„Ich persönlich hab mich ja schon länger vom EEG verabschiedet. Es ist zu kompliziert geworden für den Sonnenflüsterer. Ich brauche einfache Botschaften. Da aber die GroKo keinen Anlass findet das Gesetz zu ändern ist es gut wenn es Menschen gibt die sich „intensiv“ mit dem EEG 2.0 befassen. …“ (Der Sonnenflüsterer Erhard Renz)

So – oder so ähnlich – wird das Fazit von vielen Aussehen, die sich mit den Erneuerbaren beschäftigen, da helfen auch keine 3.000 Seiten Literatur wie Erhard in seinem Beitrag so treffend schreibt. Dennoch wird es am 15. Oktober die EEG Umlage 2016 geben. Der Tipp von blog.stromhaltig  die Umlage wird leicht im 0,2 Cent Bereich steigen. Einen Rückgang wie vor einem Jahr wird es wohl diesmal nicht geben.

Parallel zum Verschwinden der Energiewende aus der öffentlichen Debatte, ist auch das Interesse an der EEG-Umlage verschwunden. Im Alltag der Bürger haben die Abgasskandale der Pegida Anhänger aktuell eine höhere Relevanz in den Äußerungen des Vize-Kanzlers, als der Strompreis.  Jetzt den Fokus auf das alte Leiden aus grüneren Tagen zu wenden, wird man wohl nicht wünschen. Eine spürbare Änderung würde daher kontraproduktiv zum aktuellen Vergessen des Jahrhunderprojektes sein. Etwas Anstieg tut niemandem weh…

Die Urteile zur EEG-Umlage sitzen tief. So geben gegenüber dem IAP fast doppelt so viele Befragten an, dass man beim Bau einer neuen PV-Anlage auch für den selbst verbrauchten Strom eine Vergütung bekommt (18%), als die richtige Antwort, dass es keine Vergütung für Eigenverbrauch gibt (10%). Von denjenigen, die denken, dass es eine Vergütung gibt, glaubt die überwiegende Mehrheit (81%), dass der Staat die EEG-Umlage festlegt.

Der Staat

Das vorherrschende Bild ist, dass die Höhe der EEG-Umlage ein politisches Statement ist. Tatsächlich hat der Staat, oder das Bundes Wirtschaftsministerium mit der Festlegung der EEG-Umlage nichts zu tun. In wie weit es jedoch in Hinterzimmern gewisse Vereinbarungen von Korridoren gibt, kann wohl niemals endgültig beantwortet werden.

Der Staat hat per Gesetz die vier aktiven Übertragungsnetzbetreiber mit der Führung eines Kontos und der Verrechnung der Umlage beauftragt. Auf dem Konto werden die Einnahmen und die Ausgaben verbucht, die im Zusammenhang mit der Umlage getätigt werden. Ausgaben im Sinne des EEG sind zum Beispiel die Zahlungen an die Besitzer von Anlagen, aber auch die IT-Kosten oder die Börsenzulassung. Einnahmen werden aus dem Verkauf von Strom (<5% im Jahresschnitt) und vor allem durch die Stromkunden generiert.

Das EEG-Konto

Damit das EEG-Konto mit seinen über 20 verschiedenen Positionen für Einnahmen und Ausgaben nicht ins Minus gerät, gibt es den Ausgleichsposten „Zahlungen der EEG-Umlage“. In den ersten 9 Monaten des Jahres 2015 haben die Stromkunden in Summe bereits 16.462.440.367,29€ auf dieses Konto eingezahlt. Die Höhe dieser Einzahlungen hängt von der Höhe der EEG-Umlage ab. Würde das klassische EEG noch gelten, so müsste mit diesen Einzahlungen 18.274.412.185,08€ an Kosten gedeckt werden – eine Unterdeckung von 1,8 Mrd. Euro.

Auch wenn ich selbst ein Verfechter des klassischen EEG bin, so sollte man sich diese beiden Zahlen einmal auf der Zunge zergehen lassen. Mit der von Altmaier damals angestoßenen Strompreisbremse hat dies dennoch wenig zu tun, denn die ersten 9 Monate haben tendenziell höhere Zahlungen als die letzten 3 Monate. Die Kriegskasse ist per 30.09.2015 mit 2.521.189.796,39€ gefüllt und könnte uns auch über das Jahr 2016 gut retten.

Die EEG-Berechnung

Wenn der Staat die EEG-Umlage nicht berechnet und die Übertragungsnetzbetreiber keine Schulden (und auch kein zu großes Guthaben) anhäufen wollen, dann muss die Höhe auf irgend eine andere Art ermittelt werden. Die Übertragungsnetzbetreiber beauftragten dafür Gutachter, die letztendlich wieder von den Stromkunden per Stromrechnung bezahlt werden. Laut Gesetz müssen diese Gutachten dem aktuellen Stand der Wissenschaft entsprechen, jedoch wird die Wissenschaft überhaupt nicht gefragt. Per Losverfahren wird unter den immer gleichen Gutachtern gewählt, wobei das Verfahren, wie man in die Lostrommel kommt nicht öffentlich ist.

Im vergangenen Jahr hatte sich blog.stromhaltig offiziell für die Berechnung beworben. Bis heute ist bis auf die Eingangsbestätigung noch keine Rückmeldung erfolgt.  Von daher kann auch keine Aussage darüber gemacht werden, wie die Qualität der Gutachter überprüft wird und welche Ausschreibungsbedinungen vorhanden sind. Da die einzelnen Gutachter auch nur Teilbereiche untersuchen, obliegt es den Übertragungsnetzbetreiber daraus eine Zahl zu machen, die zukünftig die nicht-privilegierten Stromkunden in Deutschland zahlen sollen.

Schwierige EEG-Umlage 2016

Zur Erstellung von Prognosen benötigt jeder Gutachter aktuelles Zahlenmaterial. Die Stammdaten der neu gebauten Anlagen sind jedoch aus „datenschutzrechtlichen Gründen“ bislang noch nicht verfügbar, wie aus einer Antwort der Übertragungsnetzbetreiber an blog.stromhaltig hervorgeht.

Ausgehend von einem Datenbestand für das Jahr 2013 (anstelle 2014) muss deutlich weiter in die Zukunft geschätzt werden, als noch vor einem Jahr. Wir kennen vom Wetter, wie die Genauigkeit von Vorhersagen abnimmt, desto weiter man versucht in die Zukunft zu schauen.

EEG Umlage 2016 gleich – Netzentgelte Hoch

Schon im März 2015 war absehbar, dass in diesem Jahr die Netzentgelte deutlich ansteigen werden. Ursache hierfür ist die Integration von Braunkohlestrom in das Stromnetz, welche mit der Abschaltung der Kernkraftwerke begründet werden kann.  Zum Jahresende 2015 werden die Kosten für sogenannte Re-Dispatches mehr als doppelt so hoch sein, als noch im Jahre 2014.

Im Gegensatz zur EEG-Umlage , die man mit einer Medienmeldung veröffentlichen kann, sind die Netzentgelte in Deutschland sehr unterschiedlich. Die Stromkunden werden die Erhöhung einzeln wahrnehmen und es wird keine öffentliche Debatte geben. Zudem wird die Debatte wahrscheinlich mit den Schlagworten „Kosten des Netzausbaus“ schnell beendet werden.

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