Schaut man sich den Graphen eines Elektroenzephalogramm an, dann erkennt man bei einem lebenden Menschen sehr viel Bewegung. Das fehlen jeglicher Gehirnaktivität zeigt sich bei dieser medizinischen Diagnostik als konstante, starre Linie.  Beim Erneuerbaren Energien Gesetz und dessen Umlage  ist die Linie konstant über ein Jahr, was es sehr schwer macht einen anderen Nutzen als eine Kostenverteilung damit zu realisieren. Eine im Preis konstante EEG-Umlage verhindert die Schaffung von flexiblen Stromverbrauchern.

Die heutige EEG-Umlage ist daher dumm – die EEG Umlage des Strommarktes 2.0 ist noch dämlicher – und viele Ideen, die sich aus dem sogenannten dezentralen Leistungsmarkt ableiten schlicht weg unterirdisch.

Wie bekommt man Gehirnaktivität (auch bekannt als Intelligenz) in die EEG-Umlage?

In einer aktuellen Analyse beschreibt Enervis einige der Motivationen, gerade für flexible Verbraucher. Stromverbraucher, bei denen eine Unterbrechung der Versorgung nahezu egal ist – oder Verbraucher, bei denen auch eine kurzfristige Erhöhung der Leistungsaufnahme möglich ist. Elektroautos, Heizungen, Power-To-Gas – die heute bereits in der Fläche möglichen Applikationen, deren Einsatz sich allerdings auch rentieren muss. Es geht weniger um die Frage, wie man ein netzdienliches Verhalten dieser Geräte hin bekommt, als der organisatorische Rahmen, der als Werkzeug die EEG-Umlage verwendet. Ab dem Augenblick, bei dem der Beschaffungspreis (Erzeugungspreis), der im Börsenpreis ausgedrückt wird niedriger ist, als die Höhe der EEG-Umlage, kommt es zu einer Verzerrung.

„Die Verzerrung schlägt sich darin nieder, dass die betroffenen flexiblen Verbraucher Strom nicht so flexibel wie möglich und energiewirtschaftlich sinnvoll am Strommarkt beschaffen. Ihre Preisstellung für den Strombezug wird durch die Höhe der EEG-Umlage verzerrt, die Umlage stellt somit für diese flexiblen Verbraucher ein Flexibilisierungshemmnis dar. So führt beispielsweise die Belastung eines Elektroheizkessels mit der EEG-Umlage von rd. 60 €/MWh dazu, dass dieser Strom erst bei unter -80 €/MWh am Strommarkt einkauft. D.h. der Elektroheizer wird erst dann eingesetzt, wenn zuvor bereits Windmengen aus dem Marktprämienmodell marktgeführt abgeregelt wurden. Ohne EEG-Umlage würde der Elektroheizkessel Strom ab -20 €/MWh beziehen und damit bereits die Abregelung von Windkraftanlagen vermeiden.“ (enervis)

Negative Preise, oder sehr niedrige Preise müssen Anreize bieten, damit der Stromverbrauch selbst zum Geschäftsmodell wird. Der Elektroheizer ab Beispiel von Enervis, der Bitcoin-Miner welcher eine Power-2-Money Umwandlung vornimmt und in Form einer virtuellen Währung die Energie für einen späteren Zeitpunkt zwischenspeichert. Beide Modelle gehen nicht auf, wenn die EEG-Umlage nicht flexibilisiert werden kann.

„Die einfachste Form der Ausgestaltung der obigen Regelung wäre die Aufnahme eines zusätzlichen Privilegierungstatbestandes in das EEG. Hier könnten unterschiedliche flexible Verbraucher erfasst werden. (5) Die Auswahl und Abgrenzung der betroffenen Verbraucher wäre zu diskutieren. Ein solches Vorgehen hätte den Vorteil, dass hierdurch robust ein sinnvoller Anlageneinsatz auf den unterschiedlichen Strommärkten (day-ahead / intra-day / Regelenergie / potenziell auch Redispatch) sichergestellt wird.“

Sinnvoll, und realisierbar. Der kleine Stromkunde wird sich hieran wenig freuen können. Die Analyse von Enervis erinnert sehr stark an die Vorschläge, die uns von Fraunhofer und  Agora-Energiewende bereits bekannt sind. Die Börse wird als Richtschnur verwendet, die Knappheit über den Preis augestalten soll. Die Formulierung „potenziell auch Redispatch“ deutet im Text bereits darauf hin, dass  man den großen Design-Fehler einer Börsenorientierten EEG-Umlage sieht. Die Analysten hätten besser mehr Grundlagen für die Flexibilisierung geschaffen, als den Ausblick auf eine Lösung zu geben, die dem Stromkunden im Ende teuer zu stehen kommen würde.

An einer Börse funktioniert die Preisbildung nur dann, wenn ein möglichst großes Handelsvolumen vorliegt. Der Trend geht daher zu einer möglichst großen Preiszone, die an ihren Grenzen auch noch mit anderen Ländern gekoppelt wird. Deutschland und Österreich bilden eine Preiszone, welche mit vielen Nachbarn über PCR gekoppelt wurde. Große Gebiete mit gleichem Preis verursachen allerdings die sogenannten Redispatches, eine Maßnahme des Engpassmangements der Netzbetreiber. Der Traum von der Kupferplatte ist ein Traum und nicht das Ergebnis von Gehirnaktivität.

Der Gründstromindex (GSI) geht generell einen anderen Weg, denn er beschreibt lediglich ein Verfahren zur Findung lokaler, stündlicher Überschüsse/Unterdeckungen. Durch des GSI würde es möglich sein die EEG-Umlage für bestimmte Verbraucher flexibel zu gestalten, wobei sichergestellt werden kann, dass im Jahresverlauf dennoch die gesamten über die Umlage zu erzielenden Einnahmen generiert werden.

[Beitragsbild: Wikimedia]

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Ein Gedanke zu “EEG Umlage für flexible Stromverbraucher

  1. Erstaunlich, dass die allereinfachste Möglichkeit nicht gesehen wird. Man verlege die Abgabe EEG-Umlage vom Verbraucher auf die fossil-atomaren Erzeuger. Fertig.

    Damit wird man auf einen Schlag gleich mehrere ungewollte Seiteneffekte des bisherigen Systems los. Da die Beschaffungskosten so oder so auf den Verbraucher umgelegt werden, ändert sich für diesen unterm Strich erst mal nichts.

    Aber vor allem das Paradoxon, dass viel EEG-Strom die Höhe der Umlage/Forderung nach oben treibt ist damit gelöst, viel EEG-Strom bedeutet geringere (gesamt) Umlage.

    Die EEG-Umlagebefreiungen für Großverbraucher entfallen mit einem Schlag, die Kosten werden nach dem Verursacherprinzip auf alle Schultern verteilt. Und dennoch können Großverbraucher mit zielgerichteter Beschaffung (aka Lastverschiebung in Zeiten mit viel EE-Strom) enorme ökonomische Vorteile Nutzen.
    Da es dann vor allem die Großverbraucher sind, für die Anreize gesetzt werden, darf man davon ausgehen, dass damit auch die größten Potentiale zuerst erschlossen werden.
    Über einen Zeitraum von mehreren Jahren betrachtet, wird mit steigender EE-Versorgung und zweierlei Hinsicht attraktiver. Einmal weil die fossil-Atomare (Rest-)Stromerzeugung sinkt und damit die Umlage je KWh steigt, ein andermal, weil das Angebot an EEG Strom größer ist und damit die Nutzungsmöglichkeiten zunehmen.

    Auch das Speichern von EEG Strom wird damit ganz von alleine gefördert, Speicherstrom hätte gegenüber fossil-atomaren Strom einen finanziellen Vorteil in Höhe der EEG-Umlage.

    Für eine Zeitlang würde das sicher prima funktionieren, nur ob das auch jenseits von 50-60% Anteil EEG-Strom am Verbrauch noch funktionieren kann, ist mir nicht ganz klar, schließlich steigt die Umlage auf den fossil-atomaren Strom überproportional an.
    Der Wille die Höhe der Umlage je KWh gering zu halten, ist allerdings auch das Korrektiv, mit dem das durchaus nötiger Feedback auf die EEG-Vergütungen (Degressionsdruck) gegeben ist.
    Das System könnte also ab einem gewissen Punkt den fossil-atomaren Strom ratz fatz abwürgen, was zwar für das Klima gut wäre, aber ökonomisch oder aus Sicht der Versorgungssicherheit fatale Auswirkungen haben könnte.
    Genau so gut könnte das System aber auch ebenso schnell einen weiteren Ausbau der erneuerbaren abwürgen, indem wegen dem Anstieg der Umlage eine viel zu scharfe Degression für neue Anlagen gewählt wird.

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