Auch in Zukunft wird der Strom aus der Steckdose kommen, soweit ist sicher. Die Blockchain Technologie hat aber das Potential im Hintergrund etliche Dinge zu beschleunigen und dynamischer zu gestalten. Macht man allerdings etwas anders wie bisher, dann gibt es immer auch Kritik, weil es eben nicht so ist, wie man es gewohnt ist.

Die Digitalisierung der Energiewende mit Hilfe der Blockchain Technologie begleiten, ist eines der vielen Ziele, die wir bei der StromDAO verfolgen. Am erfolgsversprechendsten scheint, dass man sich die Handlungsfelder ansieht, die aktuell den Punkten Dezentralität, Partizipation und digitalisierten Marktprozessen im Wege steht.

Ebene 1: Partizipation bei der Gestaltung

„Es klingt so, als ob die Blockchain sowohl den entscheidenden Impuls für eine echte Liberalisierung des Strommarktes und somit Stärkung der Verbraucherrechte setzen könnte. Zudem hat sie das Potenzial, die Energiewende entscheidend voranzutreiben. Kritiker werfen jedoch ein, dass es sich doch vornehmlich nur um Marketingaspekte drehe.“ (schreibt Robert Doelling bei EnergieDienst)

Mit der Partnerschaft von LO3 und Siemens (s.h. EUWID) ist die finanzielle Ausgestaltung eines weiteren Piloten erst einmal gesichert. Piloten gibt es viele – ich selbst habe vor über 10 Jahren meinen Pilotenschein gemacht und gelernt, dass Schweinhälften kein Beschwerdemanagement benötigen, reale Passagiere „onboarden“ eine ganz andere Herausforderung  ist. Leider wird bei all diesen Entwicklungen der zahlende Kunde nur selten nach seiner Meinung gefragt.

blogparade_digitalisierungenergiewende_mittext-620x300Im Zuge des Ausbau der Erneuerbaren Energie wurde gerade in Deutschland der Fehler gemacht, alles von der Erzeugungsseite zu denken. Vergleichbar ist dies, als ob man Autokäufern die ganze Zeit erzählen würde, wie toll die neuen automatisierten Fertigungsstrecken für E-Mobile sind. Ein endloser Streit über die Höhe der EEG-Umlage und ein noch immer ziemlich mit Mythen behaftetes Bild, welche Horrorszenarien im Stromnetz auf uns warten, sind die fast täglich in den Medien breit getretene Folge.

Würde man das Produkt Strom heute neu gestalten, dann kommt mit Sicherheit ein anderes Ergebnis dabei raus, wie wir es kennen. Nicht die Suche auf Vergleichsportalen, bei denen hunderte Anbieter sich nur über den Preis unterscheiden. Individualität geht vom Kunden aus. Innovation bei der StromDAO bedeutet,  dass man eine Technologie dazu nutzt die Entscheidungsfindung zu demokratisieren und dadurch (hoffentlich) ein besseres Produkt zu entwickeln.

Wie es bei jedem Entwicklungsprozess üblich ist, haben auch wir sofort feststellen müssen, dass man einen Quell an Ideen für Veränderung öffnet, wenn man einfach einmal die Frage offen stellt. Die Blockchain Technologie und die damit verbundenen Smart Contracts helfen nur bei der Organisation (automatisiert, im Hintergrund). Das ist nichts besonderes und in anderen Branchen ein bewährtes Verfahren zur Partizipation. Braucht die Energiewirtschaft dies zum Überleben? Nein – aber sie braucht Kunden, Vertrauen, Bindung und Reputation.

Ebene 2: Stromprodukt

Man benötigt ein Produkt um den Kunden abholen zu können. Eine neue Technologie ändert daran nichts. Sobald die Partizipation erst einmal in Fahrt ist, kommen Eigenschaften des Produktes zum Vorschein, die umgesetzt werden können. Eines der ersten Rückmeldungen welches wir bei der StromDAO erhalten haben war, dass man beim Anbieterwechsel seinen Jahresverbrauch angeben soll. Zwar liefern viele Anbieter einen Vergleich zum „Musterhaushalt mit X Personen“, jedoch denken viele Stromkunden nicht in Kilo-Watt-Stunden pro Jahr. Man denkt in Euro pro Monat/Jahr – und will unterjährig sehen, ob die Budgetplanung aufgegangen ist oder Gegensteuerrungsmaßnahmen ergriffen werden müssen. Das Werkzeug „Stromkonto“ war geschaffen, welches es Hucke-Pack mit einem ganz normalen Öko-Stromtarif gibt. Der Horror des Kunden ist, am Jahresende eine Nachzahlung auf der Rechnung zu haben. Konventionelle Stromprodukte bieten durch das Verfahren der Abschlagszahlungen und umständlichen Anpassungsprozessen kaum eine Möglichkeit zwischen Ursache (Verbrauch) und Wirkung (Kosten) einen Zusammenhang zu schaffen.

Warum soll der Stromkunde seine Abschläge weiter zahlen, wenn er 2 Monate im Ausland ist? – Und warum soll er nach der Rückkehr nicht einmalig eine höhere Summe zahlen, weil Waschmaschine und Trockner im Dauerlauf arbeiten? – Man kann heute ohne Probleme Waschmaschine und Trockner mit „1 Klick“ bestellen und bezahlen, deren Wirkung (Stromverbrauch) aber nur mit umständlichen Formularen. Zugegeben mit dem Stromkonto sind wir noch etwas von „1 Klick“ entfernt. Eine zeitnahe Begleichung via Kreditkarte ist aber bereits heute umgesetzt.

Die Blockchaintechnologie bringt hier zunächst nur ihren ursprünglichen Einsatz als „Buchungssystem“ zum Vorschein. Der Kunde bekommt nur mit, dass eine neue Schicht zwischen der Dienstleistung „Strombezug“ und der Stromrechnung eingeführt wurde. Flexibilität in der Bilanzierung – nicht im Grid.

Elektrogräte zahlen ihren Strom, lautet ein weiterer Schritt nach dem Stromkonto. Damit ein Akteur des Internet der Dinge überhaupt seine Sekundarkosten tragen kann, bedarf es einer Schnittstelle zum Kunden. Die bisherigen Marktprozesse zur Bilanzierung sind hier ungeeignet. Micro-Transaktionen sind den konventionellen Abrechnungssystemen ein Übel, wie dem Teufel das Weihwasser. Da hilft der Wunsch des Kunden auch nichts – nur eine Technologie, die als Mittler dienen kann. In Smart-Contracts wird gesammelt, transferiert, aggregiert und berechnet, was später als eine Zeile auf der Stromrechnung landet. Die Rechnungsprüfung erfolgt fortlaufend in Echtzeit durch den Kunden.

Ebene 3: Adaption in der Energiewirtschaft

Blockchain und Marktkommunikation der Energiewirtschaft stammen von zwei verschiedenen Planeten. Das bestehende System wird es noch etliche Jahre geben und es benötigt Fingerspitzengefühl, damit man nicht Sachen verändern versucht, die inkompatibel zum Markt sind. Micro-Transaktionen sind hier ein schönes Beispiel. Brooklyn Micro-Grid wird es in Deutschland nicht in der Fläche geben, da wird es mit vielen Inseln zu tuen haben, die alle bewirtschaftet werden, deren Fürsten einen rechtsmäßigen Bestandsschutz haben. Peer2Peer Strommärkte für Prosumer-Communities nennt sich die Mission, auf der sich viele Akteure zubewegen. Bei der StromDAO sind wir mit der Adaption der GrünStromJetons in den Tarif und dem Stromkonto einen kleinen Weg bereits gegangen. Die wichtigste Erfahrung, die dabei gesammelt wurde  ist, dass ein gemeinsamer Konsens über den Einsatz der Blockchain gefunden werden muss.

Hinweis: Dieser Beitrag nimmt an der Blogparade „Digitalisierung in der Energiewende“ teil. Bis 15.12.2016 haben Blogger die Möglichkeit, Beiträge dazu zu verfassen, die in einem Übersichtsbeitrag beim SMA Blog zusammengefasst werden.

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Veröffentlicht von Thorsten Zoerner

Seit dem Jahr 2007 beschäftige ich mich mit den Themen Stromnetz und Strommarkt. Parallel dazu entstand ein Blog, um Informationen zu den jeweiligen Themen bereitzustellen. Er ist unter blog.stromhaltig.de zu finden. Über das Thema Energiewirtschaft habe ich bislang drei Bücher veröffentlicht. In meinem 2014 erschienenen Buch zum Hybridstrommarkt beschreibe ich ein Marktdesign, das in Deutschland in das Gesetzespaket Strommarkt 2.0 aufgenommen wurde. Hierbei werden zwei Technologien des Strombezugs vereint: der Hausanschluss mit Bezug bei einem klassischen Stromanbieter und einen alternativen Bezug von erneuerbaren Energien. Die wirtschaftlichen Vorteile für ein solches Marktdesign sind erwiesen. Auch die Digitalisierung beeinflusst die Energiewirtschaft von morgen. Daher habe ich mich intensiv mit dem Thema Blockchain Technologie befasst. Blockchain ist eine Technologie, die den Austausch und die Dokumentation von Daten vereinfachen kann. Daher kann diese Technologie mithilfe der digitalen Möglichkeiten das heutige Energiesystem revolutionieren. Denn damit ist eine automatische Abgleichung von Energieerzeugung und Energieverbrauch möglich. Um zukünftige Herausforderungen und Chancen mitgestalten zu können, habe ich 2017 die Firma STROMDAO gegründet. Dort bin ich Geschäftsführer und möchte dafür sorgen, dass mithilfe der Blockchain Technologie und dem Hybridstrommarkt eine digitale Infrastruktur für die Energiewirtschaft der Zukunft aufgebaut wird. Der STROMDAO Mechanismus zur Konsensfindung für den Energiemarkt unterstützt dabei die Marktkommunikation aller beteiligten Akteure.

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