Kommentar: RWE zahlt 0 Euro Dividende für Kernkompetenz 1

Kommentar: RWE zahlt 0 Euro Dividende für Kernkompetenz

„Deshalb sind Städte entsetzt über Nullrunde“ titelt DerWesten und das Handelsblatt zitiert den Stadtwerke-Chef in Dortmund,  Guntram Pehlke, mit den Worten: „Unverschämtheit, das hätte man nicht entscheiden dürfen, ohne den Aufsichtsrat einzubinden.“.  

Butter bei den Fischen – Ein DAX30 Unternehmen passt seine Dividenden den aktuellen Sparzinsen an. Wer mehr auf dem Finanzmarkt holen will, der muss auch mehr Risiko eingehen. Unternehmen, die über 9% Eigenkapitalrendite auf Netztrassen garantiert bekommen, haben als Geschäftsziel nicht die Sanierung von Kommunen.  Dennoch wird es auch eine RWE noch in 20 Jahren geben und sie wird weiterhin ein DAX30 Unternehmen sein, ja! Wenn endlich die Kernkompetenz entdeckt wird.

Das Kerngeschäft einer RWE ist der Strommarkt. Zu selbigen schreibt Statista für das Jahr 2014 „Deutscher Strommarkt vergleichsweise wenig konzentriert“ (via watschblog). Die vier großen Energieversorger der Vergangenheit haben Marktanteile verloren. Die Liberalisierung und die damit verbundene Möglichkeit, dass der Stromkunde seinen Stromanbieter frei wählen kann, ist nicht spurlos an Vattenfall, RWE, E.ON und EnBW vorbei gegangen. Anbieter wie ExtraEnergie aus Cottbus haben zum Teil mehr Kunden unter Vertrag.  Dieses Bild lässt sich allerdings nicht direkt als Statistik verwenden. Der Stromanbieter erhält von der Rechnungssumme des Kunden einen Teil, mehr bekommt der Staat durch Steuern und noch einmal mehr bekommen die Netzbetreiber. Auf der Seite der Netzbetreiber existieren die Ableger der Energieriesen bis heute.

Bei den konventionellen Kraftwerken haben ebenfalls die Großen ihre Nase vorne. Braunkohlekraftwerke werden eben nicht von einer Energiegenossenschaft geführt und auch ein Pumpspeicher ist bislang keiner durch einen Investor errichtet worden. Die Erosion des Kraftwerksparks wird sich noch einige Zeit voranschreiten, ähnlich wie die Kunden bereits weggelaufen sind. Ob neue Kerninkontinenzen wie das RWE-SmartHome hier eine Neuausrichtung sein können….?

Dividende ist ein Maßstab für Erfolg über dem Nichtstun (Geld auf Bank legen). Erfolg kann man mit neuen Geschäftsbereichen haben, oder auf eine bequemere Art, wenn man weiß wo die Stärken liegen. Bei den vier Großen müsste diese eigentlich im Betrieb komplexer Infrastruktur zu finden sein. Stromnetz und Kraftwerke bilden ein Erfahrungspotential, welches nicht nur mit elektrischer Leistung dient. Mit der aktuell bei der RWE verfolgten Öffentlichkeitsarbeit verspielt das Unternehmen wichtige Reputation. Das Gejammer um die Energiewende und Atomausstieg, Optimierungen von Schadensersatz bei „Biblis“, verspielen den Glauben, dass man in der Lage ist mit komplexen Infrastrukturen umzugehen.

Die Sorge um Geld ist eine mächtige Triebfeder, die dem Klimaschutz dann dienen kann, wenn dieses Geld abgezogen wird. (Climate KIC in „Divestment nach Paris: Platzt nun die Kohlenstoffblase?“)

Alle Macht geht vom Geld aus. Die Städte, die nun über eine zu geringe Dividende klagen, sollten sich ernsthaft einmal die Frage stellen, für was wurde das Geld dem Unternehmen geliehen? Lässt sich die Sicherheit einer RWE Smarthome Lösung mit der Sicherheit eines Atomkraftwerkes vergleichen? Oder ist hier bereits eine Menge von Kernkompetenz verloren gegangen (=Wissenskapital).

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