Bereits viele Jahre regelt das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (Wikipedia), dass beim Neubau oder der Sanierung von Wohnraum auch ein Anteil an Energie aus Erneuerbaren Quellen stammen muss. Um die Auflagen zu erfüllen greifen viele Häuslebauer zur scheinbar günstigsten Lösung, der Solarthermie. Per Kollektoren auf dem Dach wird das Nutzwasser des Hauses erwärmt. Glaubt der aktuellen Pressemeldung des BDEW zum Thema Stromverbrauch und Sparpotentiale, so ist eine Solarthermieanlage aktuell nicht rentabel.

In der Mitteilung des Lobbyverbandes der Stromer wird erklärt:

 „Jeder Deutsche verbraucht jährlich im Schnitt 1.400 kWh Strom. Wird das warme Wasser in Bad und Küche elektrisch erhitzt, erhöht sich der Verbrauch um 27 Prozent oder 400 kWh. Das trifft auf rund ein Viertel aller Haushalte in Deutschland zu.“

Eine Solarthermieanlage mit Speicher, Steuerung und Zusatzgeräten kostet ohne Montage bei Amazon 3.500€. Dieses Set ist konzipiert für einen 2-3 Personen Haushalt und wird nicht den gesamten Warmwasserbedarf in Bad und Küche decken. Eine Restmenge wird durch eine andere Technik bereitgestellt werden müssen.

Bei 3 Personen müssen laut BDEW 1.200 KWh pro Jahr gerechnet werden, die mit der Alternative einer stromgeführten Brauchwassererwärmung ersetzt werden. Setzt man einen Strompreis von 0,25€ je KWh an, so kommt man auf eine maximale jährliche Einsparung  von 300€ oder einer Amortisierung innerhalb von  11,66 Jahren. Da freut es, dass die Hersteller von Solarthermieanlagen in ihren Anzeigen schreiben, dass diese Anlagen eine nahezu  unbegrenzte Lebensdauer haben.

Dank einer Förderung durch die BAFA kann der Käufer 2.000€ erlassen bekommen. 1.500€ / 300€ = 5 Jahre bis sich die Anlage trotz Subvention rechnet.

Deutlich weniger wie 300€ im Jahr sparen die 200 Haushalte eines Praxistestes für Power-To-Heat ein. Hierbei wird der Umweg über Photovoltaik genommen, um daraus Strom für die Brauchwassererwärmung zu erhalten. Im Blog von Frank wird das Einsparpotential für dieses Lösung und der Aufbau gezeigt:

Demnach betrugen die Erlöse aus Regelenergie und eingespartem Brennstoff 188 Euro im Jahr,. Das ist etwas weniger als in der letzten Bilanz. Aber immerhin – es funktioniert. Hier die technischen Daten der Anlage von Buderus:

  • Modulierender Öl-Brennwertkessel, stufenlos 5-15 kW
  • 500 Liter Pufferspeicher zur Heizungsunterstützung und Trinkwasserbereitung
  • 9 kW Elektroheizer
  • PV Anlage
  • Nutzung von Überschüssen der hauseigenen PV Anlage sowie negativer Regelenergie aus dem Netz als Wärme

(Anmerkung am Rande: Hat sich das Limit für die Qualifikation zur Regelenergie geändert? 9 KW Elektroheizer * 200 Haushalte = 1.8 MW – Das Limit waren einmal 5 MW. Wie können diese gesichert angeboten werden, wenn das Warmwasser bereits eine bestimmte Temperatur hat und nur noch minimal angehoben werden kann).

Butter bei de Fisch – Ich habe ja keine Ahnung, warum man bei Solarthermie eine enorme Wirtschaftsförderung auf Kosten der Verbraucher betreibt oder bei Buderus auf Werte kommt, die mir ein Rätsel sind. Die Casa Stromhaltig ist mit Sicherheit nicht repräsentativ, kommt aber ohne Subvention aus (bis auf EEG Einspeisevergütung, da ohne kein Netzzugang möglich ist):

  • 6,44 KW PV Anlage
  • 6 KWh Stromspeicher
  • 8 KW Wärmepumpe inkl. Warmwasser
  • 350 Liter Pufferspeicher
  • vollständig automatisierter Betrieb auf Basis des Nutzungsverhaltens und Wetterprognose
  • Kombinierte Nutzung von Strom und Wärme

Das Ergebnis nach einem Winter lässt sich sehen. Dem Netz wurden 1.200 KWh Strom entnommen, welche sich auf 3 Personen aufteilen. In das Netz eingespeist wurden 1.000 KWh. Der rein elektrische Salto beläuft sich damit auf ein  200 KWh Defizit im Winterhalbjahr (Oktober-März). Würde der Sommer auch Winter sein (Worstcase), dann sind dies 400 KWh/3 Personen = 133 KWh =  33€ pro Person an Strombezugskosten.

Der Trick ist, dass der Stromverbrauch durch den PV-Geführten Betrieb der Wärmepumpe, deutlich angestiegen ist (+1.800 KWh):

  • die Raumtemperatur zwischen 21°C und 25°C reguliert wird
  • der Pufferspeicher je nach Dargebot zwischen 42°C und 58°C beheizt gehalten wird

Mittlerweile haben viele Institute und Unternehmen einen Zugriff auf die Zählerdaten der Casa Stromhaltig, vielleicht schaut einfach mal jemand hin :) 

Den Beitrag "BDEW zeigt auf, wie unrentabel Solarthermie ist offline Lesen:

6 Gedanken zu “BDEW zeigt auf, wie unrentabel Solarthermie ist

  1. Hallo Thorsten, an den 5 MW hat sich nix geändert, das ist ein Pilotprojekt, wo dies zu Versuchszwecken von einem Netzbetreiber eingebunden wurde. Dein Frank

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  2. 11,66 Jahre Amortisation ohne Förderung = unrentabel? Zeigt es denn nicht, dass Power-to-heat eine längere Armortisationszeit als die Brauchwassererwärmung der Solarthermie hat? Ich finde eigentlich ganz gut, wenn sich Häuslebauer gegen Graustrom entscheiden. Oft aber dürfte es in der Tat die Pflicht aus dem Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) sein. Sicherlich führt es auch nicht immer zu der Öko-Effizientesten Lösung.

    Es ist wieder einmal die gleiche Frage. Wird zugunsten des Klimaschutzes reguliert? Da bin ich sehr für zu haben. Das dies Wirtschaft fördert finde ich auch gut. Das jedoch die Lasten zu oft beim Verbraucher landen finde ich ebenso empörend. Ich würde dazu gerne einmal wieder die Ausnahmetatbestände thematisieren, die das EEG-Konto betreffen und das EEG-Paradoxon.

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    • Vielleicht ist der Grundtenor etwas daneben gegangen. Die KPIs, die hier herangezogen werden, sind zunächst einmal falsch. Die 400 KWh für Warmwasser pro Person sind ein Wert, der so in der Praxis mal wieder nicht erreicht wird. Dagegen hat die Buderus -Anlage wenig smartes. Die Lösung sind individuelle Anlagen und individuelle Berechnungen, bei denen dann auch kein anderer „zahlen“ muss.

      Das EEG-Konto wird demnächst mal wieder betrachtet :)

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  3. 400 kWh/a für WW sind nach meiner Erfahrung viel zu wenig!
    Bei 60L/Tag bei 45° und 10° Zulauftemperatur werden täglich ca. 2,4 kWh benötigt bzw. 890 kWh/a.

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  4. Zu der Mindestpoolgröße bei Regelenergie: es gibt auch Batteriepools, die wiederum in größeren Pools mitmachen, insofern ist das nicht unbedingt ein Problem.

    Ich habe für einen Artikel gerade eine ganze Reihe der „Batterie-mit-Regelenergie-Anbieter“ durchtelefoniert. Noch keiner davon hat in Deutschland eine reguläre Präqualifikation für Regelenergie (Stand: Mitte/Ende April 2016), es ist überall erst in der Vorbereitung.

    Keiner der Anbieter will direkt Erlöse aus Regelenergie an die Endkunden auszahlen, das ist viel zu komplex. Stattdessen gibt es je nach Anbieter mal Stromgutschriften, mal Pauschalen, manche wissen noch gar nicht, wie sie das handhaben wollen.

    Die Anbieter sind noch in der Findungsphase für ihre Geschäftsmodelle.
    Insofern sind Einnahmen aus Regelenergie für Endkunden derzeit ein total spekulativer Wert.

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