Fährt man auf der A6 von Mannheim nach Nürnberg, so kommt man nach der Concorde in Sinsheim auch am Heizkraftwerk Heilbronn vorbei. Mit einer elektrischen Leistung von 750 MW ist der Block 7 aus dem Jahre 1986 der größte Stromerzeuger des Kraftwerks. Am Ostermontag wurde dieses Kraftwerk ungeplant vom Netz genommen, nach dem geplanten Wiederanfahren am vergangenen Mittwoch wurde das Kraftwerk erneut vom Netz genommen.

Zur Sicherung der Stromversorgung ist es wichtig, dass man die Eintrittswahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses genau kennt. Versorgsungssicherheit existiert nur dann, wenn bei ungeplanten Ereignissen andere Erzeuger in der Lage sind sofort und unmittelbar einzuspringen und die ausgefallenen Kapazitäten zu ersetzen.

Nach Angabe des Betreibers EnBW ist in Heilbronn am Ostermontag ein Kesselschaden aufgetreten, welcher zu einer Undichtigkeit im Leitungssystem führte. Bis zum Mittwoch des 30.03.2016 wurde der Schaden behoben, jedoch stellte man beim Hochfahren der Anlage fest, dass ein weiterer Schaden existiert – das Hochfahren abgebrochen – und zunächst dieser Schaden behoben. Am Donnerstag wurde die Anlage dann erneut hochgefahren und der Block 7 ist seither wieder im regulären Betrieb.

Stromhändler kaufen für die Verbraucher den benötigten Strom ein, wodurch der Bedarf zu jedem Zeitpunkt bestimmt wird. Anbieter sind die Betreiber von Erzeugungsanlagen. Kann in einer Anlage aus irgend einem Grund (zum Beispiel Kesselschaden) nicht die verkaufte Strommenge eingespeist werden, so ist der Betreiber verpflichtet einen Ersatz zu schaffen. Hier wird von Ausgleichenergie gesprochen, die der Betreiber ebenfalls am Strommarkt beschafft. Kommt es bei einem konventionellen Kraftwerk (Braunkohle, Steinkohle, Kernenergie,…) zu einer Beeinträchtigung der Liefermengen, so sind die Betreiber durch die REMIT-Verordnung verpflichtet eine Urgent Market Message zu senden. Eine Mitteilung an alle Teilnehmer des Marktes, dass eine Veränderung des Angebotes stattgefunden hat, welche den Markt und den Strompreis verändern könnte. Zusätzlich zur Meldung muss der Kraftwerksbetreiber eine Ersatzbeschaffung vornehmen.

Für den 30.03.2016 wurden vom Markt eine Vorhaltung von 6.608 MW an Kapazitäten bei Steinkohlekraftwerken gefordert, welche um 778 MW durch eine ungeplante Nichtverfügbarkeit des Heilbronner Block 7 beeinträchtigt wurde. Dieser Einzelfall betraf somit 11,77% der geplanten Kapazitäten aus Steinkohle. Durch die Ersatzbeschaffung des Betreibers werden die 11,77% von anderen Stromerzeugern abgefangen, so dass die Nachfrage nach Strom befriedigt werden kann.

Gerade bei den konventionellen Kraftwerken kommt es sehr häufig vor, dass ein einzelner Ausfall zu einer Minderleistung im zweistelligen Prozentbereich des Brennstofftypus führt. Um solche Schwankungen abzufangen wird ein sofort funktionierender Strommarkt benötigt.

Sowohl die Betreiber konventioneller Kraftwerke, als auch die Betreiber der Wind/Sonnenkraftwerke, verkaufen ihre Strommengen und gehen damit Lieferzusagen ein. Damit diese Lieferzusagen erfüllt werden können, sind Abweichungen von der geplanten Lieferung durch die jeweiligen Betreiber auszugleichen. Dies geschieht (meist) über den Handel an der Börse.

Relevant ist der Stromhandel an der EPEX-Spot, einem Spotmarkt, bei dem auch ein untertägiger Handel möglich ist. Vor der Stromerzeugung aus Erneuerbaren mussten über einen Spotmarkt lediglich die Planabweichungen nach unten (geplante Strommenge kann nicht zum zugesagten Zeitpunkt verkauft werden) gehandelt werden. Mit der Stromerzeugung aus Erneuerbaren gibt es jetzt auch Zeiten, bei denen viele Anbieter über Plan einspeisen und diese zusätzlichen Strommengen verkaufen müssen.

Zur Zeit entsteht ein dynamischer Beitrag, welcher die Auswirkungen der aktuellsten REMIT-Meldungen untersucht. Fest steht jedoch bereits jetzt, dass der Stromhandel ein deutlich größere Bedeutung für die Versorgungssicherheit hat, als bislang angenommen. Hätte es am 31.03. einen zeitgleichen Ausfall von 4-6 Erzeugungsanlagen gegeben, dann hätte der Strombedarf nicht mehr gedeckt werden können. Eine schnell verfügbare Netzreserve ist hier die einzige Abhilfe.

 

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