„Das kapiert doch keiner mehr!  D wollte der Welt zeigen, wie die Energiewende funktioniert, das ich nicht lache!“ schreibt ein Leser des Photovoltaikforums, nachdem er im Leitartikel lesen musste, dass man das Thema EEG-Abgabenzahlung bei Eigenverbrauch stärker überwachen möchte.  Es ist die Spitze eines Eisbergs der Enteignung, die erscheint, wenn die böse Fratze der Rentabilität von EEG-Geförderten Anlagen  beginnt zu schmelzen.  Sind die Vergütungen hoch genug, ist es egal, welcher Geist den letzten Novellen des Gesetzes inne wohnt. Mit den 2014 eingeführten EEG Zahlungen auf selbst verbrauchten Strom – und der 4 Ausnahmen – wurde allerdings gewerblich die wirtschaftliche Selbstbestimmung und privat die Unverletzlichkeit der  eigenen vier Wände empfindlich gestört.

Nach der Einführung der Einspeisevergütung  und derer Finanzierung über die EEG-Umlage waren Vergütungssätze deutlich über den Bezugskosten üblich. Garantiert wurde eine notwendige Anschubfinanzierung für Windkraft und Sonnenstrom geschaffen. Deutlich leichter wurde es, eine Anlage mit dem Netz zu verbinden. Selbst einen Einspeisevertrag braucht man eigentlich nicht, denn die Verteilnetzbetreiber haben eine Anschluss und Zahlungspflicht per Gesetz. Mit dem Rückgang der Vergütungssätze kam etwa im Jahre 2013 der Zeitpunkt, als die Einspeisung geringer vergütet wurde, als Strom werden musste. In der Folge wurden neue Anlagen zur Eigenverbrauchsnutzung optimiert. Lediglich die überschüssigen Strommengen, die im eigenen Betrieb/Haushalt nicht verbraucht wurden, wurden in das Netz eingespeist. Mit 70% Wirkleistungsbegrenzung gibt es heute sogar einen theoretischen Zwang zur Eigennutzung.

Übergang der Verantwortung Netzbetreiber und Stromkunde
Übergang der Verantwortung Netzbetreiber und Stromkunde

Der Übergang zwischen „Eigen“ und „Fremd“ findet im Elektroverteilerschrank statt. Oft findet man dort ein  Verkabelungsschema, welches von Verantwortungsbereichen und ihrem Übergang spricht. Es ist wichtig, dass dies geklärt ist, auch wenn jedem klar ist, wenn man in die Wand bohrt und ein Kabel erwischt, braucht man nicht beim Energieversorger anzurufen und einen Stromausfall melden. Vereinfacht kann man sagen, dass der Eigentumsübergang bei Elektrizität am Stromzähler stattfindet. Verluste, welche vor dem Zähler im Netz passieren, müssen vom Verteilnetzbetreiber getragen werden – Verluste (auch Verbrauch genannt), die nach dem Zähler passieren gehen auf Kosten und Rechnung des Stromkunden.  Bei einer Eigenverbrauchsanlage existieren sogenannte Zweirichtungszähler – sie messen die Entnahme aus dem Netz und die Einspeisung in das Stromnetz. Bis zur EEG-Novelle 2014 war Verteilerschrank die Frage des Eigentums klar geklärt. Was vor dem Stromzähler passiert geht den Stromkunden nichts an – was dahinter geht den Netzbetreiber (und alle anderen) nichts an.

Mit der EEG Novelle 2014 wurde die ganze Sache kompliziert. Man muss die 4 Ausnahmen ansehen, um das vollständige Ausmaße des „kapiert doch keiner mehr“  zu verstehen.

Die Ausnahmen von der EEG-Umlage auf „Eigenverbrauch“:

  1. Ein konventionelles, thermisches Kraftwerk benötigt etwa 20% der erzeugten Strommenge, um damit Pumpen und Kühlung zu betreiben.  => Kraftwerkseigenverbrauch
  2. Inselanlage, welche überhaupt nicht an das öffentliche Stromnetz angeschlossen sind.
  3. Inselanlage, welche sich vollständig selbst versorgen kann
  4. Anlagen mit einer elektrischen Kapazität von weniger als 10 KW

Wer nicht unter diese Ausnahmen fällt muss einen verminderten Satz der EEG-Umlage zahlen, selbst wenn die elektrische Energie nicht in das öffentliche Netz eingespeist wird. Bei der EEG-Umlage als einer der Bestandteil von Stromkosten, ist man damit vom klassischen Prinzip des Übergangs am Stromzähler abgewichen. Alle anderen Komponenten (zum Beispiel die Konzessionsabgabe) werden wie bisher erst ab Zähler gemessen. Beim Errichten einer neuen Anlage wird man daher einen Produktionszähler benötigen, welcher geeicht misst, was erzeugt wird.

Man könnte jetzt eine etwas stupide Kausalkette aufbauen. Die Bahn verwendet Züge, welche beim Bremsen einen Teil der Energie rückgewinnen und in das Netz einspeisen (vergl. Beitrag Macht Energierückgewinnung zukünftig das Bahnfahren teuer?). Die Bahn fällt nicht unter die Ausnahmen, da das Bahnstromnetz sehr wohl mit dem restlichen Stromnetz verbunden ist. Aber, die Bahn zahlt keine EEG-Umlage, da privilegierter Letztverbraucher „Schienenverkehr“.  Die EEG-Befreiung wirkt sich somit auch auf die Eigenverbrauchsregelung aus.   Jetzt kommt der PV-Yogi ins Spiel. Dieser hat eine von 1,3 Millionen Solaranlagen, die kleiner 10 KW sind.  Er fällt unter die EEG Befreiung des Eigenverbrauchs. Der Wechselrichter und der Stromzähler werden aber 24 Stunden am Tag – 365 Tage im Jahr – etwa 4 Watt Strom ziehen. Macht  45.552.000 KWh, die eigentlich auch von der EEG-Umlage befreit sein müssten.

So wirklich kapieren kann man dies alles wirklich nicht mehr. Im Buch Eigenstrom (bei Amazon für Kindle und Print) bin ich 2012 bereits auf die grundlegende Frage eingegangen, wie man Eigentum und Strom vereinen will. Die Begriffswelten scheinen bislang nicht auszureichen, um ein ökonomisches Verständnis für das Produkt Strom zu beschreiben.

Den Beitrag "ElektrizitätsEnteignungsGesetz - kurz EEG offline Lesen:
Veröffentlicht unter Lobby.

Kommentar hinterlassen

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> 

benötigt