Stresstest für die Grenze zwischen Deutschland und Österreich - Vision vom Europäischen Strommarkt auf dem Prüfstand 1

Stresstest für die Grenze zwischen Deutschland und Österreich – Vision vom Europäischen Strommarkt auf dem Prüfstand

Der Europäische Binnenmarkt für den Austausch von elektrischer Energie soll gestärkt werden. Bereits ab dem Jahre 2002 bilden Deutschland und Österreich an der Börse eine Preiszone. Diese Form des Freihandels soll, wenn es nach dem Willen von Bundesnetzagentur, E-Control und übergeordnet ACER geht, nun ein Ende haben. Unter dem Titel „Agentur für die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden empfiehlt Engpassmanagement an der deutsch-österreichischen Grenze“ zerplatzt der Traum von einer Kupferplatte in Europa zu einer Ressourcenfrage.

Noch im Grünbuch zum Strommarkt 2.0 wollte man den Binnenmarkt in Europa möglichst frei gestalten. Etwas verwunderlich ist nun, dass eine bestehende Freiheit nun zurückgefahren werden soll. Entsprechend muss man sehr zwischen die Zeilen lesen, um die Absichten der einzelnen Kommentatoren zu verstehen.

Die Süddeutsche Zeitung berichtet auf Seite 20 ihrer Print-Ausgabe vom 23.09.2015:

„Angesichts der hohen Kosten, die überschüssiger Strom aus Österreich hierzulande verursacht, will Deutschland an den Stromgrenzen zum Nachbarland wieder Kontrollen einführen. „

Anbetracht der Idee, die hinter AlpStore steckt, eine sehr interessante Deutung von Ursache und Wirkung. Gepeicherter Strom in den Alpen ist selbstverständlich teurer, als direkt erzeugter und verbrauchter Strom.

Gegenüber dem Standard sagt EU-Energiekommissar Maros Sefcovic im Interview:

Das Problem ist, dass gleichzeitig mit dem Ausbau regenerativer Energien wie Windkraft im Norden Deutschlands keine robuste Infrastruktur zum Transport in den Süden aufgebaut wurde. Das bedeutet, dass der Strom häufig über Länder fließt, deren Durchleitungskapazitäten an Grenzen stoßen: Polen und Tschechien. Für diese Länder bedeutet das, dass es zu leitungsbedingten Stresssituationen kommen kann.

Der Österreichische Verteinetzbetreiber Verbund kommt bei Finanzen.net zu Wort:

Gerade die Stromgrenze zwischen Deutschland und Österreich sei die einzige wirklich offene in Europa, „und es wäre skurril und doof, wenn wir sie schließen“, meinte Anzengruber im Auftakt-Pressegespräch zur „energy2050“-Tagung in Fuschl.

und weiter

4.000 MW heimische Kraftwerkskapazität, je zur Hälfte thermisch und Pumpspeicher, könnten nach Ansicht des Verbund-Chefs ausreichen, um dem immer wieder an Strommangel leidenden Süden Deutschlands von Österreich aus zu helfen.

Der Zusammenhang zwischen Speicherbedarf in Deutschland und dem Speicherangebot in Österreich scheint erkennbar. Tatsächlich werden bereits heute die Kapazitäten in den Alpen berücksichtigt, wenn ein Engpassmanagement (Redispatch) durchgeführt wird. Im April 2014 berichtete blog.stromhaltig über die Vorarlberger Illwerke.

In einer Pressemitteilung der ÖVP wird kommentiert:

 „Besser für die Bevölkerung und die Wirtschaft ist mittel- und langfristig gesehen eine Erweiterung der gemeinsamen Preiszone auf die Nachbarländer Deutschlands. Dafür sind aber derzeit noch enorme Investitionen in den Netzausbau in diesen Ländern, vor allem in Tschechien und Polen, nötig“, so der ÖVP-Energiesprecher abschließend.

In Deutschland meldet sich der BDEW ebenfalls mit Kritik:

 „Wir teilen diese Einschätzung von ACER ausdrücklich nicht. Ein Aufbrechen der einheitlichen Preiszone zwischen Deutschland und Österreich steht dem Ziel eines europäischen Strombinnenmarktes entgegen. Zudem senkt es den Handlungsdruck auf den dringend notwendigen Netzausbau in Deutschland. Statt voreilig eine solche Empfehlung zu veröffentlichen, hätte ACER die für das zweite Quartal 2016 erwarteten Ergebnisse der Expertengruppe des Verbands der Europäischen Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E) zum optimalen Zuschnitt der Preiszonen abwarten sollen“, kritisiert die Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung Hildegard Müller.

ebenfalls wird durch den BDEW angemerkt, dass ein Beibehalten von einer Preiszone für eine ausreichende Liquidität sorgt. Fürchtet man etwa, dass zukünftig die Überschüsse aus den Meilern in Deutschland nicht mehr in Österreich „zwischengelagert“ werden können?

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