Wertediskussion aus der Reserve der MoPoKo 1

Wertediskussion aus der Reserve der MoPoKo

Anlässlich der Maßnahmen im als Strommarkt 2.0 bekannt gewordenen Gesetzesvorhabens der Bundesregierung, hat die Monopolkommission einen eigenen Blick im Sondergutachten 71 Energie 2015: Ein wettbewerbliches Marktdesign für die Energiewende geworfen. „Besonders schlecht kommt die Kapazitätsreserve weg, mit deren Hilfe alte Kohlemeiler das Stromnetz stabilisieren sollen„, kann man bei EnWiPo lesen, wo ebenfalls auf das Gutachten eingegangen wurde. Neben der Einführung einer Kapazitätsreserve steht allerdings auch die Diskriminierung zwischen einzelner Energieträger bei den Ausschreibungen in der Kritik.

Erstaunt ist man jedoch, wenn man bedenkt, wie kurzfristig die Monopolkommission denkt. Die eigentliche Veränderung, die im am Strommarkt vorgenommen werden soll, wird hinsichtlich ihrer Auswirkungen nicht hinterfragt.

Physik OK – Markt ungenügend

Im Laufe des Jahres 2010 wurde der Beweiß erbracht, dass wir physikalisch genau verstehen, was benötigt wird um 50% Strom aus Erneuerbaren zu haben, ab 2013 wurden sogar 80% – 100% Szenarien durchgespielt. Von Seite der Netze ist man somit zumindest theoretisch gewachsen entsprechend der Vorgaben eine Veränderung in der Transportinfrastruktur vorzunehmen. Wie die einzelnen Szenarien allerdings ausgeprägt sind, ob und wie der Netzentwicklungsplan erfüllt werden muss, hängt sehr stark von den Anforderungen des Marktes ab. Ein Markt auf dem Werte ausgetauscht werden und welcher nicht zuletzt auch die Erneuerbaren Stromquellen integrieren muss.

Hinsichtlich der Versorgungssicherheit wird leider viel zu oft der Denkfehler gemacht, dass man mit dem heutigen Ausbaustand (Anteil Erneuerbaren von unter 1/3 im Jahresschnitt) bereits die Versorgung sicherstellen muss. Keines der vor Jahren gerechneten Szenarien geht davon aus, dass mit den heute verbauten Kapazitäten der Windkraft oder der Solarenergie dies möglich ist. Im Gegensatz zu den vorherigen Jahren geht die Monopolkommission in ihrem jetzigen Gutachten daher auch nicht näher auf das physikalische „wie“  ein, sondern beschränkt sich auf ihre Kompetenz die Auswirkungen auf den Markt zu bewerten.

Zwei Klassen von Strom

Die Kurzsichtigkeit der MoPoKo beginnt an der Stelle, an der auch die Bundesregierung aufgehört hat zu denken. Jegliche Reserve bzw. jegliche Form von bezahlter Vorhaltung von Erzeugungskapazitäten bestimmter Erzeugungstypen ist eine elementare Veränderung des Marktes. Das BMWi spielt es gerne als Klimareserve runter, jedoch ist es die Schaffung von zwei verschiedenen Klassen von Erzeugungstypen. Zum einen die thermischen/fossilen Kraftwerke zum anderen die wetterfühligen Erneuerbaren.  Könnte man sich auf die Planbarkeit der Erzeugung verlassen – tatsächlich ist die Anzahl der ungeplanten Nichtverfügbarkeiten in ähnlicher Größe wie die Prognosefehler des Wetters. Ignoriert wird dies zur Zeit vom BDEW und VKU in seinem Vorschlag des Dezentralen Leistungsmarktes – aber auch vom Land Baden-Württemberg  im Konzept des fokussierten Kapazitätsmarktes. Alle konventionellen Lobby-Verbände wollen die Zwei Klassen – und die Vertreter der Erneuerbaren (sfv, bee, mps, …) ignorieren die Konsequenz erfolgreich.

Egal wir das Kind sich nennt, mit Zeit Klassen Strom wird der normalen Stromerzeugung ein Stück Wert entzogen und dieser Wert der vorgehaltenen Kapazitäten zugerechnet. Heute kennt man einen solches Szenario bereits aus der Direktvermarktung, wo für recht große Strommengen Gewinne vorhanden sind, die durch recht geringe Strommengen in der Ausgleichenergie aufgefressen werden können.

Szenario 2025

Schaut man 10 Jahre in die Zukunft, so werden die ersten Anlagen aus der EEG-Vergütung herausrutschen. Eine Anschlussvermarktung ist notwendig, die bislang noch nicht definiert ist. Ist es bis dahin gelungen, den Wert von erzeugtem Strom gegen 0 zu Fahren und die Vorhaltung von Kapazitäten als einzigen Wert zu definieren, dann ist die Energiewende am tot.

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