In den letzten Jahren wurde in Deutschland immer mehr Strom zu den Nachbarländern exportiert. Die Zahlen der ENTSOe (Betreiber des Europäischen Verbundnetzes) deuten auch für das Jahr 2015 neue Exportüberschüsse an. Zu unseren Nachbarn werden allerdings nur dann Strom exportiert, wenn in diesen Ländern auch jemand bereit ist dafür zu zahlen. Der Preis für Strom Made-In-Germany ist meist deutlich geringer, als die heimische Erzeugung – ein Grund ist auch die EEG-Umlage, welche dafür sorgt, dass Großhandelspreise für Strom sehr niedrig sind.

Vermarktung EEG-Strom

EEG § 59

(1) Die Übertragungsnetzbetreiber müssen selbst oder gemeinsam den nach § 19 Absatz 1 Nummer 2 vergüteten Strom diskriminierungsfrei, transparent und unter Beachtung der Vorgaben der Ausgleichsmechanismusverordnung vermarkten.

Die Vermarktung erfolgt an der EPEXSpot in Paris, welche auch hinsichtlich des Austausches von Strommengen keine direkten Grenzen kennt. Dank PCR (Price Coupling Regions) werden bei Preisunterschiede zwischen den Ländern versucht bis zur maximalen Kupplungskapazität die Preise anzupassen. Ein niedriger Preis in Deutschland sorgt damit auch für den Rückgang der Preise in Frankreich. Allerdings muss man verstehen, dass der Preis in Deutschland exklusive der EEG-Umlage ist.

Zahlungspflicht EEG-Umlage

EEG § 60

(1) Die Übertragungsnetzbetreiber können von Elektrizitätsversorgungsunternehmen, die Strom an Letztverbraucher liefern, anteilig zu dem jeweils von den Elektrizitätsversorgungsunternehmen an ihre Letztverbraucher gelieferten Strom die Kosten für die erforderlichen Ausgaben nach Abzug der erzielten Einnahmen und nach Maßgabe der Ausgleichsmechanismusverordnung verlangen (EEG-Umlage). Es wird widerleglich vermutet, dass Energiemengen, die aus einem beim Übertragungsnetzbetreiber geführten Bilanzkreis an physikalische Entnahmestellen abgegeben werden und für die keine bilanzkreisscharfe Meldung eines Elektrizitätsversorgungsunternehmens nach § 74 vorliegt, von dem Inhaber des betreffenden Bilanzkreises an Letztverbraucher geliefert wurden. Der Anteil ist so zu bestimmen, dass jedes Elektrizitätsversorgungsunternehmen für jede von ihm an einen Letztverbraucher gelieferte Kilowattstunde Strom dieselben Kosten trägt. Auf die Zahlung der EEG-Umlage sind monatliche Abschläge in angemessenem Umfang zu entrichten.

Gemeinsam mit dem §61 des Erneuerbaren Energie Gesetzes wird geregelt, wer eigentlich verpflichtet ist die EEG-Umlage zu zahlen. Ähnlich der Umsatzsteuer ist die Umlage nur durch den Letztverbraucher zu zahlen. Der Stromhandel selbst kennt keine Steuern und auch keine Umlage. Im Gesetz ist nicht definiert, welche Rolle die Stromlieferung in das Ausland eigentlich einnehmen. Theoretisch könnte man ganze Länder als Letztverbraucher sehen, da die gelieferte Ware auch verbraucht werden will.

Kleine Änderung – Große Wirkung

Die notwendigen Änderungen am Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) sind minimal, damit der internationale Stromhandel an den EEG-Kosten beteiligt wird. Die Wirkung ist allerdings aus mehrerer Sicht erstrebenswert, denn zum einen wird das verfügbare Geld der privaten Haushalte in Deutschland durch Senkung der Stromkosten reduziert. Zum anderen würden die Stromerzeuger in den Nachbarländern profitieren, da der künstlich reduzierte Strompreis in Deutschland nicht mehr ein so großen Konkurrenzdruck auslöst, wie bisher.

Umsetzung einer EEG-Umlage auf Exportstrom

Im Rahmen der Preisbestimmung der Preiskopplung (Price Coupling) wird für Verkäufe von Strommengen  aus der Deutschen Preiszone die EEG-Umlage hinzugefügt. Für Importe aus den Nachbarländern wird die EEG-Umlage entsprechend abgezogen.

Bei unseren Nachbarn wird der Ausstieg aus der Atomenergie, die Infrastruktursubvention für Kohlekraftwerke und der Ausbau der Erneuerbaren sehr unterschiedlich gehandhabt. Dadurch kommt es gerade im internationalen Stromhandel zu Verzerrungen, die eigentlich in dieser Form nicht in der Europäischen Union existieren sollte.

Den Beitrag "EEG-Umlage um 20% senken durch Einbeziehen des internationalen Stromhandel offline Lesen:

4 Gedanken zu “EEG-Umlage um 20% senken durch Einbeziehen des internationalen Stromhandel

  1. Das verstehe ich nicht: „Für Importe aus den Nachbarländern wird die EEG-Umlage entsprechend abgezogen.“ Soll das bedeuten, dass Importeure diese bei Einfuhr bezahlen sollen?

    Und: Wenn man Exporte um die EEG-Umlage verteuerte, würde es kaum mehr welche geben. Dadurch würde das Preisniveau in D sinken und die Umlage steigen. Ich sehe den Vorteil nicht.

    Antworten
      • Unsere Nachbarn würden schlagartig jedes verfügbare Kraftwerk auf maximaler Leistung laufen lassen und uns den Strom selbst sogar schenken.

        Bei Spotmarktpreisen um die ~4 ¢/KWh und einer EEG-Umlage von ~6 ¢/KWh macht das dann aus Sicht des Kraftwerksbetreibers etwa 10 ¢/KWh die man beim Verkauf nach DE einnehmen kann, gegenüber ~4 ¢/KWh die man beim Verkauf an andere Abnehmer einnimmt. Nimmt man an, dass der Kraftwerksbetreiber im Bereich 15-30% Marge macht, dann sind die Gestehungskosten wohl bei ~3 ¢/KWh und als Verdienst nach Abzug der Kosten verbleibt dem Betreiber ca. 1 ¢/KWh … beim Verkauf an DE kann er dann die Marge in sagenhafte Höhen treiben.
        Der nichtprivilegierte Stromkunde in DE zahlt es dann, denn im eigenen Land müsste ein Kraftwerksbetreiber den Börsenpreis seines Angebots um eben jene 6 ¢/KWh reduzieren, womit er auf jede verkaufte KWh sogar noch 2 Cent drauflegt. Da die EEG-Umlage über die Preisdifferenz zwischen Spotmarktpreis und Vergütung bestimmt wird, haben wir dann ASAP, also im darauffolgenden Jahr gleich nochmal eine Verdopplung der EEG-Umlage … mit dem Effekt das das Kraftwerk jenseits der Grenze doppelt so gerne liefert, während das diesseits der Grenze abgebaut wird.

        Da hilft es übrigens auch nichts, dass die Umlage zurückgeht, auch ein Rückgang von mehr als 80% oder 90% würde das Kraftwerk im Ausland noch so stark bevorteilen, dass hierzulande nichts mehr konkurrenzfähig bleibt!

        Prima Thorsten, diese Idee ist der Prototyp eines Regelkreises mit einer Feedbackschleife, die das System aus dem Gleichgewicht bringt. 😉

        Antworten
  2. Die EEG-Umlage ist Teil der Herstellungskosten des deutechen Stroms.
    Mann kann sich einfach mal überlegen wie das bei einem Anteil von 90% Erneuerbarer Energie wäre. Es gilt immer:
    Herstellungskosten = Börsenpreis + EEG-Umlage

    Wenn die EEG-Umlage beim Strom-Export nucht berücksichtigt wird ist das eine Subvension auf kosten der deutschen Verbraucher. Das ist genau so wie bei den Industrie-Rabatten.

    Strom-Importe haben gar nichts mit der EEG-Umlage zu tun. Hier sollte alles bleiben wie es ist.

    Antworten

Kommentar hinterlassen

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> 

benötigt