Nachdem einige Leser zum Beitrag „Ein Stromanbieter aus der Blockchain – Strom DAO“ kommentiert haben, dass sie eine etwas andere Erklärung wünschen ein zweiter Versuch.

Bei privaten Stromkunden ist es vollständig egal, welchen Anbieter er gewählt hat – der Strom der aus der Steckdose kommt wird der gleiche sein. Die Leistung des Stromanbieters besteht darin, dass er Erzeugungskapazitäten anmietet entsprechend dem Verbrauch seiner Kunden. Im Gegenzug stellt er den Kunden eine Rechnung und kümmert sich um die Bezahlung. Alles Tätigkeiten, die keinen Wert haben, da sie mit IT gut automatisierbar sind. Einzige Geschmacksrichtung, die der Stomanbieter geben kann, ist die Auswahl der Erzeugung: Grob Konventionell oder Erneuerbare.

Damit das Geschäft mit privaten Stromkunden funktioniert, sind Stromtarife weites gehend automatisiert. Jeder, der die Setup-Gebühr aufbringen kann, kann ein Stromanbieter werden. Stellt sich die Frage: Warum nicht jeder Leser, jeder Bürger?

Der Hauptgrund gegen viel mehr Stromanbieter sind die recht hohen Setupkosten (etwa 10.000€), welche sich nur rechnen, wenn man entsprechend viele Stromkunden am Ende beliefern kann. Kleinere Stadtwerke nutzen zum Beispiel ihren lokalen Bezug für „lokale Stromtarife“ , andere versuchen auf der Bekanntheit eines TV-Senders an Reichweite und Kunden zu kommen (Beispiel: SAT1). Neben dem Einspiel der Setupkosten entstehen dann natürlich auch Kosten für die Werbung und den Zwang einen Gewinn zu erzielen.

Das ideale Konstrukt würde eine Art Einkaufsgemeinschaft sein. Eine Vielzahl von Stromkunden schließt sich zusammen – bildet einen Stromanbieter und betreibt diesen in Zukunft selbst. Eine Genossenschaft könnte man hier als Unternehmensform nehmen, welche jedoch weitere Verpflichtungen und vor allem auch juristisch einige Fallstricke mit sich bringt. Wie können viele Stromkunden sich zusammenschließen? Wie kann die Mitbestimmung erhalten bleiben? – Das ganze möglichst ohne Kleingedrucktes und langem Vertragswerk….

An dieser Stelle bietet sich die Blockchain an. Ein Konstrukt, bei dem man mittels Programm-Code innerhalb von Smart-Contracts einfache Regeln hinterlegen kann. Zum Beispiel die Regel, dass viele Stromkunden einen Betrag einzahlen können, dieser aber streng zweckgebunden ist: Gründung eines Stromanbieters.  Die Zweckbindung regelt der Programm-Code. Die Einzahlung kann sogar anonym erfolgen…

Ist das Geld zusammen, dann sind einige Entscheidungen zu treffen. Der Programm-Code regelt dabei, was wie abgestimmt werden kann. Im Falle der Strom DAO ist die erste Abstimmung die Auswahl eines White-Label-Anbieters. Da in einer Blockchain jeder mitbekommt, welche Transaktionen ausgeführt wurden, ist auch klar, dass nach der Abstimmung genau ein Anbieter gewählt wurde und einige Zeit später der neue Stromtarif existiert. Doch auch nach der Überwindung der Anfangshürde „Setupkosten“ sind Entscheidungen notwendig. Wie viel Marge soll auf den Tarif aufgeschlagen werden? Sollen auch Personen den Tarif nutzen können, die  nicht investiert haben? Welchen Namen gibt man dem Stromangebot?

Der Programm-Code wacht über die gesamte Lebzeit darüber, dass nur nach einem Mehrheitsbeschluss die Gelder freigegeben werden. Dies ist gleichzeitig eine Stärke, aber auch eine Schwäche des Konstrukt einer DAO.

 Was ist die Strom DAO?

  • Eine Art Interessengemeinschaft
  • Ein Regelwerk, welches auf Programm-Code aufgebaut ist
  • Eine Art Investition mit Zweckbindung
  • Eine Einkaufsgemeinschaft für Stromkunden

Erst wenn hierüber durch eine Gruppe von Personen ein Markt-Konsens hergestellt wurde, kann man mit der eigentlichen Innovation beginnen. Denkbar sind hierbei sehr viele unterschiedliche Richtungen von der Einbindung der Smart-Meter zur Realisierung von sogenannten Arbitrage-Geschäften zwischen Standardlastprofil des Verteilnetzbetreibers und Zählerstandsgang des Kunden. Oder die Umwandlung von Stimmrechten in verbrauchte Kilo-Watt-Stunden, oder Peer-2-Peer Bilanzierung in der Blockchain.

Die StromDAO hat übrigens die Vertragsaddress 0x683C53084d997e6056C555F85F031f8317E26c2B in der öffentlichen Ethereum Blockchain.

Zum Abschluss die Schritte um mitzumachen:

  • Entweder eine WebWallet oder Client Wallet (empfohlen) einrichten.
  • „Ether“ erwerben (zum Beispiel bei CEX.IO) oder in der Client Wallets Bitcoins gegen Ether tauschen
  • Gewünschten Betrag an die Strom DAO senden.
  • Nach Bestätigung (ca. 1 Minute) erhält man die Tokens (Stimmrechte) gutgeschrieben.

Da die Stimmrechte eindeutig sind, steigt deren nomineller Wert, wenn die Strom DAO erfolgreich wirtschaftet. Sie Stimmrechte können beliebig transferiert werden und verbriefen (per Programm Code) die Eigentümerschaft an der Strom DAO.

Den Beitrag "Strom DAO - Einfach(er) erklärt offline Lesen:

4 Gedanken zu “Strom DAO – Einfach(er) erklärt

  1. Tolle Idee!
    Hier noch ein paar Anmerkungen/ Fragen:
    1. Wie richtig angemerkt wurde, gibt es bereits sehr viele Stromanbieter (Nutzer einer White-Label-Lösung). Bereits existierende Firmen werden zum Stromanbieter weil sie einen Kanal zum Kunden haben. Sat1 hat eine starke Marke und kann billig auf dem eigenen TV-Sender werben, die AVR hat bereits alle Zahlungsinformationen ihrer Kunden usw.
    Ein neu gegründeter Stromanbieter hätte all diese Vorteile nicht. Es würde nichts anderes übrig bleiben als über den Preis zu konkurieren. USP wäre wahrscheinlich: „Niedriger Preis weil Genossenschaft“

    2. Wer hat den Code des Smart Contracts geschrieben? Wer hat ihn getestet/auditiert? (Ausgiebiges Testen ist wichtig. Siehe TheDAO)

    3. Wer genau ist der „Single Director“ und wie wird dieser bestimmt?

    4. Wer führt nach einer Abstimmung die Aktionen (z.B. Vertragsabschluss mit White-Label-Anbieter) aus? Wird derjenige dafür kompensiert?

    Antworten
    • Zunächst: Alle Anmerkungen würden in einer ausführlichen Antwort einen eigenen Post füllen, was auch kommen wird.

      Zu 1. – Wenn man davon ausgeht, dass man 10.000 Investoren mit je 1€ hat, dann wird das plötzlich sehr rentabel (oder Genossen), denn man muss die Marke letztendlich nicht mehr zahlen. Der Preis allein ist aber ein schlechter USP – der Mehrwert kommt, wenn man mit Anteilen (Stimmrechten) gegen KWh Verbrauch tauschen kann.

      Zu 2. :) Sehr richtig! Zunächst ist überhaupt einmal wichtig, dass der Smart Contract Code verfügbar sein muss! Dann gibt es aktuell nur wenig Ressourcen um eine Validierung durchzuführen. Hier muss auf jeden Fall noch etwas Wasser den Rhein hinunter, bis es eine wirkliche Zertifizierung geben kann.

      Zu 3. Persönlich mag ich das Konzept bei der DAO hier nicht, da es für einen Fonds passt – aber nicht für die Rolle eines Geschäftsführers. Aber bin hier gerne für Vorschläge offen. Im aktuellen Code gibt es allerdings einen Dead-Man-Switch, der verhindert, dass der GF in Untätigkeit versinkt.

      Zu 4. Der Geschäftsführer, welcher die Mittel dazu (inkl. Komensierung) nur nach Freigabe/Abstimmung erhält.Er ist also relativ machtlos, wenn es nicht zu einer Stimmenmehrheit kommt. Die Vorschläge müssen entsprechend ausgearbeitet sein und ein Basisvertrauen bestehen (nicht anonym…). Hieraus leiden sich allerdings etliche juristische Fallstricke ab….

      Antworten
  2. Ein interessantes und ehrgeiziges Project. Ich bin starker Befürworter von Blockchain und DAOs (digitalisiere Genossenschaft?) jedoch ist es wichtig immer einen ‚reality check’ zu unternehmen.
    Nach dem theDAO Debakel ist klar geworden wie Komplex die Thematik DOA ist und das es viele Schnittstellen zur bestehenden Gesetzgebung gibt (DAO ist vielleicht autonom aber nicht autark, auch wenn sich das die Developer wünschen), da gibt es noch viele Fragen zu beantworten.
    Smart Contracts sind ja selber noch nicht ganz ausgereift und eine DAO besteht ja aus einer Vielzahl von smart contracts). Ich denke eine möglicher evolutionärer Ansatz ist zunächst einige Geschäftesprozesse einer bestehnden oder neu gegründeten herkömmlichen Genossenschaft auf die blockchain zu übertragen und dann sukzessive auszuweiten. Bei dem fundraising oder der Organisation der Mitsprache der Einzelnen Anteilseigner bietet sich die Anwendung der Blockchain an.
    Während DOA’s den Vorteil haben das sie nicht manipulierbar sind, ist das Problem das hard-coded Prozesse unflexibel sind und bei unvorhergesehenen Ereignissen immer menschliches Eingreifen erforderlich machen.

    Hier gilt es also Vor-und Nachteile abzuwägen. Bevor ich mich an das coden mache würde ich also herausarbeiten ob es einen Business Case für die StromDAO gibt und wie der ROI der Investoren (Tokenkäufer) aussehen könnte. Welchen Mehrwert erzeugt die Strom DOA, wenn aller Tätigkeiten von white label Firmen übernommen werden? (USP und Preis sind ja schon angesprochen worden. Übrigens gibt es auch schon bereits eine whitelabelDAO (https://wings.ai/)
    Bin gespannt auf mehr Informationen.

    Antworten
    • Hallo Rex,

      wings.ai hatte ich mir auch bereits angeschaut, muss aber gestehen, dass ich das Anlegen einer DAO nicht gefunden hatte.

      Hinsichtlich des Geschäftsmodell ist der Witz, dass es eigentlich kein wirkliches gibt, da hierfür eine Gewinnerzielungsabsicht notwendig sein würde. So wie ich das Modell aktuell sehe, würden TokenOwner häufig auch Kunden sein. Vergleichbar mit einer Genossenschaft, bei der ein gemeinsames Objekt geteilt genutzt wird (Mähdrescher) – hier ist es der Stromtarif.

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