In dieser Woche machte eine Meldung die Runde, dass  im Schweizer Stromnetz sogenannte Schwarmspeicher zur Regelenergie genutzt werden. Regelenergie dient der Stützung der Netzfrequenz, wenn diese durch eine fehlende Balance aus Einspeisung und Erzeugung aus den Grenzen gerät. Eine Angespannte Netzsituation in der Schweiz hatte ab Dezember 2015 zu etlichen Sondermaßnahmen geführt. Neu ist nun, die Kleinteiligkeit, mit der man scheinbar in der Lage ist zu arbeiten. Sandra Enkhardt berichtet im PV-Magazin von einer Untergrenze von 9 KWh und auch, dass man die Kopplung von Sonnenspeichern auch in Deutschland probieren will. Davon abgesehen, dass für diesen Anwendungsfall ein Fernzugriff auf die Steuerrung der Speicher notwendig ist, was potentielle Risiken mit sich bringt (vergl. Beitrag über den Varta-Speicher), wollen wir neben der Frequenz auch einmal auf die Spannung schauen.

Ein Anbieter von Regelleistung muss mindestens 5 MWh vorhalten in einer Regelzone, damit er sich an der Ausschreibung beteiligen kann (vergl. Regelleistung.net). Bei 9 KWh großen Speichern benötigt es somit mindestens 555 Speicher, die vollständig für den Schwarm arbeiten. Aktuell sind in Deutschland 25.000 Speicher installiert, wobei kaum einer auf die 9 KWh kommen wird (üblich sind eher 2-6 KWh). Verwendet man eine konservative Rechnung, so sollte man lediglich 10% der Speichergröße für den Einsatzzweck Regelleistung ansetzen. Damit benötigt der Schwarm bereits 5.555 größere Speicher…

Spannungshaltung in der Niederspannung – Ein anderer Markt

Wie am Anfang dieses Beitrags genannt, dient Regelleistung zum Halten der Netzfrequenz (welche in ganz Europa gleich ist). Ein Anbieter steht automatisch in Konkurrenz zu allen anderen Anbietern innerhalb einer Regelzone. Kein Markt existiert zur Zeit für die Spannungshaltung in der Niederspannung. Es obliegt allein dem Netzbetreiber dafür zu sorgen, dass bei allen Anschlüssen eines Versorgungsgebietes innerhalb der Grenzen liegen. An der Spannung kann man mehr oder minder die lokalen Energieflüsse ablesen. Die 230V, welche wir kennen ist dabei ein Richtwert, der nur sehr selten exakt eingehalten wird. Kommt von der übergeordneten Spannungsebene mehr Energie in das Netzsegment, als dort gerade benötigt wird, so steigt die Spannung an.

Mit einer zunehmenden Dezentralisierung der Einspeisung haben Netzbetreiber gerne die Kosten für die Haltung des Spannungsniveaus in ihrer Jammerliste. Die sogenannten Ronts (Regelbare Ortsnetz Trafos, vergl dieser Beitrag) müssen modernisiert werden und natürlich die Überwachung automatisiert. Gerade in der Mittagszeit soll es in vielen Ortsnetzen zu einem beängstigend hohen Nivau der Spannung kommen, da die PV-Anlagen sehr viel Strom einspeisen…. so die Theorie…

Spannungsniveau - 1 Phase - Niederspannung (Syna Netz)
Spannungsniveau – 1 Phase – Niederspannung (Syna Netz)

Die Praxis passt sich leider nicht an die Theorie an. Im Februar 2016 gab es sowohl Sonnentage (viel PV), als auch Dauerbewölkung, als auch Frost in der Nacht (=> großer Bedarf an Wärmestrom). Die Grafik zeigt den Verlauf des Spannungsniveaus an einem Messpunkt. Die Spitzen liegen in der Nacht, also zu einer Zeit, bei der die meisten Sonnenspeicher bereits leer sind und damit mit Netzstrom Energie aus dem Netz nehmen könnten.

„Haus fein raus“  schreibt EnWiPo, wenn es um den aktuellen Stand bei der Digitalisierung der Energiewende geht. Tatsächlich gibt es sehr viele Gründe warum man en Bürger/Stromkunden/Schwarmmitglied besser die Tür vor der Nase zuschlagen sollte:

  • Vorsteuerabzug auf Solarspeicher müsste geregelt werden (geringe Steuereinnahmen)
  • Netzbetreiber müssten Anschlussinhaber als Kunden adressieren  (individuelle Verträge, Prozesskosten)
  • Geringere Kosten für den Umbau der Verteilnetze (weniger Kosten bei Hardware / Ronts)

Es gibt viele Gründe, die dafür sprechen, dass man besser alles beim Alten lässt und lieber einige Millionen in den Verteilnetzen vergräbt.

Den Beitrag "Mehrwert der Solarspeicher - Scharm oder Schwärmchen? offline Lesen:

6 Gedanken zu “Mehrwert der Solarspeicher – Scharm oder Schwärmchen?

  1. Senertec/Deutsche Energieversorgungs GmbH macht das mit den Schwarmspeichern in DE auch schon eine Weile. Technisch weniger ein Problem, als rechtlich, da mit jedem einzelnen Netzbetreiber ein Rahmenvertrag geschlossen werden muss.

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  2. Ops, Buchstabensalat im Kopf… SENEC Homespeicher heissen die Akkus diefür Sekundärregelleistung im „Ecomanic-Grid“ verwendet werden.

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  3. Hallo Thorsten,
    du scheinst keinen Batteriespeicher zu betreiben – oder wenn, siehst du nicht genau hin.

    Die Praxis sieht nämlich ganz anders, als vermutet, aus.
    Als Batteriebetreiber (ich habe 20/16kWh + 3 x 5kW WR) wird man zwangsweise zum Regelenergie-Lieferant.

    Mit meinem übergroßen Speicher (16kWh netto – Verbrauch ca. 8kWh/Tag) habe ich auch bei vollem Speicher einen Bezug von durchschnittlich 0,5kWh/Tag.

    OK – so etwas kann man nur mit einer Anlage feststellen, die so überdimensioniert ist, wie meine. Die WR können für jede Phase Anlaufströme bis zu 11kW liefern – das entspricht 47A/Phase.

    Was passiert da wohl ???

    In dem Moment, in dem mein Nachbar ein „größeres“ Gerät einschaltet, bricht die Netzspannung etwas ein. Im ersten Moment liefert dann mein Wechselrichter mehr Strom, weil er den bis dahin geltenden Spannungssollwert noch in seiner Rechnung hat. Also speise ich in dem Moment erstmal für kurze Zeit ungewollt ein – und stabilisiere die Spannung und indirekt damit auch die Netzfrequenz.

    Wenn mein Nachbar sein Gerät wieder abschaltet, passiert das ganze umgekehrt, die Spannung geht nach oben – und ich beziehe auf Grund der Trägheit der Regelung der WR zwangsweise Strom – was wiederum zur Netzstabilisierung beiträgt.

    Da die Abschaltströme von I Nenn => 0 sind, die Enschaltströme jedoch von 0 => bis zu 7 x I Nenn betragen, vermute ich, dass ich bis zu 3,5kWh/Tag an positiver Regelleistung ins Netz liefere

    Bis jetzt kann ich nur per Saldo den Bezug feststellem, die unfreiwillige Spannungs- und damit auch Frequenzstützung kann ich bis jetzt nicht messen.

    LG jogi

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    • Also das beschriebene Phänomen dürfte sehr vom eingesetzten Steuergerät abhängen, welches die Energieflüsse reguliert. Beim hiesigen können die Werte, bei denen der Speicher einspeist / ladet recht gut gesetzt werden, was der Zweirichtungszähler der am Netzanschluss zeigt auch bestätigt. Ein Halten des Spannungsniveaus kann nicht festgestellt werden, eher im Gegenteil, der Speicher warnt dass auf einzelnen Phasen das Niveau nicht in den Toleranzen ist.

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  4. RegelLEISTUNG: 5 MW
    oder wirklich 5 MWh?
    Fenecon schreibt, dass SOC sich nur um ca. 1% ändern würde bei Abruf der Leistung.
    Also Kapazität nicht so wichtig?

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