„Nach einer vorläufigen Auswertung der Stromdaten durch Agora Energiewende haben Photovoltaik, Windkraft, Biomasse und Wasserkraft dank der Wetterbedingungen einen neuen Rekord aufgestellt und 95 Prozent des Energieverbrauchs um 11 Uhr gedeckt.“

so das PV-Magazine

Große zahlen, die einladen einen etwas genaueren Blick zu riskieren, besonders wenn der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) davon ausgeht, dass Braunkohlekraftwerke 24 Cent je Kilo-Watt-Stunde als Entsorgungsgebühr bezahlt haben.

Die zuverlässigste Quelle für Daten ist ENTSOe, aufbereitet für den Muttertag 2016 werden dort 53% Strom aus Erneuerbaren gemeldet. Bei Agora Energiewende bezieht man sich allerdings lediglich auf den Zeitpunkt 11 Uhr, bei dem es zu der 95% Versorgung aus Erneuerbaren gekommen ist.

Erzeugung um 11 Uhr am 08.05.2016 (Quelle: ENTSOe). Diese Zahlen geben zunächst die Erzeugung in Deutschland an.  Die Aussage von Agora Energiewende bezieht sich jedoch auf den Verbrauch, welcher von den Netzbetreibern mit 54595 MW angegeben wird.

Energieträger MW Anteil (Erzeugung) EE Anteil (Verbrauch)
Biomasse 4614 7% 8,5%
Braunkohle 6637 10,3%
Schiefergas 571 0,9%
Erdgas 762 1,1%
Steinkohle 746 1%
Öl 133 0,2%
Geothermie 3 0% 0%

Pumpspeicher

-4390 -6%
Laufwasser 4018 6,2% 7,3%
Kernenergie 5519 8,6%
Gemischt/Andere (fossil) 3647 5,6%
Gemischt/Andere (EE) 114 0,2% 0,2%
Photovoltaik (Sonne) 23968 37% 43,9%
Abfall 207 0,3%
Wind (Offshore) 1969 3% 3,6%
Wind (Onshore) 16273 25,1% 29,8%
Gesamt 64737 100% 93,3%

Die fehlenden 1,5 Prozent lassen wir mal als Rundungsfehler stehen…

Man kann aus diesen Zahlen zumindest schon einmal lernen, dass die bestehenden Netze in der Lage sind mit einem hohen Anteil von Strom aus Erneuerbaren umzugehen.

Mit der Kernaussage, dass der Strommarkt nicht für solch einen hohen Anteil an Erneuerbaren geschaffen ist, stimmt man hier noch überein. Aber im Bezug auf die am Muttertag entstandenen negativen Strompreise am Spotmarkt ist folgende Aussage optimierungsbedürftig:

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) macht dafür das unflexible Strommarktdesign verantwortlich. „In der Spitze zahlten Betreiber von Braunkohlekraftwerken 24 Cent pro Kilowattstunde Strom, um ihn ins Netz zu entsorgen. Dieses Bild wiederholt sich jedes Frühjahr um Pfingsten, wenn unflexibler Strom aus Braunkohlemeilern die Netze verstopfen“, heißt es beim Verband. Gerade an Wochenenden oder Feiertagen, wenn der industrielle Stromverbrauch fehle, würden die Kraftwerke nur mit minimaler Besatzung betrieben und könnten nicht adäquat heruntergefahren werden. „Es steht zu erwarten, dass sich dieses Szenario am kommenden Pfingst-Wochenende wiederholt“, erklärte BEE-Geschäftsführer Hermann Falk.

Ich stell mir jetzt einfach mal vor, dass ich ein Kraftwerk betreiben würde.  Im Jahre 2014 habe ich einen Liefervertrag mit einem Kunden abgeschlossen,  für den Muttertag 2016. Der Kunde hat meine Rechnung bereits beglichen, warum sollte ich jetzt mein Kraftwerk runterfahren? Dürfte ich dies überhaupt? Ohne Ersatzbeschaffung wohl eher nicht.

Kein einziger Betreiber hat sein Kraftwerk abgemeldet (Ungeplante Nichtverfügbarkeit) und den günstigen Strom am Spotmarkt eingekauft.

Lediglich einen Redispatch im genannten Zeitraum melden die Netzbetreiber:

08.05.2016;06:30;08.05.2016;20:00;RZ TenneT DE;Spannungsbedingter Redispatch;Wirkleistungseinspeisung erhöhen;40;40;540;TenneT DE;TenneT DE;Reservekraftwerk Ingolstadt 4;

Entschuldigung, aber wenn der Muttertag 2016 eine Meldung wert ist, dann nur, dass es manchmal anders kommt, als man denkt.

Den Beitrag "Muttertag und seine Rekorde offline Lesen:

5 Gedanken zu “Muttertag und seine Rekorde

  1. Zuerst herzlichen Dank für diese genaue Grundinfo zur Stromversorgungslage am 08.05. mit bedeutendem EE-Anteil:
    Entschuldigung, aber, wenn Muttertag-EE-Anteil eine Meldung wert ist, ist es die organisierte Spotmarktbörsenpreisausnutzung auf Grund dieser dringend zu verbessernden Stromverkaufsregel zu sein, die seit der AusgkeuichsmechanismusVerordnung 2009 einen Zwangsverkauf von EE am Spotmarkt aufzwingt statt dem preisstabilisierenden und regional direkt wirksamen Direktwälzen an Vorortnetzbetreiber vorher, das nach einem Konzept von Daniel Hölder verbessert hätte werden können + müssen. Hier:

    Doch auch direkt noch zu ihrem spannenden Nebensatz zu – Kein einziger Betreiber hat sein Kraftwerk abgemeldet (Ungeplante Nichtverfügbarkeit)- … -und den günstigen Strom am Spotmarkt eingekauft.- (Sie meinen hier die Negativpreise an der Börse. Günstiger (als in deer EU sonst) ist der Preis dort ohnehin, vor allem wegen des FEE-zwangsverkaufs am Spotmarkt, was auch die EEG-Umlage hochtreibt. / TBK)

    Stromhändler bzw. konventionelle Erzeuger hatten also am Stromverkaufvorverkauf der terminbörse oder direkt vorher verdient und nun noch mit Negativpreisen dazu.
    Aber dann wäre das ja mehr als 100% geworden. Helfen Sie mir bitte das zu verstehen, Herr Zoerner?

    Das klingt auch nach typischen Strommarktmanipulationen, die am Ende auch völlig unsachgemäß die Haushaltsstrompreise für Extragewinne von Börsenhändlern hochtreiben.
    Wieso wird dieses Tabuthema der Bundesregierung nicht endlich deutlich vor die Nase gehalten? Gerade auch jetzt, wo neuerliche Verunstaltung des EEG vor der Regierungsverabschiedung steht.

    Tomas Biermann-Kojnov
    Vereinsvorsitzender SunOn Sonnenkraftwerke Lüneburg e. V.

    Antworten
  2. Da freut man sich, wenn man noch so tolle Nachrichten findet! Vielen Dank für den sehr interessanten Artikel.

    Vielleicht fungiert dieser Artikel nicht nur als gute Nachricht, sondern auch als eine Art Motivation oder Ansporn für andere Leute sich über erneuerbaren Energie Gedanken zu machen. Sich zu informieren, was alles möglich ist und welche Chancen sich ergeben. Und warum an unbedingt auf erneuerbaren Energiequellen umsteigen sollte!
    Es ist möglich ein Großteil des Energiebedarfs mittel Windkraftanlagen, Photovoltaikanlagen usw. abzudecken. Das ist eine tolle Erkenntnis.

    Ich habe schon lange meinen Stromanbieter gewechselt, und beziehe nun Ökostrom, denn mir ist die Zukunft unseres Planeten sehr wichtig, und finde, dass durch erneuerbaren Energien der Welt viel geholfen werden kann.

    Für viele Mütter war der Muttertag dieses Jahr bestimmt schön, aufgrund des guten Wetters in ganz Deutschland. Aber hätten sie gewusst, dass am diesen Tag Rekorde aufgestellt wurden hätte das die Laune bestimmt nochmals steigern können!

    Viele Grüße!

    Antworten
  3. Wenn ich als Braunkohlenmeilerbetrieber letztes Jahr meine gesamte Stromproduktion für den Muttertag verkauft habe, dann schaue ich 3 Tage vorher nochmal auf die Windprognosen und sofern viel Wind angesagt ist und wenn der Preis stimmt (aka unter meinem VK vom letzten Jahr ist!), kaufe ich so viel (andere) Strom (-Kontrakte)ein, bis ich meine Lieferverpflichtungen auch mit „Fremdstrom“ bedienen kann. Das geht problemlos so weit, bis ich mein Meiler bis an der Minimalleistung „freigekauft“ habe. An dem Punkt wird es dann spannend, kann ich noch weiter günstigen Strom kaufen, um den Meiler ganz abzuschalten oder bleibe ich dann auf dem zugekauften Strom sitzen, weil ich noch einen kleinen Rest aus dem Meiler liefern muss, aber wegen der Minimalleistung eben mehr produzieren muss, als ich los werden. Doof, dass die Braunkohlemeielr i.a. mit mindesten 50% der Maximalleistung laufen müssen …
    Aber wenn ich Vattenfall oder RWE bin, dann hab ich das Glück gleich ein halbes Dutzend oder mehr Meiler zu haben, womit ich dann eben Teillast- und Abschaltungen passend Zusammenmixen kann…
    Und ziemlich genau so verfahre ich 24 Stunden vorher noch bei den Sonnenstromprojektionen …

    Also hohe EE-Einspeisung ist überhaupt kein Problem, ebenso wenig wie lange vorher verkaufter Strom irgendein Problem darstellt!

    Das Problem kommt im Anschluss … bringe ich meine Meiler schnell genug wieder auf Leistung? Kaltstart mit 3 Tagen Anlaufzeit taugt nicht dazu, meine Meiler zwischen 15 und 19 Uhr, wenn diese 43,9% Sonnenstrom zunehmend hinterm Horizont verschwinden, schnell genug wieder ans Netz zu bringen. Nur Warmstart ist denkbar, das bedeutet aber, dass während der Mittagssonne der Meiler weiter mit Kohle befeuert werden muss und das kostet …

    Wenn man solche Öfen aus macht, dann macht man das für Wochen oder gar Monate … aber so lange im Voraus kann keiner keiner Preise unter dem Niveau von „Braunkohlestrompreisen“ bieten, solche Preise entstehen allenfalls aufgrund der EE-Prognosen, also für bestensfalls 3 Tage im voraus.

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