Einen Wechselrichter der Firma SMA kann man eigentlich nicht in Betrieb nehmen, wenn man keinen Zugang zur Cloud des Herstellers hat. Doch gerade diese Zwangsverbindung ist nicht nur ein Schrecken in Sachen Datenschutz, sondern vor allem ein Pakt mit der wirtschaftlichen Stabilität eines Unternehmens. Wer sich in der digitalisierten Energiewelt auf einen Anbieter festlegt, der geht eine langfristige Beziehung ein, nicht nur wenn man etwas defekt ist.

„Hiobsbotschaft aus Niestetal: SMA streicht ein Drittel seiner Stellen“ (Quelle HNA)

Diese Schlagzeile ist fast genau ein Jahr her. Mittlerweile geht es SMA besser, dafür hat ein anderer Hersteller von Wechselrichtern im vergangenen Jahr die Insolvenz angemeldet. Für die Kunden bedeutet dies, dass von einem Tag auf den anderen die Leistungen nicht mehr vorhanden sind, die bislang über den Anbieter realisiert wurden.

Meist kostenlos erhält man mit den Geräten einen Portalzugang, welcher verschiedene Komfortfunktionen erlaubt. Am 12.03.2015 meldete Enecsys die Insolvenz an. Ein Kunde beschreibt die Auswirkung  im RWE-Smarthome Forum:

„Habe eine Photovoltaikanlage mit Enecsys Modulwechselrichter die cloudgestütztes Echtzeitmonitorring erlauben und 20 Jahre Garantie haben sollten. Enecsys hat am 12.03 Insolvenz beantragt und bereits ab den 21.03 funktioniert das Monitoring nicht mehr. Bei 150000 verkauften Wechselrichtern weltweit auch nicht gerade die kleinste Bude. Keiner mehr erreichbar, keine Antwort… so schnell geht es mit dem ach so tollen Web basierenden Anwendungen, zack und man hat eine handvoll Elektroschrott.“

Hier ist es ein cloudgestütztes Monitoring – eine Bagatelle. Bei anderen Anbietern ist es die dynamische Wirkleistungsbegrenzung, wieder andere Anbieter lassen sogar die Haustür per Portal öffnen. Smart-Home bedeutet sehr häufig, dass man Intelligenz in das Internet verlagert. Der Kunde wird dadurch an ein Unternehmen gebunden, kauft vielleicht weitere Produkte, damit diese gut zusammenarbeiten. Auf der Kehrseite der Medaille muss er im Ernstfall sehr schnell reagieren, wenn es ihm überhaupt möglich ist.

Bei Enecsys setzt man auf den offenen Standard ZigBee, um Daten des Wechselrichters zu empfangen. Etliche Sicherheitslücken sind bei diesem Standard bekannt, jedoch hatte Enecsys ein Interesse daran seine eigenen Gateways zu verkaufen. Kein anderes hier bekanntes Gerät ist in der Lage die über ZigBee übertragenen Messwerte des Wechselrichters zu empfangen. Mit der Insolvenz des Unternehmens ist auch die Lieferbereitschaft für die Gateways zusammengebrochen.  Es bleibt der Weg in das Black Hat Forum, um an die notwendigen Schlüssel und Codes zu kommen.

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3 Gedanken zu “Insolvente digitalisierte Energiewende

  1. Unabhängigkeit ist jetzt aber nicht gerade ein Fremdwort, dem „Hausbesitzer“ mit PV-Anlage oder Smart-Home sollte dessen Bedeutung schon geläufig sein.
    Ist halt wie bei Genossenschaftsanteilen mit Nachschusspflicht oder Anleihen, man sollte das Kleingedruckte nicht nur lesen, sondern auch verstehen.

    Soweit ich weiß, gibt es tatsächlich nur einen einzigen Hersteller, der tatsächlich seine Wechselrichter verkauft, während man bei alle anderen nicht so genau weiß, ob das nun Geiselhaft, Wegelagerei oder einfach nur eine Unverschämtheit sein soll, was sich da Kaufvertrag schimpft.

    Nicht dass ich etwas dagegen habe digitale Dienstleistungen einzukaufen, aber man sollte den Anbieter (und damit die Konditionen) frei wählen können.

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    • Die Miniwechselrichter aller am Markt vorhandenen Herasteller arbeiten autark, lediglich die vorhandene Netzfrequenz (eine ‚cloud‘?) wird aus Sicherheitsgruenden vorschriftsmaessig abgeglichen.

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      • Ok, haben von „echten“ „ausgewachsenen“ Wechselrichtern gesprochen … nehme nur das Equipment für voll, dass sich im bereich „Starkstrom“ verorten lässt und unter die Schieflastergelung fällt. 😉

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