Vor einigen Tagen wurde bei blog.stromhaltig ein Beitrag zur abwehrenden Haltung der Nachbarländer zu Strom Made-In-Germany veröffentlicht. Es ging vor allem um die unbeantwortete Frage, warum Deutschland eine Schuld daran haben soll, wenn Stromkunden den Strom aus Deutschland kaufen. Der Beitrag war sehr fokussiert auf  den Spot-Markt und hat den Terminmarkt ausgeblendet, aber die Grundfrage bleibt: Ist es ein Problem des Anbieters, wenn sein Produkt gekauft wird?

In der Diskussion ist auch der Hinweis auf den drohenden Brown-Out in Polen aufgekommen (Englisch/Deutsch). Starke Hitze sorgt zu Zwangsabschaltung von polnischen Kraftwerken, die Importe müssen angezogen werden, der lokale Strompreisindex POLPX notiert zeitweise bei etwa dem zehnfachen Preis des Deutsch/Österreichischen PHELIX. Jetzt ein Lieferstopp von Strom aus Deutschland – und in Polen würden die Lichter ausgehen. In der Rubrik Versorgerwechsel, greift das Fachportal T-Online einen Beitrag von Politico auf. Mit Blick auf die aktuelle Situation schon als Kriegserklärung zu verstehen, will man den Polen den Stecker ziehen.

Auf Basis von sogenannten Netzkupplungsprofilen kann erklärt werden, welche Rolle die Verbindung zweier Stromnetze von einem Land eingenommen wird. Für die Verbindung zwischen Deutschland und Frankreich (TransnetBW) wurde eine Analyse für das erste Halbjahr 2015 bereits veröffentlicht. Für die Verbindung zwischen Deutschland (50Hz) und Polen soll diese jetzt nachgeliefert werden.

Netzkupplungsprofil - Deutschland und Polen - Einflus Windstrom
Netzkupplungsprofil – Deutschland und Polen – Einflus Windstrom

Auffallend an diesem Profil ist zunächst, dass die Kapazitäten sehr häufig ausgelastet sind. Die Knapp 1.700 MW, die maximal genutzt werden können werden sehr häufig erreicht. Ein aktives Engpassmanagement ist die Folge, bei dem auch ein Phasenschieber eingesetzt werden muss (vergl. Beitrag von H.J. Fell) :

Die Argumentation, dass mit den Phasenschiebern, die nicht vor 2016 fertig gestellt werden, im Osten Deutschlands öfter Windenergieanlagen abgeschaltet werden müssten sind darüberhinaus falsch. Wenn der Einspeisevorrang für Erneuerbare Energien eingehalten wird, müssten zunächst einmal die Braunkohlekraftwerke in der Lausitz und in Sachsen heruntergefahren werden. Bis zur Fertigstellung der Phasenschieber im Jahr 2016 wird die neue Stromtrasse von Thüringen nach Bayern fertiggestellt sein.

Die Daten aus dem ersten Halbjahr 2015 zeigt, dass die Kuppelkapazitäten mit dem östlichen Nachbarn zu stark ausgelastet sind, als dass es zu einer Zuspitzung der Situation rein aus Gründen der Windenergie gibt. Zwar wird bei einer starken Einspeisung aus Windkraft (Einspeisung > 10 GW) zwar auch mehr Strom nach Polen exportiert (> 1.6 GW), jedoch existiert auch bei geringer Einspeisung aus Windkraft (<1 GW) bereits ein Engpass (>1.6 GW). In den Daten des ersten Halbjahres lassen sich somit Zeiten finden, bei denen die Übertragungskapazitäten zwischen den beiden Ländern auch ohne Windkraft vollständig ausgeschöpft gewesen sind.

Es sind zwar nur wenige Stunden, bei denen aus Polen Strom importiert wurde, jedoch fallen diese meist auf Zeiten mit sehr geringer Einspeisung aus Windkraft (<2 GW).

(Beitragsbild: Grzegorz aus Kraków, Polska @ Pixabay)

Den Beitrag "Polen's Brown-Out und die Rolle von Deutschland offline Lesen:

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