Zugegeben, bei der Klimakonferenz in Paris ist mehr herausgekommenen als vorher befürchtet. Gerade die Politiker feiern sich nun gegenseitig, denn mit einem Konzens wie „Die Staaten sollen sich anstrengen, das zu erreichen“ darf sich jeder als Sieger fühlen. Ein Erfolg ist mit Sicherheit, dass man verstanden wird, wenn man von Dekarbonisierung spricht (auch wenn die Rechtschreibprüfung das Wort noch nicht kennt).  Wenn alle nun auf dieses Ziel schauen, dann verliert man andere Ziele aus dem Auge.

In Deutschland wurde die Energiewende lange aus dem Blickwinkel des Atomausstiegs definiert. Die neue Weltrettung auf  31 Seiten ist bei einem Punkt erstaunlich offen „Auch aus dem Netz kommt in der Zukunft zu 100 Prozent Ökostrom“ (taz) ist ein Wunschdenken, was wohl eher „100 Prozent CO2-neutraler Strom“ heißen sollte.

Das Deutsche Atomforum e.V. deutet die Ergebnisse von Paris für sich:

 „In vielen Staaten ist die Kernenergie auch langfristig Bestandteil der Energie- und Klimastrategie. Zusammen mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien kann sie ein maßgeblicher Teil der Klimapolitik sein, wo Akzeptanz besteht und die Rahmenbedingungen stimmen“, so Dr. Ralf Güldner, Präsident des DAtF.

Mit rund 11% an der globalen Stromerzeugung, sieht der gemeinnützige Verein die Kernenergie nach der Wasserkraft als zweitsichtigste Quelle für CO2-armen Strom.  Allein der Hinweis, dass es nicht um CO2-freien Strom geht, zeigt die Weitsicht des Vereins, dass man Atomstrom als Klimaretter sieht und von den Fehlern der anderen gelernt hat. Die Ablehnung von Greenpeace für Elektroautos beruht zum Beispiel auf der fehlerhaften Darstellung mancher Hersteller, dass diese „Zero-Emission“ hätten.

Es gibt das Gedankenkonstrukt, dass alles von der Wirtschaft ausgeht und somit auch ein Vorhaben wie der Atomausstieg eine Reaktion des Marktes auf eine Übersättigung ist. Der politische Vollzug in Deutschland somit lediglich eine Reaktion zur bürgerlichen Legitimation. Im Jahre 2015 wird eine der modernsten Volkswirtschaften der Welt einen Anteil von ~11% Atomstrom im Jahresmix haben – just die gleiche Menge, wie es der weltweite Schnitt scheint. Der Aufbau von Strom aus Wind und Sonne somit über Jahre in Deutschland fälschlich mit dem Atomausstieg in Verbindung gebracht, anstelle es einer vorausschauenden Dekarbonisierung zuzuschreiben.

„In Deutschland werden die Kernkraftwerke im Rahmen ihrer Laufzeiten weiter verlässlich ihren Beitrag zur Emissionsminderung und zur Stromversorgung erbringen wie in den vergangenen Jahrzehnten“, so Güldner weiter.

und

„Industrie und Forschung in Deutschland werden mit Ihrem Know-how bei der sicheren und friedlichen Nutzung der Kernenergie weiter einen Beitrag zur Klimapolitik leisten, dort wo die Kernkraft ein Bestandteil der Energiezukunft bleibt oder werden soll“, erklärt Güldner.

Es ist die Position eines Verbandes, der ein klares Ziel verfolgt. Das Thema Endlager und Risiken nicht anzusprechen scheint legitim. Weniger legitim ist es zumindest aus Sicht von blog.stromhaltig eine Manipulation der Prämissen für die Energiewende herbeiführen zu wollen. Spricht man von einer Strahlenbelastung über viele Hundert Jahre, dann sollte man auch Entwicklungen wie das von SGCC angekündigte weltweite Stromnetz genau im Blick behalten, bevor man sich als Klimaretter positioniert.

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4 Gedanken zu “Deutsches Atomforum nennt Pariser Klimavertrag einen Meilenstein der Kernenergie

  1. Was ein Glück, dass schon seit gut drei Jahrzehnten weniger Uran gefördert wird, als von den Reaktoren weltweit verheizt wird und der Rest vor allem aus der Abrüstung von Atomwaffen -aber auch Lagerbeständen- gedeckt wird.

    Eindrucksvolle Grafik vom Welt-Lobby-Verband der Atomfreunde.

    Da sich das auch bei denen schon herumgesprochen hat, dass es so nicht mehr lange weitergehen kann, kamen sie auf die abstrusen Rektor-Designs, die dann wahlweise mal Thorium verheizen können, mal neuen Brennstoff erbrüten. Erste funktionieren praktisch aber nirgends und selbst bei AREVA ist man sich sicher, dass man bis Ende diesen Jahrhunderts solche Reaktoren nicht entwickeln kann. Von Zweiterem gibt es zwar einige Vertreter, aber deren Brutraten stehen auch nur auf dem Papier und in der Praxis erbrüten sie weniger neuen Brennstoff, als sie verbrauchen.

    In eben jenen vergangenen drei Jahrzehnten schwören die Atomlobbyisten den Wendepunkt, die Renaissance der Atomkraft herbei, alleine die Fakten belegen die Stagnation der Branche.

    So möchte ich mich der Ignoranz der Atomlobby anschließen und erst gar nicht nach Rückbau, Endlagerung, Versicherung oder Reaktor-Überalterung und all den anderen brennenden Frage stellen, sondern nur ganz kurz Fragen:
    Wie die sich das eigentlich mit der Brennstoffversorgung nach 2030 eigentlich vorstellen. Das dürfte in etwa der Zeitpunkt sein, an dem all die Uranüberschüsse die seit Anbeginn gefördert wurden verheizt sind. Ab dem Zeitpunkt muss dann Förderung und Bedarf der Reaktoren gleich hoch sein, oder die Anlagen stehen eben einfach nur still.

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  2. Sozusagen „alle Jahre wieder“ – woher am Tag „X“ noch genügend Uran hernehmen ?

    Nun da hät ich was – einmal oben „Rainer“ klicken – hab den Inhalt dort nochmal „angereichert“ (mit Zitaten hat es WordPress ja nicht so…)

    „bis zu 700 Gramm Uran pro Tonne “ – „Zwischen 1951 und 2005 sind über die Phosphat-Düngung auf deutschen Äckern insgesamt 10.000 bis 13.000 Tonnen Uran ausgebracht worden“

    Das schreit nach Bergbau – Tagebau – für „saubere Energie“ tun wir ja alles … Weg mit dem sowieso flachen Norden ! Wir werden zum Uranexporteur. Mit EE können wir das Zeug ja vollkommen sauber (zurück)gewinnen (ein wenig mehr PtG muss allerdings schon sein).

    Die bei uns überflüssigen AKW verkaufen wir stückweise in dankbare Entwicklungsländer….

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    • Nette Idee das mit den Phosphaten.In der URENCO Datenank der IAEA finden sich da glatt eine handvoll potentieller Standorte. Deren Urangehalt ist geringer als der einiger tausend anderer (potentieller) Lagerstätten…die Gesamtmenge Uran in diesen Phosphatlagerstätten hilft dann leider auch nicht weiter.

      Uran aus Phosphat hat noch nie wirtschaftlich funktioniert, das ist die Utopie die in der Machbarkeit direkt vor Uran aus Meerwasser rangiert.

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