Einer der großen Vorteile von Blogs ist es, dass man einen Diskurs offen austragen kann und andere Leser mit ins Boot holen kann. So geschehen als Reaktion auf die Aufforderung das Erneuerbaren Energie Gesetz (EEG) abzuschaffen hier im Blog durch Kilian Rüfer in seinem Beitrag EEG abschaffen? Über Timing und Murks.

Die Realität wird ohnehin anders aussehen, da freier Markt eine Illusion ist und in der Ausprägung des Strommarktes auch noch in einigen hundert Jahren die Agnostiker beschäftigen wird. Um noch etwas weiter in die Philosophie abzutauchen zwei Axiome:

  • So wie es heute ist, wird es morgen nicht sein. Übermorgen wird es nicht so sein, wie es morgen gewesen ist.
  • Strommarkt ist die gesamte Ökonomie von der Erzeugung bis zum Verbrauch. Der Empfänger eines jeden Cents, den der Stromkunde zahlt. Aber auch jeder Geldfluss, der aus anderen Quellen (Steuergeldern, Ablasshandel, Emissionsgeschäfte, Korruption, etc… ) kommt und indirekt Einfluss auf den Strommarkt nimmt.

EEG ist lediglich ein Werkzeug der Regulierung.  Von Seiten der Technologie sind wir soweit, dass sich die Erneuerbaren durch geringe Brennstoffkosten nachhaltig rechnen. Nachhaltig, da sie keine Kosten verursachen, wenn sie einfach nur da stehen und nichts tun. Wenn sie etwas tuen, aber sofort einen positiven Ertrag bringen. Am Anfang stehen Investitionskosten (CAPEX) der laufende Betrieb hat kaum Kosen (OPEX) – ein entscheidender wirtschaftlicher Vorteil, der die fossilen in echte Bedrängnis bringt (weiterlesen…).

Marktreife

Der ursprüngliche Sinn des EEGs war es, die Technologie zu einer Marktreife zu führen. Die Reife ist erreicht, wenn es darum geht diese Technologie aufzubauen. Jeder Hausbesitzer kann mit wenig Aufwand eine PV-Anlage montiert bekommen, die „Industrialisierung“ ist hier perfekt vom Standardformular für die Anmeldung beim Netzbetreiber bis zu Vergleichsportale für Dienstleister. Die Prozesse sind vorhanden, die es für eine Marktreife bedarf. Biomasse, Windkraft und selbst Micro-Block-Heizkraftwerke können von der Stange  umgesetzt werden. Keine Reife ist beim Markt selbst vorhanden. Parallel zum Ausbau der Erneuerbaren hatten gerade deren Gegner versucht einen Markteintritt zu verhindern. Fair ist, wenn der Stromkunden mit seinem Strom für die Anlagen bezahlt, doch diese Verlinkung existiert bis heute nur unzureichend. Der Stromkunde bezahlt irgend etwas, bekommt etwas anderes geliefert und der Erbauer einer Anlage sieht davon wieder etwas anderes.

Denken in Extremen

Wenn alle Stromkunden in Deutschland einen Ökostromtarif hätten, was würde dann passieren? Würde der Markt funktionieren, dann würden die Besitzer einer Anlage mehr Geld bekommen. Dies ist jedoch nicht der Fall (bzw. nicht direkt). Verhindert wird dies unter anderem durch eine der Veränderungen des EEGs.

Faires EEG

Durch den aktuell niedrigen Strompreis an der Börse schädigen sich die Erneuerbaren selbst. Müssten die anfänglichen Kosten gedeckt werden, so käme man (je nach Studie, Art der Anlage,…) auf Gestehungskosten von 5-10 Cent je Kilo-Watt Stunde. Verkauft wird der Strom am 27.04. allerdings für knapp 3 Cent.  Die fehlenden Cent zahlt der Stromkunde über seine Umlage, was erst einmal eine gute Anschubhilfe gewesen ist, jedoch mittlerweile etwas groteske Züge angenommen hat, die vor allem eins sind: teuer und klimaschädlich.

Man kann auch hier ein Extrem bauen: Der Händler, der den gesamten EE-Strom „bestens“ verkauft, wird immer den günstigsten Preis erzielen. Wer schon einmal mit Aktien gehandelt hat, weiß dass man eigentlich immer ein Limit setzt. Würde der Händler an einem Tag gesagt bekommen, dass er den EE-Strom nur verkaufen darf, wenn er mindestens 5 Cent bekommt, dann würde etwas sehr spannendes passieren. Viele konventionellen Kraftwerke müssten liefern, was sie nicht können. Sie würden zwar auch mehr Geld einnehmen, jedoch benötigen sie dieses auch um die Brennstoffkosten zu bezahlen. Für EE-Anbieter ist jeder Cent hingegen reine Einnahme. Dank des industrialisierten  Zubaus können sehr schnell neue EE-Anlagen errichtet werden, die sich von Tag 0 (ohne EEG) rechnen.

Externe Faktoren

Klimaschutz (via Emissionshandel), Netzausbau (via Netzentgelte) – es gibt sehr viele Faktoren, die eine indirekte Wirkung auf den Strompreis haben. Ich schließe mich hier der Meinung von Kilian an, dass hier einiges geschehen muss, wenn man eine echte Diskriminierungsfreiheit erreichen will. In den vielen kleinen Einzelteilen der Stromrechnung eines Ökostromkunden fließt zuviel Geld an Stellen, die nun überhaupt nichts mit Öko zu tun haben.

RESET

Was es eigentlich bedarf ist ein vollständiger Reset des Systems. Ein grundlegend neuer Aufbau der Geldverteilung nach der Stromrechnung. Einige Think Tanks arbeiten bereits an solchen Technologien zum Beispiel basierend auf die Blockchain Technologie. Der Strommarkt in Deutschland funktioniert heute nur, da der Zwergenverband BDEW unter seinen Mitgliedern die Prozesse definiert und kontrolliert. Prozesse im Strommarkt sind letztendlich nichts anderes wie ein gegensätzliches Vertrauen der Marktpartner über die Einhaltung bestimmter Verfahren. Kann dieses Vertrauen allerdings auch ohne das Dach eines Verbandes hergestellt werden, dann kollabiert das System an seiner eigenen Ineffizienz. Eine Blockchain Technologie  erlaubt genau dies: Die Teilnahme an Prozessen ohne dem Partner vertrauen zu müssen. Prozesse sind hier elementare Wertschöpfung oder in Euro ausgedrückt die Differenz zwischen dem Börsenpreis und dem Netto-Stromkundenpreis.

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