Am kommenden Sonntag ist in einigen Bundesländern Landtagswahl. Ein Happening, bei dem es im Marketing der Parteien dieses mal ein Thema nicht gab: Energiewende. Doch, bei der Alternativen für Deutschland findet man ein Plakat mit der Aufschrift „Erfolg der Energiewende auf der Stromrechnung ablesen“. Habe ich gemacht! Strompreis konstant über die letzten 3 Jahre.

Schaut man sich die Posten allerdings genauer an, so stellt man fest, dass man für den Strom immer weniger zahlt – jedoch für die Netzentgelte immer mehr. Die Umlage? Die ist bislang fast unverändert. Unterm Strich zahle zumindest ich hier in Baden-Württemberg/Rhein-Neckar-Kreis konstant viel für die elektrische Energie, die ich zukaufen muss.

Mit diesem Wissen ausgestattet, kam am Montag der Beitrag „Trotz sinkender Börsenpreise – Strom in Deutschland wird teurer“ in der FAZ über den Ticker. Nach mehrfachem Lesen, darf man schon fragen, ob man von der AfD eigentlich Geld bekommt – oder nur sympathisiert?

Bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung werden zwei Quellen für den Anstieg des Strompreises genannt:

  • EEG-Umlage
  • Netzentgelte

Als Aufmacher wählte man die Börsenstrompreise, welche tatsächlich bereits einige Jahre im Tiefflug sind. Die Börsenstrompreise haben allerdings sehr wenig mit den Endkundenpreise zu tun, denn der Strom, welcher gehandelt wird muss auch an die Stromkunden geliefert werden. Hierfür ist der Netzbetrieb bzw. der Netzbetreiber zuständig. Die Kosten, welche dabei verursacht werden zahlt der Kunde mit den Netzentgelten.

Die EEG-Umlage als anderer Kostenpunkt ist in den vergangenen Jahre kaum verändert worden.

2014 6,240 Cent/KWh
2015 6,170 Cent/KWh
2016 6,354 Cent/KWh

Im Januar 2016 wurde fast 1/2 Milliarden Euro mehr durch die Umlage eingesammelt, wie zur Deckung der Kosten überhaupt notwendig gewesen ist (Vergl. EEG Konto Übersicht Januar 2016). Da es sich gerade beim EEG-Strom um den verteufelten Börsenstrom handelt, hätte ein Blick hier dem Journalisten bestimmt nicht geschadet. Das als EEG-Paradoxon bekannte Phänomen (=Umlage steigt an, wenn Börsenstrompreis zurück geht) ist dem Schreiberling offenbar bekannt (weitere Beiträge zum Thema) .

Die Sache mit den Netzentgelten ist selbstverständlich etwas diffiziler, denn diese steigen tatsächlich. Bei den ganzen Kontakten, die man in der Redaktion der FAZ hat, würde man erwarten, dass man auch fragt, warum diese steigen. Grundsätzlich ist es so, dass die Netzbetreiber ihre Entgelte über die Bundesnetzagenntur  genehmigen lassen müssen. Neben der Eigenkapitalrendite, die gesichert werden soll – müssen natürlich auch die Kosten gedeckt werden. Wie man aus dem Monitoring Bericht 2015 entnehmen kann, sind die Kosten für die Systemdienstleistungen in den letzten Jahren eher rückläufig. Ebenso sind durch den zunehmenden Einspeisung dezentraler Erzeuger die sogenannten Netzverluste zurück gegangen. Storm, der noch vor einigen Jahren vom entfernten Großkraftwerk bis ins tiefste Hinterland transportiert werden musste, wird nun direkt auf dem Dach des Nachbars erzeugt und braucht keine kostspieligen Trassen und verlusthafte Umspannungen.

Ein Punkt, wo man durchaus einmal einen Journalisten ansetzen sollte, ist die Frage, warum wir in Deutschland eigentlich 4 Übertragungsnetzbetreiber benötigen, welche mehr oder minder die Stabsposten doppelt besetzten ? Nachgefragt bei der EnBW meinte man vor kurzem:

Ist die Anreizregulierung ausreichend?

Den Beitrag "Strompreis: Wenn die FAZ für die AfD in den Wahlkampf zieht offline Lesen:
Veröffentlicht unter Blog.

Kommentar hinterlassen

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> 

benötigt