Groß ist die Angst, dass die Gewohnheiten und Gepflogenheiten in der geschützten Privatsphäre der eigenen Vier-Wände in fremde Hände gelangt. Durch den Zwang zum Einbau von sogenannten Smart-Metern sehen Verbraucherschützer (zurecht) eine Gefahr. Doch wie das Beispiel des Verteilnetzbetreibers Syna GmbH (100% Tochter der Süwag) zeigt, braucht man wirklich keine Angst haben, dass eine Digitalisierung der Energiewende in den kommenden Jahren zur Realität werden könnte. „Daher können Ihre Zählerstände … nicht weiter bearbeitet werden“ – also auch nicht, um damit irgend etwas ungewünschtes anzustellen.

Die Kehrseite der Medaille ist, dass wenn die Daten nicht für ungewünschte Zwecke verwendet werden können, dann können sie auch nicht für gewünschte Zwecke einen Nutzen bringen.

Mit der Digitalisierung der Energiewende ist es im Jahre 2016 noch nicht weit vorweg gegangen worden. In der Niederspannung, an der die ganzen privaten Haushalte in Deutschland angeschlossen sind herrscht digitale Steinzeit – nicht nur bei der Syna. Die Folge ist, dass man überhaupt nicht weiß,  wie das System „Stromversorgung“ überhaupt tickt. Welche Wechselwirkungen bestehen und an welcher Stelle es kritisch für die Versorgungssicherheit wird.  Die Netzbetreiber arbeiten heute noch mit Methoden, welche zu Zeiten der Liberalisierung und des Unbundlings vor über 10 Jahren, bereits veraltet gewesen sind.

Von Seiten des Bundes Wirtschaftsministerium wird der Einbau von Smart-Metern forciert, da man der Annahme ist, wenn mehr Messwerte vorhanden sind, dann könne man auch die Netze besser betreiben. Es erscheint logisch, wenn von der Politik angenommen wird, dass bei bekanntem Stromverbrauch von gestern, man hinreichend genau ermitteln kann, wie hoch wohl der Verbrauch heute sein wird. Mehr Daten = Bessere Prognosen. Heute werden die Verteilnetze noch auf Sicht geflogen.  Den Netzbetreibern liegt lediglich der Jahresverbrauch bis zur letzten Ablesung vor. Da auch in Verteilnetzen die Entnahme zu jeder Zeit gleich der Einspeisung sein sollte, wird mit Hilfe der Übergabepunkten zur nächst höheren Spannungsebene versucht eine Prognose zu erstellen. Die Kosten, die für Fehler in der Prognose entstehen, trägt ohnehin der Stromkunde mit seinen Netzentgelten. Das Risiko, wenn das Netz in einem ungewünschten Zustand kommt, wird indirekt auch gewälzt.

Es ist zu befürchten, dass auch mit Smart-Metern die Netzbetreiber die dadurch erhobenen Daten nicht in die Versorgungssicherheit einfließen lassen. Auf Anfrage teilt die Syna mit:

Mit ca. einer Millionen Entnahmestellen sind wir im Massengeschäft unterwegs und halten uns an aktuelle Gesetzte und Verordnungen. Dabei agieren wir diskriminierungsfrei.
In der IT-Landschaft der Syna GmbH sind Standardprozess für das Massengeschäfte abgebildet.

Standardprozesse und Massengeschäft – keine Rede von der Nutzung der Daten in der IT-Landschaft für den Netzbetrieb. Man müsste eigentlich annehmen, dass dies die Hauptaufgabe eines Netzbetreibers ist. Würde man die Daten nutzen, so hätte man festgestellt, dass im Jahre 2015 ein stetiger Anstieg des Spannungsniveaus in der Nacht stattgefunden hat, welches sich nun bedenklich nahe an den zulässigen Grenzwerten befindet.

Erschreckend ist, dass die Technik, die wir heute als Smart Meter bezeichnen, nicht neu ist und bereits tausendfach in Deutschland verbaut wurde.  Dazu der Verteilnetzbetreiber Syna:

„Hier stimmen wir Ihnen zu, dass es Hersteller gibt, deren Geräte eine ZSG-Messung vorsehen. Obwohl nähere Anforderungen an Funktionalität und Ausstattung von Messsystemen noch vom Gesetz- und Verordnungsgeber ausgestaltet werden müssen. Zudem wird erst im „Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende“ die  Durchführung einer Zählerstandsgangmessung für bestimmte Kundengruppen weiter konkretisiert. Wie die Folgeprozesse abzuwickeln sind,  ist derzeit nicht eindeutig geklärt. „

Entweder man weiß tatsächlich nicht, was die Daten der Smart-Meter mit dem Netzbetrieb zu tuen haben – vielleicht bringt ja ein Gesetz die innovative Erleuchtung? – oder man baut schon heute vor, dass man nach dem Gesetz (=Verpflichtung) die Hand für mehr Geld offen halten kann. Was soll das alles kosten, wenn wir unsere IT-Landschaft umbauen müssen?

Den Beitrag "Keine Angst vor fehlendem Datenschutz bei Smart-Metern - Verteilnetzbetreiber können einfach nicht... offline Lesen:

2 Gedanken zu “Keine Angst vor fehlendem Datenschutz bei Smart-Metern – Verteilnetzbetreiber können einfach nicht…

  1. Wenn der schwankende Stromverbrauch, vor allem der private Kleinverbraucher, tatsächlich ein Problem ist, das nicht mehr mit den alten statistischen Methoden, aka Standardlastprofilen, zu beherrschen ist, dann sind selbstverständlich neue Lösungen gefragt.
    Mit Datenbergen aufgemotzte Statistiken bringen uns da eventuell einen Schritt weiter, aber ich fürchte da ziehen zu viele nicht mit. Vom obersten Datenschützer der Angst vorm gläsernen Bürger hat, über den Finanzchef mit seinen Geldsorgen, bis hin zum Sichereitschef, der flächendeckende Stromausfälle durch Cyberattacken fürchtet.

    Und wenn der Moses nicht zum Berg kommt, dann kommt eben der Berg zum Moses.

    Einfach einen Speicher an jeden Hausanschlusspunkt klemmen und die Schwankungen im Verbrauch komplett glattbügeln. Und wenn nicht an jeden Hausanschlusspunkt, dann eben neben jeden Ortsnetztrafo. Und wenn dabei etwas „Smart“ wird, dann allenfalls die aktuelle Kapazität, aber vermutlich nicht mal die, weil die „Versorgungszellen“ sich weitestgehend selbst regeln werden und den Rest erledigt dann Wetterbericht und Frequenzmessung.
    Sieben auf einen Streich … so einfach ist das und es kostet nur das, was die ohnehin notwendigen Speicher kosten werden.

    Ich gehe davon aus, dass das Thema „Smart-Meter“ wieder in der Versenkung verschwinden wird, wie andere nicht (oder zu schwer) realisierbare Ideen, schlicht weil das selbe Ergebnis auf anderem Weg einfacher zu erreichen sein wird.

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