Am kommenden Mittwoch geht das Bieterverfahren rund um Geschäftsbereich Braunkohle der Vattenfall zu Ende. Eine Medien Clean Energy Wire hat bereits eine Übersicht über das Verfahren veröffentlicht.  Beim RBB berichtet man über eine Stiftungsidee, wenn alle Stricke reisen sollen. Es scheint so, als müsse Vattenfall dem Käufer noch Geld geben, damit die Braunkohle den Konzern verlässt.

Ein Produkt am Ende seines Lebenszyklus. Eine Tatsache, die sich bereits vor vielen Jahren angekündigt hat und durch den Atomausstieg einige Jahre Gnadenfrist durch die Märkte gewährt wurde.

Für die Region in der Lausitz ist es ein Strukturwandel, welcher jedoch finanziell gut ausgestattet ist. Wie bereits im Öffentlichen Memorandum Braunkohle beschrieben, können die eingesparten Netzentgelte die Arbeitskräfte für viele Jahre gut ausstatten.

Man braucht nicht viel Analyse, um die Ursachen für den Niedergang der Baunkohle zu erklären. Der RBB schreibt:

„Wegen großer Überkapazitäten hat sich der Strompreis an der Börse seit 2014 von knapp 40 Euro auf weniger als 20 Euro je Megawattstunde halbiert. Hauptgrund ist der anhaltende Ökostrom-Boom mit einer größeren Einspeisung in die Netze. Das macht die auch CO2-intensive Braunkohle-Verstromung weniger attraktiv. Vattenfall bietet zusammen mit der Braunkohlesparte zehn Wasserkraftwerke an.“

Die Überkapazitäten sind vorhanden, auch wenn man in Deutschland die Atomkraftwerke abbaut. Eine Auswertung für die letzten 90 Tage (Winter 2015/2016) zeigt, wie sich die aktuell die sogenannte Merit Order (Einsatzreihenfolge) nach Brennstoffen gliedert:

Merit Order - Auslastung der Kraftwerke in Deutschland
Merit Order – Auslastung der Kraftwerke in Deutschland

Lediglich die Kernenergie kann mit einer Auslastung um die 100% aufwarten. Braunkohle und Steinkohlekraftwerke hingegen fehlt es an Auslastung.

Rang Brennstoff Auslastung
1 Kernenergie 96%
2 Braunkohle 73%
3 Steinkohle 39%
4 Erdgas 12%

Also Ursache wird der Ökostrom-Boom angesehen. Man kann jedoch recht einfach ermitteln, wie die Auslastung der unterschiedlichen Kraftwerkstypen aussehen würde, wenn kein Strom aus Windkraft oder Solarenergie im Netz vorhanden ist. Bei einem solchen Szenario werden die Mengen an Ökostrom auf die Kraftwerke entsprechend ihrem Rang in der Merit-Order aufgeteilt. Zunächst wird dafür gesorgt, dass die Kernenergie zu 98% ausgelastet wird, danach die Braunkohle, Steinkohle, Erdgas.

Auslastung der Kraftwerke in einem Szenario ohne Ökostrom
Auslastung der Kraftwerke in einem Szenario ohne Ökostrom

Für Wintermonate bedeutet dies, dass gerade die Braunkohle mit einer vollständigen Vermarktung ihrer Stromerzeugung rechnen konnte.

Rang Brennstoff Auslastung
1 Kernenergie 98%
2 Braunkohle 98%
3 Steinkohle 76%
4 Erdgas 13%

Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass das Stromnetz in Deutschland vollständig auf die Kernenergie ausgelegt ist. Eine 98% Auslastung der Braunkohlekraftwerke könnte nicht über die bestehenden Trassen transportiert werden. Wie man in der Auswertung der Redispatches (Engpassmanagement) sehr gut erkennen kann, ist das Stromnetz in Deutschland höchstens in der Lage 70% der Braunkohlekapazität an die Verbraucher zu liefern. Jegliche Auslastung darüber ist nicht abbildbar.

Ökonomisch gesehen müssen wir uns in Deutschland fragen, ob eine Aussage vom September 2015 bei EnWiPo nicht überdacht werden muss:

So blieb es beim „Wir lieben Braunkohle“, wobei niemand ja eigentlich vorhat, die Förderung der Braunkohle und deren Verstromung über Nacht abzuschaffen.

Am Ende eines Produktlebenszyklus kann man entweder künstlich verlängern – was wir bereits erfolgreich mit dem Atomausstieg hinbekommen haben – oder man kann die Maschinen abstellen. Lieber ein Ende mit vermeintlichem Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.

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