Als im Jahre 2006 ein Stapellauf in Pappenburg halb Europa das Licht ausknipste, bekam man in Baden-Württemberg davon nichts mit. Dank eines cleveren Schachzuges beim Übertragungsnetz der EnBW (heute TransnetBW) wurde das Bundesland zur Insel mit Strom. Ein wichtiger Standortvorteil, der leider in den fast 10 Jahren nach dem Ereignis verspielt worden ist. Lediglich in 289 Stunden, von 6.930 Stunden mit gültigen Messwerten im Zeitraum vom 05.01.2015 bis 05.11.2015, wurde mehr Strom erzeugt, als benötigt.

Baden-Württemberg (05.01.2015-05.11.2015)

Autarkiequote (Zeit) 9,9%
Eigenverbauchsquote 88,25%
Erzeugung 42,5 TWh
Eigenverbrauch 37,51 TWh
Einspeissung 0,36 TWh
Bezug 8,88 TWh

Das Bundesland braucht heute den FlüchtlingStrom der Nachbarländer, damit die Bevölkerung mit ausreichend elektrischer Energie versorgt  werden kann.

Autarkie und Strombezug des Landes Baden-Württemberg
Autarkie und Strombezug des Landes Baden-Württemberg

Vom Umweltministerium des Landes wollte blog.stromhaltig in Anbetracht der Entwickung wissen:

Kann Baden-Württemberg mit elektrischer Energie aktuell selbst versorgt werden? Welche Einschränkungen sind gegeben bzw. sind zu erwarten?

BW ist nicht autark und ist es nie gewesen. Schon immer war BW ein Stromimportland, eine Tendenz, die sich eher verstärken wird.

Derzeit liegt der Bruttostromverbrauch in Baden-Württemberg bei rund 80 TWh, davon erzeugen wir bei uns im Land nur etwa 60 TWh. Von einer Autarkie sind wir also weit entfernt. Autarkie ist aber auch nicht unser energiepolitisches Ziel und in einem europäischen Strommarkt besteht dafür auch keine Notwendigkeit.

Diese verstärkende Tendenz ist eigentlich schade, wollte man doch mit der Energiewende auch die dezentralen Aspekte entwickeln. Eine Abhängigkeit vom europäischen Verbundnetz wird es tatsächlich immer geben, wenn eine 100% Versorgungssicherheit gewährleistet werden muss. Trotzdem ist ein Streben die Abhängigkeiten zu reduzieren für Bürger und Industrie empfehlenswert.

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Ein Gedanke zu “InfrastrukturBW: Baden-Würtemberg hat keine Selbstversorgung mit Strom

  1. Jaja, aber die neuen Stromleitungen sollen quer durch Bayern laufen, damit die Lichter in Baden Württemberg nicht ausgehen, wenn man Gundremmingen abstellt. 😉 Was war die Aufregung groß, als der Seehofer anregte die geplante Nord-Südtrasse einen längeren Abschnitt durch BW zu führen …

    Das schlimme ist ja nicht, dass BW nicht autark ist, das schlimme ist, dass es bilanziell ein Defizit hat. Da gibt es also in einem Bundesland einen grünen Ministerpräsidenten und der bekommt es nicht auf die Reihe, dass mehr als 1% des Nettostrombedarfs aus der Windkraft stammt. Ein Armutszeugnis für ein Flächenland, wenn es in dem Bereich nur knapp vor den Stadtstaaten Berlin oder Hamburg auf dem „Relegationsplatz“ rangiert und sogar noch von „Zweitligisten“ wie dem österreichischen Burgenland oder Niederösterreich 2:1 (in absoluter installierter Leistung) vom Platz gefegt wird.

    Klar besteht keine Notwendigkeit dafür die fehlenden 20 TWh/a im eigenen Land zu erzeugen, das wären ja die Leistung von ca. 2 modernen Kernreaktoren … oder ziemlich genau 66% der gegenwärtig noch in Bayern betriebenen 3 AKW. Was ein Glück das der Doppelblock Gundremmingen nur knapp hinter der Landesgrenze im bayerischen Schwabenland steht.
    Nicht dass die zweitligisten aus Österreich da viel besser sind, die importieren auf 16 TWh/a aus Bayern, nur dass sie wenigstens mit ihrer Wasserkraft auch 12 TWh/a zurück liefern, wenn es darauf ankommt.

    Was mich persönlich an der Aussage aus dem Umweltministerium wirklich stört ist, dass es ja im „europäischen Strommarkt“ gar nicht darauf ankäme, aber man dort offensichtlich nicht mitbekommen hat, dass sie den Oettinger als Energiekommisar nach Brüssel geschickt haben, womit ausgerechnet derjenige, der das Desaster bei der Stromversorgung in BW (mit) zu verantworten hat, dort den europäischen Strommarkt ruiniert konnte.

    Aber macht ja nichts, nachdem Ilse Aigner erst kürzlich vorrechnete Bayern würde nach dem Abschalten der restlichen AKW seinen Strom zu 50% importieren, glaubt man wohl auch in BW man könne das ebenso machen, weil die Bayern ja ohnehin für die Leitungen sorgen müssen. Dann ist sie beisammen, eine Schwarz-Grüne Koalition aus Windkraftverweigerern die das Ländle und Oberland nicht verspargelt sehen wollen … in dem Reigen fehlt dann nur noch der rote Kohletanzbär, der seinen braunen Strom aus der Lausitz irgendwie an den Mann bringen will, um seine 1,6 Mrd. Klimareserve gewinnbringend zu verkaufen. Damit das auch wirklich klappt, wird auch mal die irrsinnig ausufernde Speicherförderung die inzwischen schon 0,025 Milliarden € jährlich kostet zum Jahresende gestrichen.

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