Spätestens mit der Ankündigung von RWE und slock.it Ethereum zur Abrechnung bei Stromtankstellen zu nutzen, ist auch in Deutschland dieses „New Kid in Town“  in der Energiewelt angekommen. Versucht man bei Golem zu verstehen, was der Reiz an dieser Technologie ist, so wird man kaum schlauer.

Ethereum ist zunächst einmal eine andere Art Anwendungen zu verbreiten, welche einfache organisatorische Aufgaben löst, ohne dass es einer zentralen Infrastruktur bedarf. Anwendungen, dass können Mietstromprojekte, Energiegenossenschaften, Stromlieferanten aber auch ganz einfache Dinge wie der Peer-2-Peer Stromhandel zwischen Nachbarn sein.

Der Handel mit elektrischer Energie ist im Prinzip nichts anderes, als das synchrone weiterdrehen eines Einspeisezählers und eines Verbrauchszählers. Durch Handelsgeschäfte an der Börse sowie etliche fiskale und physikalischen Transformationsprozessen wird dann sichergestellt, dass die Einspeiser von Strom Geld erhalten, welches die Entnehmenden dafür gezahlt haben. Was Ethereum hier leisten kann, ist die Möglichkeit das Weiterdrehen der Stromzähler in sogenannte Smart-Contracts zu verpacken. Verträge, die zwischen zwei Handelspartnern geschlossen werden, diese sich allerdings nicht vertrauen müssen. Das Vertrauen wird über die sogenannte Blockchain realisiert; einem Verzeichnis von allen Verträgen und deren Transaktionen.

Mit TransactiveGrid besteht eine erste Implementierung eines vollständigen Strommarktes auf Basis von Ethereum. Die Spezialisierung dies Marktes ist eine Community, bei der Prosumer wahlweise als Einspeiser oder Verbraucher auftreten können und ihr jeweiliges Angebot oder Bedarf an Strom mit anderen Teilnehmern teilen. Ethereum, bzw. die Applikation TransactiveGrid, sorgt lediglich dafür, dass alles mit rechten Dingen zugeht, dass bedeutet alle Verträge erfüllt werden. Die Logik, welche hinter dieser Vertragsgarantie steckt, ist die Besonderheit dieser neuen Technologie. Vertragsgarantie=Vertrauen – und um nichts anderes geht es bei Ethereum.

Klassisch speist ein Kraftwerk in der Stromnetz seine Erzeugung an elektrische Energie ein, im Vertrauen, dass es dafür entlohnt wird. Hierzu wird ein Vertrag mit einem Händler eingegangen, der diese Strommenge im Tausch gegen Geld  einen Verbraucher zuordnet. Gerade beim Stromhandel kann eigentlich niemand garantieren, dass diese Rechnung insgesamt aufgeht.  Letztendlich haftet der Händler dafür, dass er „ordentlich“ handelt und das Kraftwerk, dass es tatsächlich die Strommengen einspeist, die es zugesagt hat. Praktisch haftet sogar der Verbraucher, dass er den Strom in dieser Menge auch entnimmt, da ein Fehler in der Balance im Stromnetz kritisch ist.

Gridsingularity ist ein anderes auf Ethereum basierendes Projekt, welches seinen Fokus auf den Handel und die Energiedaten legt. Allen Lösungen gemein ist, dass sie keine zentrale Infrastruktur haben und damit einmal eingeführt auch keine Änderungen von Regularien zulassen. Gerade Diskussionen, wie wir diese von der EEG-Umlage kennen, oder das Thema „Braunkohlereserve“, lässt sich von staatlicher Seite nicht mehr in bestehende Verträge einarbeiten.

 

Den Beitrag "Ethereum: Befreiungsschlag für die Versklavung beim Strompreis? offline Lesen:

2 Gedanken zu “Ethereum: Befreiungsschlag für die Versklavung beim Strompreis?

  1. Guten Morgen Herr Zoerner.
    So langsam bin ich froh dass Strom aus der Steckdose kommt wenn ich einstecke…und ich nicht verstehen muss wer mit welchen Verträgen daran verdient…vermutlich, weil ich Blockchain nicht verstehe wird mir auch der moderne Stromhandel, der evtl die Stromhändler, sicher nicht mich, aus der Versklavung befreit, ein Geheimnis bleiben.
    Frohe Ostern!

    Antworten
  2. Manche munkeln, dass die etablierten Autohersteller so wie wir sie heute kennen in 10 Jahren nicht mehr existieren werden, weil sie mindestens einen von zwei entscheidenden Trends verschlafen/nicht stemmen können. Der eine ist autonomes Fahren, der andere Elektromobilität. Ersteres ist so komplex, dass das eigentlich nur große Softwareunternehmen entwickeln können und ein „Autoschrauber“ dafür denkbar schlecht aufgestellt ist. Zweiteres ist eigentlich ganz simpel, wenn man sich von althergebrachten technischen Konzepten lösen kann und komplett neu entwickelt, aber davor bei Null zu beginnen, scheuen sich die etablierten Automobilkonzerne und daher sind deren Elektroautos einfach schlecht, während die Limousine Model S von Tesla brilliert.
    Wir werden das autonom fahrende Elektromobil also wahrscheinlich von Google oder Tesla sehen, als von Daimler, Ford oder Toyota.

    Nun kann man das auf RWE übertragen, erneuerbare Energien und dezentrale Konzepte, von der Erzeugung über Verwaltung bis hin zum Bezahlen. Die Energiewende hat RWE schon verschlafen und dezentrale Erfolgskonzepte kommen sicher auch eher aus dem Silicon-Valley oder einem „Hackertreffer“ irgendwo in dunklen Kellern.

    Und nun noch ein paar kurze Worte zur elektrischen Variante der Petroleum-Zapfsäule … von althergebrachten technischen Konzepten lösen und das ganze komplett neu entwickeln.
    Keine Ladesäule und keine Induktionsschleifen, keine expliziten „Treibstoff-Kunden“ mehr.

    Alles komplett neu: Der Fahrgast öffnet seine App, das autonom fahrende Fahrzeug hält vor ihm, er steigt ein und am Zielort wieder aus und wenn es eine „Fernfahrt“ wird, dann stellt sich das autonom fahrende Fahrzeug selbständig mitsamt dem Fahrgast auf den autonom fahrenden Auto-Zug. Das alles gibt es dann für den Fahrgast zu Flatrate-Tarifen oder „Pay-Per-Journey“, aber sicher kauft der Fahrgast keinen Strom ein, sondern der Fahrdienst-Anbieter kümmert sich darum.
    Und als Krönung obendrauf, im Energie-Autarken Plus-Energie-Haus braucht man auch sicher kein Smart-Metering und Netzanschluss, da kauft niemand mehr Strom ein, der Hausdienstleister kümmert sich darum, dass alles funktioniert.

    Und wer das für Sience-Fiktion hält: Ja genau das ist es und vielleicht kommt es auch gar nicht so, aber das Internet der Dinge wird die Welt revolutionär verändern und nicht nur ein paar Kleinigkeiten „modernisieren.“ Gute Nacht RWE und BMW, zu den erfolgreichen Unternehmen einer Industrie 4.0 gehört man nicht mit der Fertigung von Krimskrams aus dem *vorletzten* Jahrhundert.

    Antworten

Kommentar hinterlassen

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> 

benötigt