Im KIT in Karlsruhe entsteht zurzeit die intelligente Energieversorgung der Zukunft, doch wir treffen uns in der Nähe des Stuttgarter Nordbahnhofs. Dezentral, bedeutet eben nicht die Welt von einem Ort zu regieren. In einem unauffälligen Bürogebäude am Ende einer Sackgasse denkt und lenkt man die „technische Seele der Energiewende“, wie Dr. Reuter (Vorstand von SmartGrids BW) das ab 2016 entstehende Schaufenster bezeichnet.

Jetzt hat dieser Besuchsbericht erst wenige Sätze – und bereits einige grundlegende Fehler, denn die Sprache der Energiewirtschaft schafft es eigentlich nicht das 120 Mio. € Vorhaben von 63 Projektpartnern zu beschreiben. Worte wie „Partizipation“ und „Zellularität“ passen nicht in das Bild der heutigen Stromversorgung. Zentral gesteuert wird nicht – das Schaufenster wird orchestriert. Eine abstrakte Zukunft gilt es auch nicht zu skizzieren, sondern einen Weg durch die verändernde Lebenswirklichkeit aufzuzeigen.

csells_chartZwischen Rhein und Inn ist man viel Sonne gewöhnt, die dank 21,6 GW Photovoltaik auch in das Netz integriert werden wollen. Geht am Inn die Sonne auf, so ist es am Rhein noch dunkel. Ein einfacher Sachverhalt, den man täglich beobachten kann, aber verhindert, dass man dieses Gebiet als eine Einheit betrachten kann.  Bei C/sells wird die Modellregion in einzelne Zellen untergliedert, welche unterschiedliche Problemfelder betrachten. „Intelligente Wärme“ in München kann erst einmal adressiert werden, bevor es mit dem südhessischen „Regionalen Flexiblen-Märkten“ in Konflikt steht. Am Ende stehen allerdings alle Zellen in einem Schaufenster und formieren ein Bild, welches den Kunden in das Geschäft der Energiewende bringen soll.

Im Gespräch betont Dr. Reuter, dass man die gesamte Wertschöpfungskette betrachtet. Zeit zum Rückfragen, denn Wertschöpfung ist ein Begriff, der zumindest bei der Stromversorgung nicht ganz einfach definiert ist. In einem klassischen Modell wurde Wert durch Stromerzeugung definiert – mit der Energiewende sind ganz neue Werte hinzugekommen (vergl. „Wertschöpfung Strom – Das unterentwickelte Wesen“). Reuter führt an, dass es eine vielfältige Akteursstruktur gibt, die eine ideale Voraussetzung für neue Modelle der Kooperation und Partizipation bieten.

Mitbestimmen, mitwirken, einbeziehen will man bei C/sells die 760.000 Prosumenten, die es aktuell bereits im Gebiet des Schaufensters gibt.  Sie sind quasi die DNA des zukünftigen Energiesystems und sammeln bereits heute wichtige Erfahrungen. Prosumenten, die sowohl Konsumenten als auch Produzenten im Strommarkt sind, organisieren ihre eigene Wertschöpfung meist besser, als die zentral geführte Energiesysteme.

„Mit C/sells wird ein fließender Übergang von der Demonstration bis zum Massenmarkt ermöglicht.“

Schnell wird klar, dass ein „One-Fits-All“-Ansatz kein Ergebnis sein kann. Es wird nicht ein Produkt für einen Massenmarkt entwickelt, sondern ein Spektrum von Dienstleistungen, Techniken und Waren, welche auch bewehrte Strukturen verändern wird. Am offensichtlichsten ist die Rolle der klassischen Energieversorger, bei blog.stromhaltig wurde im November 2014 bereits die Frage gestellt: „Was sind eigentlich Energieversorger?“. Neue Rollen und auch Begriffe müssen in den kommenden Jahren entwickelt werden, damit man überhaupt ein Verständnis über Zuständigkeiten, Angebote und Wertschöpfung erhalten kann. Die One-Shop-Lösung der Vergangenheit, bei der Strom aus der Steckdose kommt von einem der 4 Großen, sind vorbei. Selbst im wechselmüden Deutschland sind mittlerweile mehr Kunden beim Stromdiscounter als bei den ehemaligen Oligopolisten.

SmartGrids BW und C/sells sind das Gegenstück zum Schaufenster für Windkraft, von dem blog.stromhaltig bereits berichtete.

(Beitragsbild: Agentur Ressourcenmangel, von rechts nach links: Dr. Reuter , Herr Ritzenthaler, Thorsten Zoerner)

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