitale Infrastruktur für die Energiewirtschaft der Zukunft aufgebaut wird. Der STROMDAO Mechanismus zur Konsensfindung für den Energiemarkt unterstützt dabei die Marktkommunikation aller beteiligten Akteure.

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