Am vergangenen Donnerstag traf sich die Arbeitsgruppe Winter 2015/2016 zu ihrem zweiten Treffen in Bern. Nur knapp eine Woche nach der ersten Sitzung, war das Lagebild, welches vom Schweizer Netzbetreiber Swissgrid gezeichnet wurde beängstigend. Im Vorfeld wurden die Vorschläge der Branche, gesichtet und der Bundesstab informiert. Bei der Ursache für die plötzliche Knappheit an Strom können viele gefunden werden. Akut ist der Klimawandel jedoch bei den Eidgenossen der wichtigste Verursacher, der sich auch mit einem ganzen Bündel an Notmaßnahmen nicht aufhalten lässt. Die Schweiz muss ihre Infrastruktur an die Gegebenheiten anpassen. Die Arbeitsgruppe macht dies sehr deutlich.

In der Präsentation, die Swissgrid den Mitgliedern vorstellt werden eine Reihe von Maßnahmen benannt, die zur Minderung der Akutsituation beitragen sollen. Die ersten davon wurden bereits im Vorfeld zur Sitzung umgesetzt.

  • Grösserer Preisbereich im Falle von Knappheitssituationen
    Erhöhung Preis-Cap für Tertiärregelenergie (TRE) von 3’000 auf 9‘999,99 €/MWh
  • KW Illwerke können für Redispatch Massnahmen genutzt werden
    Entspannung Netzsituation Nordostschweiz
  • Stabilisierung des Netzes als Reaktion auf die angespannte Netzsituation
    Anpassung Instandhaltungsplanung an aktuelle Netzsituation

Wie ist es zu dieser Situation gekommen?

Auf Seite 13 der verlinkten Präsentation findet sich ein Zwischenfazit. Dieses zeigt, dass die bereits umgesetzten Maßnahmen ihre Wirkung entfalten, jedoch die Ursachen nicht lösen.

 … Vergrösserung der Abweichung der Füllstande Speicherseen zum langjährigen Median

… Wetterlage weiterhin ungünstig für Wasserkraft (zu trocken) …

… Nagelprobe steht bei der nächsten Kälteperiode noch bevor (vor allem in FR) …

… Weitere Anstrengungen sind erforderlich, um für alle möglichen Szenarien (Kältewelle, Winterstürme, Kraftwerksausfälle, etc.) gerüstet zu sein …

Die Wasserkraft spielt traditionell in der Schweiz eine sehr hohe Rolle. Im Gegensatz dazu spielen andere Erneuerbare Energiequellen im Strommix eher eine untergeordnete Rolle. Photovoltaik oder Windkraft ist deutlich geringer ausgebaut als in Deutschland. Prekär wird die Situation, da man die Wechselwirkung der verschiedenen Erzeugungsarten gerne auch in Deutschland nutzt um den europäischen Strommarkt weiter voran zu bringen.

EU EnergieUnion

Unterschiedliches Verständnis per Übersetzung
Unterschiedliches Verständnis per Übersetzung

Kaum jemand wird sich die Mühe machen, die Übersetzungen in beiden Sprachen zu lesen. Auf Twitter hatte Jerabek Jiri dieses Fundstück veröffentlicht und dazu kommentiert:

„The German, Dutch, Swedish and Danish translations say no money for nuclear, rest of languages say the opposite“

Diese kleinen Unstimmigkeiten in der Kommunikation werden zwar die Lage in der Schweiz auch nicht ändern, können allerdings ein Indiz sein, dass es zukünftig in ganz Europa beim Thema Versorgungssicherheit per Lobbyeinfluss zu sehr vielen Verständnisschwierigkeiten kommen wird.

Das Britische The House of Lords ging in der vergangenen Woche mit ihrer Forderung zur EnergieUnion bereits in die nächste Deutungsrunde.

… notes that the EU-wide binding renewables target of at least 27% by 2030 has been agreed with the intention of increasing the diversity of supply and reducing the EU’s dependency on imported and domestic fossil fuels. But without an effective, transparent, accountable, and legitimate governance mechanism, the significance of the target is considerably diminished, the incentive to Member States to be ambitious is weakened, and any prospect of achieving the overall objective is jeopardised…

Diese zwei „Kleinigkeiten“ können zwar den Bürgern in der Schweiz egal sein, zeigen aber, dass man immer noch im „Theater für den Bürger“ Modus agiert, anstelle endlich zusammen an Lösungen zu Arbeiten. Kleinstaaterei gepaart mit Renditeoptimierung.

Den Beitrag "Schweiz: Furcht vor Versorgungslücke im Stromnetz durch Klimawandel offline Lesen:

Ein Gedanke zu “Schweiz: Furcht vor Versorgungslücke im Stromnetz durch Klimawandel

  1. Eigentlich sind die schweizer AKWs schon pleite, wenn man das legal betrachtet:

    http://www.woz.ch/1601/atomkraftwerke/schleunigst-sanieren-oder-konkurs-anmelden

    Die schwedischen AKWs sind das auf jeden Fall sagt der “ generation CEO “ von Vattenfall:

    http://www.svd.se/vattenfall-reaktorer-kan-stangas-i-fortid/i/senaste/om/naringsliv

    Alle schwedische AKWs operieren nur noch mit Zuschuessen. Schuld sind die EE und die Steuern. Sagt der Finanzminister (zwinker zwinker).

    Die brandenburger SPD bereitet sich auf einen Turboausstieg aus der Braunkohle vor:

    http://www.pnn.de/brandenburg-berlin/1038113/

    Was dann der staatlich-schwedische Konzern noch wert ist … und ob die Eurozonenlaender da helfen koennen?

    In Belgien laufen seit heute wieder alle 7 Atomreaktoren paralel – und der Strompreis ist voll in den Keller gerauscht :)
    So sieht Energiewende aus.

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