Rückfahrt vom Fachkongress „Neue Geschäftsfelder“ der Energieforen in Leipzig. Von der Dachterrasse kann man den „Uni-Riesen“ erkennen, der auch die Strombörse EEX beheimatet.  Beim Kongress wurde viel über Lokale und Kommunale Produkte sinniert, über Versorger und ihren Weg durch das Fahrwasser der Digitalisierung. Jetzt auf der Rückfahrt sitzt ein Bekannter aus einer ganz anderen Branche neben mir und will wissen, was in der Energiewelt eigentlich so abläuft.  Irgendwann kommt das Gespräch auf Ökostrom, den er für sein Haus bezieht – und auf seine ganz persönlichen Beweggründe.

Seinen Kindern will er mal sagen können, dass sie CO2-Neutral aufgewachsen sind.  Ein Teil davon ist die Wahl eines Ökostromtarifes gewesen. Er will kein Geld für Kohle oder Atomstrom ausgeben, weiß aber, dass es (unabhängig vom Anbieter) nicht ganz seinen Vorstellungen entsprechen wird.

Wir machen den Extremfall: Alle privaten Haushalte in Deutschland wechseln in einen Ökostromtarif.  Diese Verbrauchergruppe benötigt etwa 1/3 des Stroms in Deutschland, und 1/3 kommt bereits heute aus Sonne/Wind und Wasserkraft. In anderen Worten, es geht von der Wahl des Stromtarifes kein Signal aus, dass mehr Nachhaltigkeit bei der Stromerzeugung generiert wird.

Die Anbieter, die möglichst viele Kunden in die Belieferung bekommen möchten, lassen sich daher etliche Tricks einfallen. Da wird Kreuz- und Quersubventioniert – ohne das eigentliche Problem auch nur hinreichend zu lösen. Ja, wenn man von der Energiegenossenschaft aus dem Nachbarort den Ökostrom bezieht, dann tut man etwas gutes – aber leider nur, weil dieser (vielleicht) etwas teurer ist und dieser Geldanteil tatsächlich in den Aufbau neuer Anlagen investiert wird.

Ökostrom wird von der  Erzeugungsseite gedacht, allerdings zum Verbraucherprodukt gemacht. Persönlich denke ich, dass der Begriff zu verbrannt ist und tendiere den nachhaltigen Bezug von Strom als Grünstrom zu bezeichnen (weshalb die GrünStromJetons auch nicht ÖkoStromJetons  genannt wurden).

Dies soll kein Aufruf sein in einen „Nicht-Ökostromtarif“ zu wechseln. Vielmehr soll es zeigen, wie weit die Prozesse der Energiewirtschaft noch angepasst werden müssen, um dem erklärten Kundenwillen bei der Produktwahl gerecht zu werden.

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2 Gedanken zu “Mal wieder über Ökostrom gesprochen…

  1. der ansatz, von persönlichen beweggründen zu berichten, ist eine schöne idee, sie macht anschaulich was in den Leuten vor sich geht, die sich ökologisch orientieren. besser als täglich die menge des abgeschmolzenen grönlandeises in litern in den nachrichten zu verkünden

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  2. Da der Bezug von Ökostrom für den Haushalt schon keine Signale mehr setzt, ist es vielleicht an der Zeit über eine Art Strommix-Kennzeichnung bei bestimmten Produkten nachzudenken.

    Mir fällt da immer wieder die Frage ein, was mehr Strom verbraucht, der Kühlschrank oder das Smartphone … den tieferen Sinn dieser Frage, versteht man freilich nur, wenn man weiß wie viel Strom all die Rechenzentren verbrauchen. Der Kühlschrank hat sein Energielabel, verbraucht aber leider weniger als das Smartphone, dessen wahre Strommengen sich hinter all den Netzwerkverbindungen in „die Cloud“ verbergen, die das Smartphone erst zu dem machen, was es ist.

    Vermutlich hat aber die breite Masse schon gar keinen Bock mehr sich durch all die Labels, Siegel und Inhaltsstoffe durchzufräsen und wir brauchen stattdessen vielleicht einfache, verbindliche Regeln, wie z.B. keine Befreiung von der EEG-Umlage oder den Netzentgelten ohne den Nachweis des Bezugs ausreichender Ökostrommengen,

    Seltsamerweise will nahezu jeder seinen CO2-Fußabdruck irgendwie verkleinern, aber in der Wirtschaft ist entsprechendes Handeln dann eine Fehlanzeige. Alle Argumente vom Kostendruck, Konkurrenzfähigkeit usw. sind da Bullshit, denn alle Schritte in diese Richtung werden von den Kunden honoriert, auch finanziell! Also woran liegt das nur, dass da nichts geht!?

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