Alles schaut auf die Stadt der Liebe, des Terrors und ab Montag auch der Welt-Klimakonferenz. Per Crowd-Funding wird  sichergestellt, dass der interessierte Ökojunkie hautnah dabei sein kann. Endlich handeln, fordern die Blogger bei der SMA. Ganz ehrlich: Wir wissen doch jetzt schon, dat wird nix…

Klimakonferenz um Klimakonferenz das gleiche Schauspiel. Im Zeitalter des Internets aus der ganzen Welt Medienvertreter einfliegen zu lassen, ist ein Desaster. Die Politiker ebenfalls. Es kennt jeder die Bilder von schmelzenden Gletschern und Polen. Ja, es muss gehandelt werden – aber die Klimakonferenz ist dafür der falsche Rahmen.

14 months after Ban Ki-moon Summit in New York, the coalitions of non state actors (cities, companies, foundations, researchers, investors, NGOs…), the so-called „Lima Paris Action Agenda“, have grown unexpectedly, gathering over 10.000 instances of participations. Additional large cooperatives initiatives will be launched in Paris. They are already delivering results on the ground.

Das Problem, vor dem man steht ist, dass die tatsächlichen Verursacher von Klimaschäden nicht zur Verantwortung gezogen werden. Ein Weltklimavertrag wird nur wenig bringen, denn er regelt Verantwortung auf Basis von Nationalstaaten. Ein solcher Vertrag kann und soll nicht an die Wurzel gehen: Die Wirtschaft. Die Wirtschaft als Sammelbecken sehr vieler Unternehmen, die in freien Marktwirtschaften auch frei handeln und entscheiden können. Beim Thema Steuern und deren Fluchtursachen kann man sehr schön erkennen, wie gering die „Macht“ der Nationen über das Kapital ist.

„Von Paris muss ein ermutigendes Zeichen ausgehen, dass sich die internationale Staatengemeinschaft endlich der Herausforderung des Klimawandels stellt“, Barbara Unmüßig und Ralf Fücks, Heinrich-Böll-Stiftung

Die internationale Staatengemeinschaft ist das Sammelbecken der Weltbürger, die jedoch genauso Konsumenten, Arbeitskräfte und Investoren in ihrem anderen Leben sind. Klimaschutz muss sich rechnen, damit er eine Chance auf Erfolg hat. Strafzahlungen, wie der Handel mit CO2-Zertifikaten, sind jedoch auch hier der falsche Weg.

Anstelle einen Klima-Flashmob mit Politikern in Paris zu veranstalten, sollte man Wirtschaftsberater und Rechtsanwälte der ganzen Welt zusammenbringen. Die Wirtschaftsberater sollen zeigen, welcher Profit aus nachhaltigem Handel generiert werden kann. Die Rechtsanwälte sollen Mittel und Wege der aktiven Strafverfolgung über Landesgrenzen ausarbeiten. Das Klima ist der Tatort, bei dem ei Verbrechen verübt wird – die Täter sind jedoch frei von Verfolgung, da es keinen Ankläger geben kann (von sehr vielen Einzelfällen abgesehen).

Erst wenn wir aufhören, die Politik,Medien und Umweltorganisationen mit Aufmerksamkeit zu würdigen, wenn diese #COP21 zur Bühne erklären, wird sich etwas ändern. Alle drei Gruppen haben ihr Ziel bereits erreicht, wenn Sie in Paris „gesehen“ werden. Klimakonferenzen unterscheiden sich dabei nicht viel von Oscar-Verleihungen. „Daseinsberechtigung oder direkte Demokratie?“ wurde hier bei blog.stromhaltig in einem ganz anderen Zusammenhang bereits gefragt.

So lange wir (Bürger, Medienkonsumenten) es tolerieren, werden Veranstaltungen wie die Klimakonferenz nichts anderes sein, als eine Pflichtveranstaltung, auf der man eben dabei gewesen sein muss, damit die Wähler (Politik), Spender (NGOs), Werbetreibenden (Medien) beim Rechenschaftsbericht sehen, dass man etwas getan hat.

Den Beitrag "Falsches Setting macht #COP21Paris zum Rohrkrepierer - #Blogchallenge offline Lesen:

4 Gedanken zu “Falsches Setting macht #COP21Paris zum Rohrkrepierer – #Blogchallenge

  1. Nur ist die UN und damit die Klimakonferenzen die einzige Instanz, die diesem Wahnsinn Einhalt gebieten könnte.
    Von alleine, ob per staatlichen Selbstverpflichtungen, Förderprogrammen oder anderen Instrumenten, passiert gar nichts, im Gegenteil die Emissionen steigen.

    Die Industrienationen haben sich mit dem Kyoto-Protokoll von 1997 zur Reduktionen verpflichtet, manche haben sich dann davor gedrückt, andere die gesteckten Ziele nicht erreicht und manche haben es auch nur mit dem Outsourcen der Emissionen geschafft. Man kann das alles werten wie man will, aber einige haben ihre Emissionen ganz erheblich gesenkt, nur das Protokoll hatte einen entscheidenden Fehler, Schwellenländer und arme Nationen mussten sich zu nichts verpflichten. Das Scheunentor für die Rebound-Effekte, der weltweite Erdölverbrauch stieg seit 1997 um 16%, der von Erdgas um 51% und derjenige der Kohle um 72% …

    Ohne ein Kyotoprotokoll wäre es beim Verbrauch fossiler Energieträger wohl keinen Deut anders gekommen, nur dass wir dann heute immer noch WKA im Bereich von Kilowatt und nicht Megawatt hätten, die Solarpanels würden immer noch ein Vermögen kosten und bei den Akkuspeichern gäbe es nur die uralten Bleiakkus …

    Am Ende sind die Klimakonferenzen nur ein Spiegel der Weltbevölkerung, noch immer sind die meisten Menschen -wider besseren Wissens- nicht zum Klimaschutz bereit, denn Klimaschutz bedeutet in erster Linie vorwiegend Verzicht, verzicht auf „Teilhabe am Wohlstand“, denn es gibt -auf diesem Niveau des Konsums/Wirtschaftens- keine technische Lösung für das Klimaproblem, erst wenn wir ein paar Schritte zurück machen, kann der verbleibende Rest mit Umwelttechnologien beherrscht werden. Aber weder finden sich in DE oder anderen Industrienationen ausreichend Menschen, die ein paar Gänge runter schalten, noch finden sich in aufsteigenden und armen Ländern die Menschen, die nicht gleiches Recht (zur Teilhabe am Wohlstand) einfordern.

    Verantwortlich für die Klimaschäden ist jeder einzelne, da muss man das Problem nicht von sich selbst weg hin zur Industrie schieben, auch wenn man sehr viel zum Wandel beiträgt, Thorsten!
    Der Durchschnittsdeutsche hat alleine mit dem was er zur Ernährung braucht schon knapp 50% der „verträglichen“ 2 Tonnen CO2 pro Kopf und Jahr beisammen. Bleibt nicht mehr viel, für anderes existentielles, Nachdem das überwiegend die Folge von Fleischkonsum ist, könnte man Dich fragen, wie vegan Du bist … geht uns aber nix an und wenn Du vegan wärest, brauche ich auch nicht sonderlich lange um den nächsten Posten zu finden, bei dem eindeutig Du voll in der Verantwortung stehst. 😉

    Die Ergebnisse dieser Klimakonferenzen sind letztlich nur ein Spiegel unserer eigenen Bereitschaft zum Wandel. Klar, wir machen den Wandel, aber bitte nur dort wo es nicht weh tut …

    „Klimaschutz muss sich rechnen, damit er eine Chance auf Erfolg hat.“

    Niemand ist in der Position, um mit dem Klima zu verhandeln oder gar derlei Bedingen zu stellen! Ohne Klimaschutz gibt es keinen Obergrenze für die Klimafolgekosten, die Frage ist nur, ob wir wirklich auf die harte Tour herausfinden wollen, ab wann sich Klimaschutz von alleine rechnet und ob wir dann bereits den Tipping-Point überschritten haben, ab dem ein „runnaway-greenhouse-effect“ einen Fortbestand der Zivilisation in einer uns bekannten Form überhaupt noch ermöglicht.

    Die Klimakonferenzen sind kein (CO2-Emissions) Desaster, denn wenn Sie einen Erfolg hervorbringen, dann wird der betriebene Aufwand demgegenüber marginal erscheinen und den Preis wert gewesen sein. Und haben sie keinen Erfolg, dann ist der betriebene Aufwand auch nicht mehr als der ein Fliegenschiß in der Jauchegrube in der die Menschheit versinken wird.

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  2. Hallo Herr Zoerner,

    da gehe ich nicht mit Ihnen konform, denn die „Bühne“, die die Klimakonferenz bietet, wird auch intensiv genutzt, um das Thema Klimawandel in die Medien und damit näher an die Bürger zu bringen, die es leider zum großen Teil immer noch nicht begriffen oder verinnerlicht haben, dass jeder selbst einen Beitrag leisten kann und muss. Die Klimakonferenz hat schon im Vorfeld und wohl auch weiterhin viel Resonanz in Zeitungen, Magazinen, in Fernsehen und Radio erzeugt, nicht allein mit Vorberichten und Berichten, sondern mit vielfältigen Beiträgen zum Thema Klimawandel. Nur so wird das Thema für Viele sichtbar und begreifbar. Und wir können es nur schaffen, wenn möglichst Viele bereit sind, mitzumachen und Energie zu sparen.

    „Im stillen Kämmerlein“ mit Rechtsanwälten und Wirtschaftsberatern kluge Strategien „auszubaldowern“ ist eigentlich gar nicht mehr notwendig, das Wissen dazu liegt vor – dass z.B. nachhaltiges Wirtschaften sich lohnen kann, wurde wohl mindestens mehrfach belegt, schon in den Neunzigern mit der Studie „Faktor 4“ (https://www.nachhaltigkeit.info/artikel/faktor_4_686.htm) – aber wie die Menschen gewinnen? Dazu sind auch die richtigen staatlichen Rahmenbedingungen notwendig und hier können u.a. internationale Konferenzen einen wichtigen Beitrag leisten.

    Ob es auch nachhaltigere Möglichkeiten gäbe, eine Klimakonferenz durchzuführen, ist eine andere, wichtige Frage …

    Ich bin Vorstandsmitglied des „Netzwerkes Energiewende Jetzt e.V.“ (http://www.energiegenossenschaften-gruenden.de/vorstand.html), Gründungsmitglied zweier Energiegenossenschaften und Mitglied im Bündnis Bürgerenergien (BBEn), zudem im Bund Naturschutz sowie der Lokalen Agenda aktiv. Als promovierte Geografin beschäftige ich mich beruflich mit Nachhaltigkeitsthemen, aktuell mit Klimaschutz im Forschungsprojekt „W3 – regionale Energieflächenpolitik“.

    Mein Diskussionsbeitrag ist eine persönliche Meinungsäußerung und erfolgte nicht in Erfüllung meiner oben angeführten Funktionen bzw. Engagements.

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  3. @hein

    Gemessen an den Zahlen des Stockholmer Friendensinstituts werden weltweit jährlich 401 Mrd. Dollar mit Waffen umgesetzt, der Anteil Deutschlands an diesen Umsätzen beträgt 1,6%, das sind ~6 Mrd. Dollar.

    > http://www.sipri.org/

    Mit angenommenen 1500 Dollar pro KW-Peak kostet 1 GW Solarpanelen 1,5 Mrd. Dollar …
    Womit der vom dicken Tanzbär Sigi im BMWI ausgerufene PV-Ausbaukorridor deutlich unter dem liegt, was er so an Kriegswaffen-Verkäufen genehmigt … Pardon, Rüstungsgüter meinte ich, im BMWI unterscheidet man ja deutlich zwischen Kriegswaffen und Rüstungsgütern. sic.

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