Kurz nach dem größten Hack auf The DAO, bei dem zunächst einmal 50 Millionen US-Dollar den Besitzer gewechselt haben, über die Idee einer Gründung mittels Smart Contract zu schreiben, ist schwierig – aber wichtig! Zunächst ist, was bei The DAO passiert ist legal und lediglich die Ausführung des Programm Codes, welcher nun mal den „Vertrag“ ausmacht. Wichtiger ist es jetzt, dass Entwickler von Smart Contracts mehr kommunizieren, was sie eigentlich vorhaben; dokumentieren und die Anwender abholen.

In diesem Beitrag soll es darum gehen, wie man theoretisch und praktisch einen neuen Stromanbieter schaffen kann. Wie sich jeder daran beteiligen kann und wie eine Blockchain Technologie dabei hilft.

Stromanbieter gibt es wie Sand am Mehr. Ende 2016 hatte Metropolsolar in Kooperation mit den Bürgerwerken ein Produkt auf den Markt gebracht. Die Abfall-Versorgung-Rhein-Neckar (AVR) hat ein Stromangebot. Der Mineralölgigant Shell liefert auch Elektrizität und SAT.1 gibt seinen Namen für LifeStrom her.   Eine Liste von verschiedensten Akteuren, die eigentlich eine Marke und ein Produkt schaffen, um dieses unter einer Dachmarke besser an die Kunden zu bekommen.

Leistung des Stromanbieters

Die meisten neu auf dem Markt erscheinenden Stromanbieter nutzen im Hintergrund einen Dienstleister, welcher die eigentliche Arbeit für sie macht. Sogenannte White-Label-Anbieter kümmern sich um die eigentlichen Stromkunden, Wechselprozesse, Buchhaltung und Kundenservice. Der Kunde merkt davon eigentlich nichts, denn er telefoniert mit seinem Stromanbieter. Das Stadtwerk, der TV-Sender oder sonstiges Konstrukt, welches seinen Markennamen für das Stromprodukt hergibt, hat zunächst einmal nichts mit dem Kunden direkt zu tun.

Gerade kleinere Stadtwerke setzen auf White-Label-Anbieter, die in ihrem Auftrag das gesamte Privatkundengeschäft durchführen. Werbung für neue Kunden bleibt jedoch beim Anbieter selbst. So kommt es, dass SAT 1 einiges seiner Sendezeit opfert und die AVR ihre Müllautos mit Werbung versieht.

Kosten des Stromanbieters

Schaut man sich bei Google etwas um, dann findet man schnell Angebote von White-Label Anbietern, die für einen Preis von unter 10.000€ das Stromprodukt anbieten. Der Preis, der vom Endkunden bezahlt wird, ist jedoch etwas höher, da der Markenaufbau und vor allem die Werbung wieder einspielt werden soll.

Die Beauftragung eines White-Label-Anbieters erlaubt es im Rahmen des extrem regulierten Strommarktes mikroskopische Eingriffe in das Produkt vorzunehmen. Stand heute kommt man so nicht um das Standardlastprofil herum. EEG-Umlage und andere Nebenkosten sind genauso abzuführen, wie bei allen anderen Stromanbietern auch. Dennoch besteht Gestaltungsspielraum, wie man auf der Kundenseite abrechnet.

Die Idee – Strom DAO

Zunächst muss eine Finanzierung stehen, welche man üblicherweise über ein CrowdFunding durchführt. Hierfür gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, damit dies anonym und (trotz The DAO Hack) sicher durchgeführt werden kann. Was hier bei blog.stromhaltig immer etwas bei klassischem CrowdFunding gestört hat, ist zum einen das feste Ende des Fundings zum anderen das der Empfänger letztendlich mit dem Geld machen kann, was er will.   Im Smart Contract der Strom DAO sind daher zwei Mechanismen vorgesehen: Keine Ausgaben ohne Abstimmung und über die Zeit des Fundings kann jeder selbst bestimmen, wie lange er dabei bleibt (in gewissen Grenzen).  Mehr über die einzelnen Mechanismen kommen in einem Folgebeitrag.

Wurde die Finanzierung geschafft, so kann ein White-Label-Anbieter ausgesucht werden. Entsprechend der Einlagen können die Investoren abstimmen, wie sie auch über jede folgende Ausgabe abstimmen können. So könnte über ein Werbeetat, oder einen Rabatt für Investoren abgestimmt werden. Denkbar ist, dass einige Investoren lieber selbst günstigen Strom beziehen wollen und dafür den Endkundenpreis erhöhen… – andere würden lieber viele Endkunden haben und daher einen niedrigen Strompreis auch für Nicht-Investoren. Egal wie, es bedarf einer demokratischen Abstimmung.

Auf Grund der Art, wie in einer Blockchain mit Assets verfahren wird (Tokens, die tauschbar sind) kann über den Trick des Rückkaufs von Token durch die Strom DAO einen Teil der Stromrechnung beglichen werden. Quasi ein Tausch Stimmrechte gegen Kilo-Watt-Stunden.  Langfristig sogar eine Möglichkeit die Strom DAO vollständig ohne Fremdkapital der Investoren zu betreiben.

Let’s do it…

Es gibt noch sehr viel, was man in einer Einleitung noch schreiben könnte.  Der Smart-Contract für die Schaffung einer Strom DAO ist in der öffentlichen Etherum Blockchain eingestellt. Wird an die Adresse 0x683c53084d997e6056c555f85f031f8317e26c2b ein Ether Betrag gesendet, so erhält man im Gegenzug Stimmrechte (=“Tokens“). Den Quellcode (inkl. ABI Interface für MIST-Wallet) gibt es bei GIST.

Stimmrechte per Kreditkarte oder Banküberweisung zu kaufen ist angedacht, wird aber erst noch fertig implementiert.

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Veröffentlicht von Thorsten Zoerner

Seit dem Jahr 2007 beschäftige ich mich mit den Themen Stromnetz und Strommarkt. Parallel dazu entstand ein Blog, um Informationen zu den jeweiligen Themen bereitzustellen. Er ist unter blog.stromhaltig.de zu finden. Über das Thema Energiewirtschaft habe ich bislang drei Bücher veröffentlicht. In meinem 2014 erschienenen Buch zum Hybridstrommarkt beschreibe ich ein Marktdesign, das in Deutschland in das Gesetzespaket Strommarkt 2.0 aufgenommen wurde. Hierbei werden zwei Technologien des Strombezugs vereint: der Hausanschluss mit Bezug bei einem klassischen Stromanbieter und einen alternativen Bezug von erneuerbaren Energien. Die wirtschaftlichen Vorteile für ein solches Marktdesign sind erwiesen. Auch die Digitalisierung beeinflusst die Energiewirtschaft von morgen. Daher habe ich mich intensiv mit dem Thema Blockchain Technologie befasst. Blockchain ist eine Technologie, die den Austausch und die Dokumentation von Daten vereinfachen kann. Daher kann diese Technologie mithilfe der digitalen Möglichkeiten das heutige Energiesystem revolutionieren. Denn damit ist eine automatische Abgleichung von Energieerzeugung und Energieverbrauch möglich. Um zukünftige Herausforderungen und Chancen mitgestalten zu können, habe ich 2017 die Firma STROMDAO gegründet. Dort bin ich Geschäftsführer und möchte dafür sorgen, dass mithilfe der Blockchain Technologie und dem Hybridstrommarkt eine digitale Infrastruktur für die Energiewirtschaft der Zukunft aufgebaut wird. Der STROMDAO Mechanismus zur Konsensfindung für den Energiemarkt unterstützt dabei die Marktkommunikation aller beteiligten Akteure.

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