Zuletzt hatte sich im September der Umwelt und Energieminister des Landes Baden-Württemberg Franz Untersteller bei Dialog-Energie-Zukunft für einen sogenannten Fokussierten Kapazitätsmarkt ausgesprochen. Ein Design für einen Strommarkt, welches federführend auf eine Studie von Dr. Felix Chr. Matthes (Öko-Institut) aus dem Jahre 2012 im Auftrag des  WWF zurückgeht und seither  mehfrach überarbeitet wurde. Experten sprechen von 5-6 Milliarden Euro an Kosten für die Einführung dieses Marktdesigns.

Große Zahlen in einer schwierigen Materie. blog.stromhaltig wollte vom zuständigen Ministerium des Landes wissen, was der fokussierte Kapazitätsmarkt für die Bürger bedeutet?

Der Bürger hat mit dem Marktgeschehen in der Regel nichts zu tun. Er zahlt die Stromrechnung und hat nur wenig Einfluss auf die Höhe. Die Entscheidung für oder gegen ein Marktdesign ist daher vor allem eine Frage des Preises.

Welche Auswirkung hat der fokussierte Kapazitätsmarkt auf die Letztverbrauspreise der Stromkunden?

„Alle Kapazitätsinstrumente sind – wie auch der Energy-only-Markt – mit Kosten verbunden. Dabei müssen einerseits die direkten Kosten für Kapazitätszahlungen sowie die (Differenz-) Kosteneffekte auf den Energy-only-Märkten, d.h. ein niedrigeres Preisniveau betrachtet werden. Denn durch den Verzicht auf Kapazitätsmärkte wird das Angebot im Energy- Only Markt verknappt und die Preise steigen.“

Besonders den letzten Satz muss man zweimal lesen, um ihn zu verstehen. Aus hiesiger Sicht will das Ministerium hier sagen, dass die Preise auf einem Energy-Only Markt steigen, wenn eine mögliche Verknappung des gehandelten Gutes vorliegt. Klar muss sein, dass dies auch für den umgekehrten Fall gilt, dass bei einem zu großen Angebot der Preis nach unten geht. Fügt man zusätzlich zum bestehenden Energy-Only Markt einen Kapazitätsmarkt ein, so kann es nicht mehr zu einer Verknappung auf dem Energy-Only-Markt kommen. Bei vorhandenem Kapazitätsmarkt bleiben die Preise auf dem Energy-Only-Markt niedrig – auch bei Knappheit. Energy-Only-Markt wird gerne synonym mit dem Spotmarkt verglichen. Niedrige Spotmarktpreise führen zu einem Ansteigen der EEG-Umlage, welche durch den Stromkunden zu bezahlen ist. Zusätzlich zur erhöhten EEG-Umlage ist durch den Letztverbraucher auch die Kosten für den Kapazitätsmarkt aufzubringen, welche bislang nicht bezahlt wurden.

Gezielt auf den fokussierten Kapazitätsmarkt schreibt das Ministerium:

„Der fokussierte Kapazitätsmarkt führt zu höheren Kapazitätszahlungen als eine strategische Reserve, dafür aber zu niedrigeren Marktpreisen. Im Vergleich zu einem umfassenden Kapazitätsmarkt sind die Kapazitätszahlungen geringer, der Preiseffekt aber auf einem ähnlichen Niveau. Der Energy Only Markt führt dagegen zu höheren Preisrisiken führt, da durch die Angebotsverknappung Preisspitzen entstehen könnten.“

Die Kapazitätszählungen der strategischen Reserve beliefen sich im Jahre 2013 auf 1,1 Milliarden Euro. Die Marktpreise sind auch im Spätjahr 2015 im Keller, sowohl bei den langfristigen Kapazitätsmarkt ähnlichen Geschäften der Terminbörse EEX, als auch bei den Energy-Only-Markt ähnlichen Geschäften der EPEXSpot. Stromlieferanten für private Stromkunden haben bislang noch keine Pressemitteilungen veröffentlicht, dass sie mittelfristig mit einem Anstieg der Strompreise an den Handelsplätzen rechnen.

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6 Gedanken zu “InfrastrukturBW: Fokussierter Kapazitätsmarkt

  1. Den essentiellen Unterschied oder Vorteil eines „Kapazitätsmarktes“ und/gegenüber des „Terminemarktes“ konnte mir noch keiner plausibel erklären. D.h. außer der offensichtlichen Tatsache, dass der Kapazitätsmarkt leistungslose Einkünfte zusätzlich zu den Terminmarktgeschäften generiert.

    Nachdem die Terminmarktpreise zur Lieferung von Grundlaststrom im Oktober 2016 gegenwärtig bei 2,91 ¢/KWh liegen und auch für die Lieferung an jedem x-beliebigen Tag bis 2020 nicht die 3,5 ¢/KWh Marke überschritten wird, fällt es schwer zu glauben, dass auf absehbare Zeit irgendwelche Kapazitätsreserven benötigt werden. Bei den bereits abgeschlossenen Kontrakten darf man davon ausgehen, dass die Kontrakte auch erfüllt werden und offensichtlich gibt es auch ausreichend Anbieter, die noch weitere Terminkontrakte abschließen wollen, trotz des niedrigen Preises und trotz der Tatsache, dass Kraftwerke (insb. AKW) vom Netz gehen werden.
    Die Stromversorgung wenn Wind und Sonne nicht mitspielen ist gesichert, selbst wenn die Preise noch weiter fallen und sich immer noch mehr Kraftwerke nicht mehr rechnen werden, denn solange die Preise fallen gibt es Überkapazitäten und wenn Kraftwerke stillgelegt werden, dann ziehen die Terminmarktpreise auch wieder an.

    Selbst eine enorme Zurückhaltung seitens der Beschaffung von Strom über Terminkontrakte, also wenn die Händler darauf spekulieren, dass es in Zukunft günstigen Wind und Sonnenstrom geben wird und diese Erwartung wetterbedingt dann nicht erfüllt wird, stellt überhaupt kein Problem dar. Wer „vergessen“ hat seinen Strom zu beschaffen, der bekommt eben keinen Strom und es muss keiner glauben, die Händler wüssten nicht ganz genau, was es kostet zu wenig Strom zu haben und dementsprechend „die Produktion“ herunter zu fahren (aka Mechanismen der Lastverschiebung umzusetzen.)

    Wäre die Verfügbarkeit von Strom in absehbarer Zukunft ein Problem, das „die magische Hand“ des Marktes selbst nicht mehr lösen kann und das unbedingt einen Kapazitätsmarkt erfordert, so hätten das irgendein Versicherungsmathematiker oder cleverer Geschäftsmann schon längst errechnet und es gäbe von ganz von alleine einen Markt für „Stromversorgungsversicherungen“ oder „Stromerzeugungskapazitäten“. Beides zwei ganz simple Produkte, ersteres nur eine finanzmathematisches Konstrukt, zweiteres nicht mehr als ein Notstromaggregat oder gar eine eigenes Kraftwerk (wie es Abgas-VW schon seit langem vormacht.)

    Also warum nochmal muss die Politik Dinge neu erfinden, die es schon lange gibt? Warum sollte ein „One-size-fits-all“-Hirnfurz wie der Kapazitätsmarkt einer für den konkreten Anwendungsfall spezifischen Lösung wie Termingeschäft, Versicherung oder Eigenproduktion die schon längst entwickelt wurden überlegen sein?
    Es gibt nur einen Grund, man kann damit die Kosten andere -die, im Gegensatz zur Versicherung, kein gleichgelagertes Intersse daran haben- abwälzen. Kurzum, die Allgemeinheit soll die Risiken übernehmen, damit einige wenige sich sorgenfrei die Taschen vollstopfen können.

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  2. Der essentielle Unterschied zwischen Kapazitäts- und Terminmarkt liegt darin, dass der Terminmarkt längerfristige Lieferungen abdeckt (Tag, Woche etc. oder zumindest größere Stundenblöcke), wohingegen durch den Kapazitätsmarkt kurzzeitige Peaks bedient bzw. dann abgefangen würden.

    Im Terminmarkt wird auch längst nicht die komplette benötigte Erzeugungsleistung gehandelt. Die Lücken werden durch den Spotmarkt und andere Geschäfte gefüllt. Kein Mensch verkauft z.B. Gaskraftwerksleistung am Terminmarkt. Hierfür dient der Spotmarkt. Und genau der reicht schon jetzt längst nicht mehr, um genügend Kraftwerksleistung zu finanzieren. Und das wird in Zukunft nicht besser werden.

    Der Terminmarkt ist deutlich träger und es ist meiner Meinung nach nicht klar bzw. gesichert, dass er genügend Anreize schaffen wird, um in Zukunft ausreichende Kapazität vorzuhalten. Das mag momentan noch alles passen, aber bei weiterem Abbau von gesicherter Kraftwerksleistung (der nötig ist) und steigender erneuerbarer Produktion, wird der Energy-only-Markt komplett anderen Realitäten ausgesetzt sein und da ist es zumindest fragwürdig, ob er da seinen Zweck erfüllen wird.

    Erst recht, da durch die politischen Entscheidungen der letzten Jahre jegliches Vertrauen der Investoren flöten gegangen ist und wohl niemand für 20 Jahre in Erzeugungskapazität investiert, in der Hoffnung die Polititk wird in dieser Zeitspanne alles so belassen wie momentan versprochen. Diesem Risiko setzt sich doch niemand aus. Da gibt es bessere Alternativen zum investieren.

    Ein Modell zum Bereithalten von gesicherter Leistung wird so oder so kommen. Entweder offiziell als koordiniertes, abgestimmtes Gesamtdesign oder irgendwie schleichend. Schleichend bedeutet dann über strategische Reserven (evtl. noch lokal), über gesonderte Eingriffe oder Kapazitätsmaßnahmen durch die Netzbetreiber oder indem sich irgendwann im Extremfall jeder Betrieb und jede Kommune einen Notstromdiesel beschafft. Oder, oder, oder…

    Und auch die Kosten hierfür müssen dann von den Stromkunden getragen werden. Die Frage ist, wie sich diese Kosten möglichst gering halten lassen, also das Strommarktdesign möglichst effizient gestaltet wird. Ich denke die große ganze Lösung ist da effizienter als ein unkoordiniertes Klein-Klein aller Marktteilnehmer.

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  3. ROFL, was ist an der einfachen ökonomischen Wahrheit, dass keiner die stillstehenden Kraftwerke von E.On, RWE und Konsorten präventiv zur „Sicherheit“ anmieten will, nicht zu verstehen?
    Jedweden Wert oder Nutzen den es hat, rechtfertigt schlicht nicht den Preis, sonst gäbe es von ganz von alleine einen Markt oder entsprechende Kontrakte. Da es keine derartigen Deals gibt, ist anderes (wie Stillstand im Werk, effiziente Planung des Bedarfs, uvm.) offensichtlich die ökonomisch günstigere Alternative.

    Freilich investiert keiner mehr in einen Kraftwerkskoloss, samt unflexiblen Monsterstromtrassen, weil die offenkundige ökonomische Wahrheit ist, dass davon schon viel zu viel rumsteht, mehr als irgendwer benötigen würde.

    Die Frage ist nicht, welches Modell für gesicherte Leistung kommen wird, davon gibt es schon unzählige, die Frage ist auch nicht, wie viel gesicherte Leistung man braucht und bezahlen muss, weil gesicherte Leistung immer ein kostenfaktor ist, fragt jeder Wirtschaftsingenieur von vorneherein, nur auf wie *wenig* er seinen Bedarf an gesicherter Leistung reduzieren kann und wo er diesen Restbedarf am günstigsten Decken kann und diese Antwort ist heute nicht der gigantomane Kraftwerkskoloss, denn dann würde ja jnoch jemand in die Dinger investieren!

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  4. Wie gesagt, es geht nicht um heute oder die nahe Zukunft. Die aktuelle Lage ist bekannt und für jeden ist offensichtlich, dass es Überkapazitäten gibt und es daher notwendig ist Leistung abzubauen. Das Signal gibt der Marktpreis eindeutig und es funktioniert ja auch.

    Es geht aber um die zukünftige Situation am Strommarkt – physisch und kaufmännisch. Hier wird sich noch zeigen, ob die jetzt angedachte Lösung funktioniert oder es doch nicht ausreicht. Und ob man nicht vielleicht eine günstigere Lösung hätte finden können, statt wieder teure, schnelle Notlösungen oder unstrukturiertes Klein-Klein, weil alle wieder wie aufgescheuchte Hennen herumspringen.

    Warten wir mal 10 Jahre ab und sprechen dann nochmal drüber 😉

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  5. Du traust den einzelnen Akteuren also nicht zu, für längerfristige Zeiträume die (kosten) günstigste Lösung für ihren Energiebedarf zu finden?
    Du glaubst Du hast die Weisheit für Dich (und alle andrren) gepachtet und kennst die günstigste Lösung, respektive die „Sicherste“?

    Bitte, ich glaub Dir das gerne, geh und investiere in „Deine Zukunft“, aber mach es mit Deinem eigen Geld, nicht mit dem der anderen!
    Wenn Du recht hast, wird es sich für Dich auszahlen, wenn ich recht habe, wiederholst Du nur exakt die selben Fehler die die Energiekonzerne zu hauf gemacht haben, seit das Stromversorgung privatisiert wurde.

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  6. Okay, jetzt hast du endgültig bewiesen, dass du weder meine Beiträge lesen respektive verstehen kannst. Und auch nicht in der Lage bist vernünftig zu diskutieren oder zu argumentieren.

    Von daher werde ich auf keinen Kommentar mehr von dir reagieren. Nutzlos. Never feed the Trolls.

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